Körper & Bewusstsein
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Wolkenlos #unwind

Wenn der Himmel blau ist, von Wolken und Schleiern befreit, gefällt er mir persönlich besonders gut. Er wirkt endlos – so nah und fern zugleich, sanft und stark, entfesselt und gehalten, er strahlt Wärme und Kälte zugleich aus. Die Farbe blau bringt uns wieder ins Gleichgewicht, ein Auswiegen zweier Pole. Blau wirkt außerdem beruhigend und entspannend. All das wünsche ich mir als Zustand für mein Inneres und insbesondere meinen Kopf. 

Da drinnen kann es sehr schnell, binnen von einer Millisekunde, sehr chaotisch aussehen: Nebel, Wolken jeder Art – Cumulus, Cirrus, Stratus – bedecken meinen Himmel und kein Fleck blau ist mehr zu sehen. Die Gedanken und Gefühle häufen sich und ringen um meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Es sind Verpflichtungen, Punkte meiner noch nicht abgearbeiteten To-Do Liste, was ich mehr machen sollte, was ich weniger machen sollte, Wort- und Gedankenfetzen jeglicher Art: 

“Das hättest du anders sagen sollen”, “Ich bin machtlos”, “Ich bin stark”, “Heute hast du dich aber zu wenig bewegt”, “Ich habe den Verlauf meines Lebens selbst in der Hand”, “Am Ende kommt sowieso alles wie es kommt”, “Diese Welt ist korrupt”, “Wir sind das Licht”…

Und so geht es weiter und weiter und weiter, falls ich dem nicht ganz bewusst und voller Autorität über mich selbst ein Ende setze. Das passiert meistens auf verschiedenste Wege, doch alle haben eines gemeinsam: Befreiung. Befreiung von Zwang, der Zukunft und der Vergangenheit, Erwartungen- Befreiung von all diesen Wolken. 

Ich praktiziere es selbst noch viel zu wenig, doch versuche mein bestes mich peu à peu an die Materie heranzutasten: Journaling.

Bisher verlief dies bei mir in etwa so, dass sich eine Wolke einfach nicht von meinem Himmel entfernen wollte. Es vergingen Stunden und dann Tage, und diese Wolke, also ein bestimmter Gedanke, wollte mich nicht verlassen. Also hielt ich es für hilfreich, diesen Gedanken einzelstehend in meine Notizen-App einzutragen. Dort stand er also, der Gedanke, diese Wolke. Ist sie noch an meinem Himmel zu sehen? Ich wende den Blick nach Innen: Nein. Der Gedanke ist weg, die Wolke ist nicht mehr zu sehen – mein Himmel war also wieder blau, oder besser gesagt, blauer und eine Wolke leichter. Es war enorm befreiend und erleichternd. Es fühlte sich so an, als würde dieser Eintrag in meinen Notizen nun die Schwere und das Gewicht dieses Gedanken übernehmen. Der Eintrag denkt den Gedanken für mich weiter, und ich kann mich somit leichter fühlen, wieder mehr im Moment sein und mich neu zentrieren. 

Ähnlich geht es mir mit meinen Verpflichtungen. Es gibt Zeiten, wo sich alles, was man tun und erledigen muss, bündelt und ballt und mit einer enormen, unbremsbaren Geschwindigkeit auf einen zukommt. In Situationen wie diesen half es mir schon immer, To-Do Listen zu schreiben mit allen, also wirklich allen Dingen, die ich zu erledigen habe. Meistens sind diese nach den Wochentagen gegliedert. Die Punkte, die ich eventuell an dem einen Tag nicht abhaken konnte, finden ihren Weg dann ohne Druck und Ärgernis unter den nächsten Tag. Auch das klärt meinen Himmel und befreit meinen Kopf, denn ansonsten bin ich ständig damit beschäftigt, mich selbst an all die Dinge zu erinnern, die ich erledigen muss. Somit finde ich mich selbst in einer konstanten Anspannung wieder.

Angespannt bin ich quasi nicht existent – denn ich bin nicht im Jetzt, nicht offen für neue Erfahrungen und Eindrücke, nicht empfänglich für meine eigenen Gefühle und denen anderer. Besonders jetzt, eigentlich immer, erscheint es mir als wichtig Empathie und Liebe praktizieren zu können. Dafür weiss ich, von mir selbst, dass ich rein sein muss. Rein von plagenden Gedanken, befreit von Aufgaben und Verpflichtungen.

 Also entscheide ich für mich, Energie in die Befreiung meines Kopfes zu stecken, sodass ich einen wolkenlosen, klaren Himmel habe. Ich übergebe das Zepter des Tuns den leeren Seiten meiner To-Do-Liste, meines Journals oder meiner Notizen-App. 

Somit bin ich befreit von diesen Gedanken, diesen Wolken – ich sehe blau, fühle mich leicht, entspannt, ausgeglichen und, am allerwichtigsten, ich fühle mich offen. Offen zu empfangen. Offen zu sehen. 

Zukünftig möchte ich diese Praxis erweitern und vertiefen, mein eigenes, gebündeltes “Wolkenlos”-Journal anlegen, in welchem ich folgendes zusammentragen möchte: 

Worin fühle ich mich heute stark? Worin fühle ich mich schwach? 

Was fühle ich? Was denke ich?

Wofür bin ich heute dankbar?

Was war heute mein schönstes Erlebnis?

Wovor habe ich heute Angst?

Was wünsche ich mir?

Was bedeutet heute Schönheit für mich?

sowie Affirmationen

Sophie liebt die Sonne und den Mond, die Nacht sowie den Tag. Sie schöpft ihre Freude und Liebe aus ihrer Umwelt und den kleinen großen Dingen. Sophie ist eine angehende Schauspielerin, lebt in New York City und verfasst Gedichte, um sich ihre Welt zu erklären. 

In ihrer Kolumne Unwind soll es um die kleinen Dinge und Rituale gehen, die wir in unseren Alltag einbauen können, um diesen stressfreier, gelassener und mit mehr Zufriedenheit zu leben.

Collage von Luka

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