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Black lives matter

Heute gibt es auf Instagram nichts zu sehen. Alle posten schwarze Bilder mit den Hashtags #BlackLivesMatter* und #BlackOutTuesday, um ihre Solidarität mit schwarzen Menschen und People of Color zu zeigen und dem 46-jährigen George Floyd zu gedenken, der bei einem Einsatz in Minneapolis durch Polizeigewalt ums Leben kam. Dieser Hashtag hat inzwischen schon mehr als 28 Millionen Beiträge. Ich finde es schön, zu sehen, wie sich alle gemeinsam gegen Rassismus aussprechen. Diese Zahl fühlt sich mächtig an, aber sie ist gleichzeitig auch nur eine Zahl auf meinem Bildschirm.

Ein Gefühl der Stille kehrt ein, die wir zum Nachdenken nutzen und uns fragen können, ob wir die Möglichkeit haben, etwas zu ändern und welchen Teil wir als weiße privilegierte Personen tun können.

Wir finden es falsch, uns nicht zu diesem Thema zu äußern. Wir wollen die Plattform nutzen, die wir haben. Weiter unten im Text findet ihr interessante Posts, mit denen ihr euch (und wir uns) noch weiter beschäftigen können (und sollten). Außerdem seid ihr herzlich dazu eingeladen, eure Gedanken zu diesem wichtigen Thema mit uns zu teilen, ob per Mail oder als Instagram Direktnachricht

Eins steht fest: Wir sind weiß und privilegiert. Aber trotzdem wollen wir Euch an den Gedanken teilhaben lassen, die in unseren Köpfen herumschwirren, wenn auch nur, um unsere Solidarität zu zeigen und zu verdeutlichen, dass wir noch viel gemeinsam voneinander lernen können. Vielleicht können wir gemeinsam ins Gespräch kommen, Ideen teilen und Worte für die Dinge finden, für die wir noch keine gefunden haben.

*Hier sei zu erwähnen, dass der Hashtag #BlackLivesMatter bitte nicht für diese Aktion benutzt werden, sondern als Informationsquelle für die #BlackLivesMatter-Bewegung dienen soll

Jede Plattform nutzen

Nora

Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Und auf der anderen Seite nicht, wo ich anfangen soll.

Ich weiß nicht, ob ich mich überhaupt äußern sollte, bin ich doch keine, die was zu sagen kann. Außer: Black Lives Matter. Rassismus ist nicht akzeptabel. Nie. Aber warum muss man das überhaupt noch sagen? Das ist die große Frage. Wer bitte schön hat es noch nicht verstanden? Es scheint: Viele. Deswegen sind wir laut. Deswegen müssen jetzt alle laut sein, die denken, dass Rassismus falsch ist. Ich würde mir so sehr wünschen, dass es irgendwann mal genug ist. Dass das Kämpfen sich auszahlt. Dass das Leiden vorbei ist. Dass alle endlich verstanden haben. Aber wie? Wie um alles in der Welt bringen wir die Menschen, die andere aufgrund ihrer Hautfarbe oder Kultur diskriminieren, dazu, dies nicht mehr zu tun? Mit Instagram-Posts? Mit Demonstrationen? Mit Gewalt? Es ist leider immer noch so, dass unsere Gesellschaft durchzogen ist mit Menschen, für die weiße Haut mehr Wert zu sein scheint. Das geht nicht in meinen Kopf. Wie so vieles. Unter unserer Haut sind wir doch alle gleich.

