Liebe & Triebe
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Gedicht an jemanden, mit dem ich mal was hatte

Ich traf dich.

Ich traf dich Ende Oktober.

Na gut, ich swipte nach rechts und du scheinbar auch und bald schon trafen wir uns ganz unverbindlich auf ein Bier.

Du sprachst von Politik und deinen Reisen, ich sprach über das Wetter. In Konversation bin ich nicht wirklich gut. Doch scheinbar gut genug, denn du wolltest mich wiedersehen. Und so trafen wir uns immer öfters und irgendwann küsste ich dich und irgendwann schliefen wir miteinander. Ich weiß nicht mehr recht wie es genau dazu gekommen ist. Manchmal schlafe ich ausversehen mit jemanden. Dabei läuft das leider nie so ab, wie man das aus Filmen kennt.

Erste Szene: Zwei überdurchschnittlich attraktive Menschen sitzen in einer Bar und ziehen sich schon fast mit den Augen aus. Schnitt.

Zweite Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen taumeln wild knutschend in eine Wohnung und einer der beiden tritt die Tür mit dem Fuß zu. Schnitt.

Dritte Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen liegen schwer atmend zusammen im Bett. Der Drops ist schon gelutscht.

Bei mir läuft sowas häufig eher nach dem Prinzip Hoppla oder warum eigentlich nicht? ab. Keine sonderlich gesunde Einstellung, ich weiß. Konventionen.

Ich traf dich also immer häufiger und schließlich traf ich dich fast vier Jahre lang.

Jahre, in denen wir uns immer näherkamen, uns immer besser kennen lernten und schließlich: Freunde wurden. Freunde, die nach dem letzten Bier oder dem letzten Joint nicht nach Hause fahren, sondern Freunde die schlechten bis mittelmäßigen Sex miteinander haben und dann Arm in Arm einschlafen und am nächsten Morgen sogar noch die Dreistigkeit der unkonventionellen Beziehungen besitzen und zusammen Kaffee trinken, bevor der eine zur Arbeit oder zur Uni muss. Konventionen. Einmal ist Keinmal, doch aus Zweimal wird schnell Dreimal. Und aus Dreimal wurde ein Dauerhaft. Wobei, eher Dauer ohne Haft.

Es waren Jahre, die uns so nah zusammenwachsen ließen und uns haben doch so weit auseinanderdriften lassen. Zu wenig für ein Wir, zu viel für ein Du und Ich.

Zusammen zwischen den Laken, zusammen Weinen, zusammen Lachen. Zusammen.

Allein Denken, allein Lieben, allein Grübeln. Allein.

Ich traf dich also so lange, bis du mir schließlich sagtest, dass wir das lassen sollten. Du hättest jemand kennen gelernt. Aber wir könnten ja Freunde bleiben. Zwischen uns sei alles cool.

Freunde. Was waren wir bisher?

Und ich fing wieder also an nach links und rechts zu swipen während du rosarote Brillen tragend durch die Stadt gelaufen bist. Auf unbekannten Pfaden nach dem High der Nacht suchend. Zusammen mit ihr.

Ich dagegen, alleine mit mir. Alleine mit der Lücke, die du hinterlassen hast. Eine Lücke, die auch eine Freundschaft zu dir nicht mehr füllen kann. Denn wenn wir ehrlich sind, waren wir die letzten Jahre keine Freunde, sondern ein dauerhaftes Fragezeichen.

Der Text wurde anonym eingereicht. 

Die Gestaltung ist von Linda. Sie studiert Kommunikationsdesign in Bayern und liebt gute Gestaltung. Sie gibt definitiv zu viel Geld für Schreibwaren und Zimmerpflanzen aus und verbringt oft Stunden mit dem Sortieren ihrer Spotify-Playlisten.

*Für unsere neue Sex-Kolumne suchen wir Eure Stories! Was habt ihr gelernt? Was wollt ihr noch lernen? Was habt ihr Lustiges oder Peinliches erlebt? Wollt ihr anderen etwas mitgeben? Schickt uns eure Texte, Gedanken und Bilder an gastgedanken@tierindir.de! Natürlich können eure Beiträge anonym veröffentlicht werden.

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