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Verbündetenschaft #Alltagsaktivismus

Seit dem schrecklichen Mord an dem schwarzen US-Amerikaner George Floyd wird wieder über rassistische Gewalt diskutiert. Auch in Deutschland sehen sich BIPoC täglich mit strukturellem und Alltagsrassismus in der Öffentlichkeit sowie im Privaten konfrontiert. Sie werden nach ihrer wahren Herkunft gefragt, für ihr gutes Deutsch gelobt, angestarrt, angefasst, bedroht, beschimpft, ausgeschlossen, unterdrückt, stigmatisiert, ihre Hautfarbe Schokoladensorten zugeordnet, sie werden sexistisch exotisiert und dann werden sie gefragt, ob es Rassismus in Deutschland überhaupt gäbe. Viele meiner weißen Freund*innen finden diese Realität, zu Recht, schrecklich. Gleichzeitig sind sie sich unsicher, wie sie sich für die Rechte ihrer BIPoC-Freund*innen, Kommiliton*innen, Mitbürger*innen etc. einsetzen können, ohne die Betroffenen zu bevormunden.

Bei dem Thema Rassismus haben Menschen schnell, und wieder zu Recht, Angst etwas Falsches zu sagen oder zu machen. So bleibt es oftmals dann doch nur bei den Mitleidsbekundungen oder den Posts auf Social Media. Wie kann ein antirassistisches Engagement von weißen Menschen aussehen, das nicht mit einem schwarzen Foto auf Instagram auch schon wieder vorbei ist?

Verbündetenschaft

Ein Ansatz ist die Verbündetenschaft. Hinter dem zugegebenermaßen etwas sperrigen Begriff der Verbündetenschaft (englisch: allyship) verbirgt sich ein Ansatz, der ursprünglich von People of Color entwickelt wurde. Die Verbündetenschaft möchte einen Weg aufweisen, mit dem Paradox umzugehen, welches sich generell ergibt, wenn Menschen marginalisierten und/oder diskriminierten Gruppen helfen möchten, zu denen sie allerdings selber nicht gehören. Zum Beispiel also, wenn sich ein Mann für die Rechte von Frauen, eine heterosexuelle cis-Person für die Rechte von LGBTQI* einsetzen oder eben eine weiße Person gegen Rassismus kämpfen möchte. Es geht bei diesem Ansatz darum, seine persönliche gesellschaftliche und soziale Situation zu reflektieren und dabei die eigenen Privilegien kritisch zu hinterfragen.

Wie du als weiße*r Verbündete*r (nicht) agieren solltest:

Dos:

  • Zuhören!!!
  • Die eigenen Privilegien reflektieren
  • Eigene rassistische Denkstrukturen erkennen und bekämpfen
  • Sich selbst im Hintergrund halten
  • Erfahrungen und Gefühle diskriminierter Personen niemals in Frage stellen 
  • Widersprechen und Einschreiten: Sexismus und Rassismus sind nicht lustig!!
  • Sich selbstständig informieren und weiterbilden
  • Sich in seinem Kampf auf die Menschen der eigenen Gruppe fokussieren
  • Die Sprache und die gewünschten Bezeichnungen der Diskriminierten übernehmen
  • Sein eigenes Verhalten kritisch reflektieren
  • Fehler zugeben und sich dafür entschuldigen

Don’ts:

  • Vorteile aus seinem Engagement ziehen
  • denken, dass Rassismus etwas ist, was nur rechte oder “böse” Menschen in sich tragen und mit dem du nichts zu tun hast
  • Sich selbst als Opfer konstruieren
  • Erwarten, dass diskriminierte Menschen dir alles erklären
  • Eigene Erfahrungen und Meinungen in den Mittelpunkt ziehen

Wie wahrscheinlich deutlich geworden ist mit dieser, auf jeden Fall unvollständigen und zu erweiternden, Liste, geht es hauptsächlich um eine tiefe und ehrliche Sensibilisierung der eigenen Privilegien. Zuletzt muss man akzeptieren, dass die meisten Diskriminierungserfahrungen nicht von außen nachempfunden werden können. So schwer es auch sein mag, muss, wer Verbündete*r sein möchte, akzeptieren, dass es dabei nicht um sich selbst geht, sondern diese Rolle nur dafür da ist, den Kampf Anderer zu unterstützen. Es geht darum, als privilegierter Mensch in einer sexistischen, rassistischen und diskriminierenden Gesellschaft zu leben, ohne diese Unterdrückungen weiter zu tragen. Es geht um Solidarität!

Beitragsbild von Irma

Lisa ist 21 Jahre alt, Studentin und findet ganz unbedingt, dass wir nicht immer gehorchen sollten. Für die Zukunft wünscht sie sich weniger Wegschauen, dafür mehr Selbst-in-die-Hand-nehmen und träumt von einer solidarischen Gesellschaft. Auf TIERINDIR schreibt sie alle zwei Monate die Kolumne „Alltagsaktivismus“, in der sie auf verschiedene gesellschaftliche und politische Bewegungen aufmerksam macht und dabei Anregungen für eigenes politisches Engagement geben möchte.

Irma studiert in Berlin “etwas mit Kommunikation” und setzt sich für Klimagerechtigkeit ein. Sie liebt es auf Demos zu fotografieren, sich in Büchern zu verlieren und im Sommer durch die Stadt zu tanzen. Ihr findet sie auch auf Instagram.

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