Wichtige Themen sind für ein paar Tage, manchmal Wochen ganz groß. Und dann auf einmal wieder weg vom Fenster. Das ist traurig. Dass es vermutlich auch mit diesem Thema so sein wird, ist traurig. Vielleicht auch normal. Denn es gibt so vieles, worüber wir reden sollten. Worüber wir posten sollten, statt über neue Klamotten und MakeUp, tagein, tagaus. Ein Shift muss her, eine Umwandlung unserer Werte und Normen. Ein*e jede*r muss ihre*seine Plattform für wichtige Themen nutzen. Los geht’s! Aber auch wenn wir nicht darüber posten oder öffentlich sprechen: Wir können uns fortbilden. Bücher lesen, Podcasts hören, Filme und Dokus schauen. Sehen, was falsch läuft. Und dann handeln. Es reicht eben nicht, weiterzumachen, wie bisher. Die Welt ist unfair. Die Welt ist grausam. Und wollen wir etwas bewirken, müssen wir damit anfangen. Jetzt. Rassismus (und andere Missstände) in seine Schranken weisen. Nicht akzeptieren. Aber vor allem: mehr füreinander tun, mehr Miteinander fördern. Jede Plattform nutzen, die wir dafür haben. Jede noch so kleine Plattform.

Aufhören, nichts zu sagen

Imina

Ich war wütend heute. So wütend, weil ich nicht glauben kann, dass in 2020 Menschen wegen ihrer Hautfarbe immer noch anders behandelt werden. Ich bin wütend, dass wir Gewalt mit Gewalt bekämpfen müssen, damit sich etwas ändert. Und dass einer der einflussreichsten weißen alten Männer dieser Welt sich den Weg zur Kirche mit Gewalt freiräumen lässt, nur um dort mit einer Bibel zu posieren. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie wütend schwarze Menschen und People Of Color sein müssen.

Ich schätze, ich habe schon oft genug unbewusst rassistisch gehandelt. Vor allem, weil ich schon oft still geblieben bin: Egal, ob ich in einer Konversation einen rassistischen Kommentar überhört habe, anstatt mein Gegenüber damit zu konfrontieren oder ob ich nichts gesagt habe, einfach weil ich Angst hatte, etwas Falsches zu sagen. Das muss aufhören. Warum fehlen mir die Worte, wenn es um so etwas Selbstverständliches wie Solidarität geht? Ist es nicht besser, etwas zu sagen, als einfach den Mund zu halten?

Ich muss mich öfter und offener gegen Rassismus auszusprechen. Mich mit Themen befassen, die ich selbst als weiße Person nie ganz nachvollziehen, aber doch versuchen kann, zu hinterfragen und zu verstehen, so gut ich kann. Mich zu konfrontieren mit der unfassbaren Ungerechtigkeit, denen schwarze Menschen und People of Color tagtäglich ausgesetzt sind, ist das Mindeste, was ich tun kann. Mein Halbwissen nicht zu akzeptieren und als Ausrede zu benutzen, nichts zu sagen, sondern zu lernen und zuzuhören. Vor allem aber zu akzeptieren, dass ich auch mal etwas Falsches sagen und daraus lernen kann, genauso wie alle anderen. Außerdem kann ich auf die Straße gehen für diese Menschen, die verdammt nochmal zählen. Jede*r Einzelne von ihnen.

Privilegien nutzen

Luka

Ich habe bis vor kurzem nicht verstanden, dass Schweigen ein Privileg ist. Schweigen kann sogar eine Zustimmung bedeuten. Deswegen ist es so unfassbar wichtig, dass wir spätestens jetzt damit aufhören sollten. Wir müssen laut werden, wenn jemand etwas Rassistisches sagt. Wir müssen unser Privileg wahrnehmen und richtig nutzen. Mit Familienmitgliedern, Freund*innen und auch Unbekannten reden und Bewusstsein schaffen.

Es ist okay, Fehler zu machen. Aber wir sollten bei uns selbst anfangen, unser Verhalten reflektieren und aufpassen, nicht den gleichen Fehler immer und immer wieder zu machen. Auch wenn das bedeutet, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten.

Wir müssen außerdem anfangen, zu reden. Manchmal ist es das Wichtigste, zuzuhören. Nach Gefühlen fragen. Erfahrungen nicht ungültig machen. Empathie.

Wie kann ich von Europa aus helfen? 

