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Reden ist eine Entscheidung #Mut(Ich)

Oft habe ich das Gefühl, über nicht genug Wissen zu verfügen, um auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen.
Meine Meinung äußern zu dürfen, auch wenn ich nicht alles weiß.
Dabei gibt es – egal in welcher Zeit wir uns gerade auch befinden – immer Themen und Diskussionen, über die es sich zu reden lohnt und die es notwendig machen, dass man sich traut, seine Gedanken zu teilen.

Ich würde selbst von mir behaupten eine wissbegierige und lernbereite Person zu sein, die viel Neugier besitzt und sich der Masse und Vielschichtigkeit von Problemen und Themen bewusst ist.
Dennoch ist mir auch bewusst, dass es unheimlich viel gibt, von dem ich nichts weiß – oder zumindest nicht ausreichend – um eine hörenswerte Meinung artikulieren zu können.

Dachte ich.

Denn umso mehr mir bewusst geworden ist, wie viele Themen ich nie werde tiefgründig erkunden können,
sei es aus Mangel an Zeit, subjektiven Erfahrungen etc., desto mehr merke ich, wie wichtig ist es, zu reden.
Sich zu trauen, auszuformulieren, was einen beschäftigt und sich zu positionieren.

Natürlich gibt es Themen, die bestimmte Personen mehr betreffen, weil sie beispielsweise bestimmte Personengruppen mehr oder überhaupt erst ansprechen, zu denen ich nicht gehöre – wie aktuell im Bezug auf das Thema Rassismus. Als weiße Europäerin verfüge ich privilegierter Weise (!) über keinerlei persönlicher Erfahrung, weil ich nicht betroffen bin und mich nicht im Recht fühle, das Wort zu ergreifen, wenn so viele Menschen alltäglich mit Rassismus konfrontiert sind. Die Erlebnisse beschreiben können, welche Situationen ihnen Tag für Tag widerfahren.

Trotzdem schweige ich nicht. Versuche mein Wissen dadurch zu erweitern, zuzuhören. In den richtigen Momenten den Menschen das Wort zu überlassen, die über mehr Wissen in diesem Themengebiet verfügen und dazuzulernen. Heute ist es leichter denn je an Informationen zu kommen. Wichtig ist nur, offen für die Inhalte zu sein, die einem geboten werden.

Jedes Wissen ist begrenzt und keiner von uns hat genug Zeit, um in jedem Themenbereich ein Experte zu werden. Aber genau das sollte auch nicht die Erwartung sein. Jeder hat eine Meinung die es wert ist, geteilt zu werden. Solange wir sie respektvoll äußern und uns nicht für Experten halten, die wir nicht sind.

Diskussionen leben schließlich davon, dass Menschen unterschiedliche Ansichten teilen. Nur so können wir uns die Hand reichen, aufeinander zu gehen und Veränderung erzielen.

Zu reden ist eine Entscheidung.
Zu schweigen aber auch.

Jacqueline ist 22 Jahre alt und lebt an der Ostsee. Sie liebt es, sich in Büchern zu verlieren, sich Gedanken über die kleinen und großen Dinge des Lebens zu machen und diese in Form von Wörtern oder Zeichnungen zu verarbeiten. In Ihrer Kolumne „Mut(Ich)“ soll es um den Umgang mit Herausforderungen des alltäglichen Lebens gehen. Zu lernen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Die Bebilderung ist von Lisa.

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