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Folgendes zum Berufseinstieg

Ich bin gerade in der Bewerbungsphase. Gutes Timing, 2020, yay. Aber so ging es vielen. Und so wird es noch vielen gehen. Nun habe ich bereits einiges lernen können, was ich mich euch teilen möchte.

Vorher möchte ich klarstellen, dass dieser Text aus einer sehr privilegierten Sicht heraus geschrieben ist. Ich bin zwar eine Frau, aber ich bin weiß, habe einen Hochschulabschluss mit eins vor dem Komma und einen prall gefüllten Lebenslauf, bei dem ich sogar Sachen rauskürzen muss, weil es sonst einfach zu viel ist. Es gibt Menschen, die haben einige dieser Voraussetzungen nicht oder gar: keine. Aber vielleicht – hoffentlich – helfen diese Zeilen auch ihnen.

Was will ich nach meiner Ausbildung machen?

Bei dieser Frage geht es ja schon los. Tja, gute Frage. Ich hätte natürlich schon Wünsche, klar. Am liebsten würde ich einfach mein eigenes Ding (weiter)machen und selbstständig sein. Verdiene ich damit genug Geld, um zu überleben? Nein. Zumindest noch nicht. Dann also ein Job. Aber vielleicht möglichst nicht Vollzeit, damit ich weiter selbstständig tätig bleiben kann? Erstmal wahrscheinlich schwierig, da die meisten Unternehmen wohl für 40 Stunden anstellen werden. Egal. Ich muss jetzt einen Job finden und womöglich wird es zunächst hart und zeitintensiv.

Dann aber wenigstens etwas, was mich irgendwie erfüllt. Etwas mit Sinn. Das habe ich schon bei meinen Praktika gemerkt: Es fällt mir wesentlich schwerer, mich für etwas aufzuopfern, hinter dem ich nicht stehe. Das grenzt die Suche natürlich aber erheblich ein und ich muss mich fragen, ob ich mir diese Art von Denken überhaupt leisten kann. Und doch: Ich werde es natürlich bei den Unternehmen versuchen, bei denen ich liebend gern arbeiten würde. Im schlimmsten Fall sind die Bewerbungen dort gute Übungen.

Wo finde ich einen Job?

Ich schaue mich auf LinkedIn um, was es in Wien (dorthin ziehe ich, weil mein Freund dort einen Master macht) für Stellenangebote im Bereich Social Media, Marketing und im Verlagswesen gibt. Die Treffer sind überschaubar, aber Hey! Ich hab auch erst auf einer Seite geschaut. Ich schaue auch bei Verlagen selbst. Spreche im Internet darüber, dass ich auf Jobsuche bin. Da fällt mir ein: Ich könnte auch auf Instagram nochmal fragen, ob jemand jemanden kennt, der jemand kennt, und so weiter …

So richtig Zeit und Muße habe ich auf die Jobsuche aber noch nicht verwendet. Der April scheint noch so weit weg. Doch ich irre mich! Zu früh nach Jobs suchen, gibt es fast nicht. Vor allem in Zeiten einer Pandemie. Jetzt ist auch schon wieder Weihnachten und dann sind es nur noch drei Monate. Und wie soll ich bitte den ersten Monat bis zum ersten Gehalt ohne Unterstützung meiner Eltern überleben? Alles solche Fragen.

Ich lese die Zeit Campus Berufseinstieg und lerne viel dazu. Auch gute Internet-Jobbörsen werden da genannt. Ich nehme mir vor, noch einmal tiefer einzutauchen. Ich telefoniere mit meinem Bruder, frage, wie es bei ihm damals vor 10 Jahren war. Er hatte direkt was, aber war maßlos unterbezahlt, reflektiert er. Nicht unter dem Wert verkaufen also! Letztendlich stolpere ich ein paar Tage später über ein Jobangebot bei einem coolen Jungunternehmen. Die Bewerbung läuft komplett online ab, mit Videos und so. Ich habe ein gutes Gefühl und versuche mein Glück.

Was ist mein Wert?

Nicht unter dem Wert verkaufen, sagte ich gerade, habe ich gelernt. Was sind also meine Gehaltsvorstellungen? Das werde ich auch im Online-Berwerbungsformular gefragt. Meine Traumvorstellung im Monat wären 2000€ netto. Netto ist das, was Du zu Netto bringst, so die Eselsbrücke. Bei einem Brutto-Netto-Rechner rechne ich aus, wie viel ich dazu jährlich brutto verdienen müsste, damit nach den ganzen Abzügen eben ungefähr 2000€ übrig bleiben. 37.000€ spuckt der Rechner aus. Das sind 3083€ brutto im Monat.