Sei online. Sei aktiv. Sei involviert. Es ist nämlich nicht genug, nicht rassistisch zu sein. Wir sollten aktiv antirassistisch sein. Und das fängt online an, ganz egal, ob du 10 Follower oder 100.000 Follower hast. Wir sollten online reden, diskutieren, aufklären, Bewusstsein schaffen. Es ist ein falscher Zeitpunkt, um zu schweigen. Jetzt gerade schweigen zu können, ist ein riesiges Privileg, welches sogar Zustimmung bedeuten könnte. 

Mit einer kurzen Instagramstory ist es aber nicht getan. Die Story ist nach 24 Stunden wieder verschwunden. Rassismus bleibt. 

Falls du Bilder oder Videos von Demonstrationen oder Aufständen reposten möchtest, solltest du außerdem darauf achten, dass keine Gesichter zu sehen sind. 

Viele Menschen aus den USA teilen zur Zeit eine Telefonnummer, die man anrufen oder der man schreiben kann, doch für viele von uns könnte dies sehr teuer werden. Eine gute Alternative ist es deshalb, eine E-Mail an police@minneapolismn.gov zu schreiben. Wir können außerdem Petitionen unterschreiben oder auch Geld spenden, falls unsere finanzielle Situation dies zulässt. Wer zur Zeit nicht so viel Geld zur Verfügung hat, aber trotzdem gern spenden würde, kann sich dieses YouTube Video von Zoe Amira anschauen. Dieses Video geht eine Stunde, ist gefüllt mit Kunst und Musik von POC – außerdem ist eine Menge an Werbung geschaltet. Diese Werbeeinnahme werden zu 100% an unterschiedlichste Organisationen der BlackLivesMatter-Bewebung gespendet. Schaltet also euren Ad-Blocker aus und lasst das Video aus Dauerschleife laufen. Wenn ihr euch auf etwas anderes konzentrieren müsst, könnt ihr es auch einfach stumm stellen. Das Wichtigste ist bloß, das Video einfach laufen zu lassen. 

Wie geht es offline weiter?

Was kommt nach den Hashtags? Was ist, wenn diese ganze Bewegung wieder abflacht, wenn der Trend vorbei ist? Es ist gut und wichtig, sich online laut zu dem Thema zu äußern. Aber wir sollten auch darüber nachdenken, wie es weiter geht, offline, in der realen Welt. Werde ich mich auch offline so stark gegen Rassismus einsetzen, wie ich es online tue? Höre ich die Black-Community? Bin ich mir der Auswirkungen der weißen Vorherrschaft in meinem eigenen Land bewusst? 

Wir sollten uns aktiv weiterbilden. Es gibt zahlreiche Bücher, Podcasts und Dokumentationen. Gerade weil wir nicht betroffen sind, betrifft es uns um so mehr. Vieles ist für uns privilegierte Weiße so normal und so selbstverständlich, dass wir gar nicht bemerken, dass gewisse Dinge höchst rassistisch sein können. Es gibt so viel zu lernen! Unter diesem Artikel findet ihr eine Linksammlung. 

Rassismus passiert in Europa – jeden Tag. Und das sollten wir nicht vergessen. Struktureller Rassismus und weiße Vorherrschaft sind aktuelle Probleme in allen europäischen Ländern. Blackfacing, also das Anmalen von Gesichtern mit schwarzer oder brauner Farbe, hat in den Niederlanden als Zwarte Piet immer noch Tradition. Ganz zu schweigen von dem Attentat des weißen Terroristen Tobias Rathjen in Hanau, der elf Menschen aufgrund der Hautfarbe umgebracht hat. Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie tief verwurzelt Rassismus in allen europäischen Ländern ist. Deshalb müssen wir unsere Augen öffnen!

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Zum Nach- und Weiterlesen

Schickt uns gerne Erweiterungen für diese Liste per Mail!

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-06/george-floyd-terrence-floyd-friedliche-proteste
https://www.welt.de/politik/ausland/article208735095/George-Floyd-Erstickungstod-Autopsie-im-Auftrag-der-Familie-widerspricht-amtlichem-Ergebnis.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Todesfall_George_Floyd

Exit Racism – Tupoka Ogette (Hörbuch)

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen: aber wissen sollten – Alice Hasters

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