So weit, so ähnlich dem, was mir das Berufseinstiegs-Heft prophezeit hatte: Berufseinsteiger:innen mit meinem Abschluss (Bachelor in Geisteswissenschaften) verdienen so um die 36.000€ jährlich. Trotzdem muss ich schlucken. Wird das coole Jungunternehmen mir das zahlen wollen? Oder ein kleiner Verlag? Und wie ist das theoretisch, wenn ich vielleicht nur 30 Stunden arbeiten will? Das wären dann gleich 500€ weniger, die ich durch meine Selbstständigkeit aufholen müsste. Irgendwie würde ich das schon schaffen, aber: es ist alles noch so ungewiss.

Wie bewerbe ich mich?

Und da wären wir: Der Absatz, bei dem ich mal Kritik äußern will über die vielen veralteten Bewerbungsverfahren. Es fängt ja schon in der Schule an. Die Noten entscheiden über deinen späteren Weg. Nicht, wie sehr du dich ins Zeug gelegt hast oder was deine sonstigen Talente abseits des Lehrplans sind. Naja. Ich konnte jedenfalls nicht auf meine Traumuni. Habe an meiner jetzt aber doch ganz soliden Uni – wenn auch kein relevantes Wissen – einen recht guten Abschluss erwerben können. Hilft mir das was? Vielleicht minimal. Ein bisschen mehr Fachwissen hätte es schon getan: Ich traue mir jetzt nämlich nichts zu. Alles, was ich weiß, weiß ich durch meine eigenen Projekte und Praktika. Aber wird das reichen?

Die Anforderungen an die Bewerber:innen lesen sich alle etwas abschreckend: Studium in die und die Richtung, am besten mehrjährige Berufserfahrung. Ähm … zähl ich mich dazu? „Ja!“ sagen die, die mich kennen. „Das packst Du!“. In der Zeitschrift lese ich dann wieder von Assessment-Centers, gemeinen Fragen und und und. Warum nur kann nicht mal die Person im Vordergrund stehen? Es geht immer nur um Leistung. Und ja, vielleicht hab ich da gut reden weil ich mit mehr komme, als nur mit meiner Persönlichkeit. Aber was ist mit all den Menschen, die eben wieder und wieder schlechte Erfahrungen bei Bewerbungen und Bewerbungsgesprächen gemacht hatten und nie die Chance hatten und haben werden, sich zu beweisen? Ich kann immer nur wieder betonen, wie sehr ein gutes Netzwerk dann helfen kann. Aber doof bleibt die Situation trotzdem!

Was tut sich?

Zum Glück ändert sich das aber (seeeeehr) langsam. New Work und so. Eine neue Phase von (vor allem) jungen, kleinen Unternehmen, die strikte Bewerbungsverfahren abschaffen. Bitte mehr davon! Grauenvoll die Angst, bei sowas zu versagen. Unternehmen sollten, finde ich, dafür sorgen, diese Angst abzuschaffen und Bewerbungsgespräche wie Kennenlerngespräche behandeln. Und vor allem auch: Selbst auf die Suche gehen nach Menschen, die zu ihrem Unternehmen passen könnten. LinkedIn und Co machen’s möglich – also macht euch da auch ein gutes Profil! Ich habe schon die eine oder andere Anfrage von Unternehmen darüber bekommen – da hatte ich allerdings noch nicht mal meine Bachelorarbeit geschrieben. Falsches Timing also. Just saying: Präsentiert euch gut! Zum Beispiel auch über Social Media!

Und nun?

Ich bin gerade erst am Anfang der Reise. Noch nicht mal eine Bewerbung ist abgeschickt (wobei ich das heute noch mache). Nebenbei muss ich mich auch noch um den Umzug kümmern. Nebenbei tötet die Pandemie auch gerade täglich über 500 Menschen. Viel los gerade und meine Probleme hier sind vergleichsweise klein, wenn auch für den Lebensweg sehr zeichnend. Interessiert euch das, folgt mir und meinen Vlogs doch gern auf YouTube. Da berichte ich tagesaktuell, wie’s so läuft. Und vielleicht kommt zu diesem Artikel hier auch nochmal ein Update wenn alles in Sack und Tüten ist!

Was sind Eure Erfahrungen mit Bewerbungsprozessen? Könnt ihr anderen Berufseinsteiger:innen irgendwie die Angst nehmen und vielleicht nützliche Tipps geben? Schreibt es uns gern auf Instagram als Kommentar unter diesem Post auf @tierindir.

Nora ist 22 und wusste schon früh, dass sie später mal was mit Medien machen wollte. Und fing direkt damit an. Seit 2012 betreibt sie ihren YouTube-Kanal und ist auf den verschiedensten Social-Media-Plattformen aktiv. Am liebsten spricht sie über Gefühle, das was sie ausmacht und Nachhaltigkeit. Neben YouTube, dem Reden-ist-Gold-Podcast, dem Jugendmagazin TIERINDIR und ihrem Kommunikationswissenschaft-Studium führt sie ein Leben mit Höhen, Tiefen und Tanzeinlagen in Erfurt. Sie kocht unglaublich gern und genießt es, beim Lesen abzuschalten.

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