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Frauenwelten

Das „Männerwelten“ Video war für mich zwar eine Überraschung, die Inhalte aber keinesfalls überraschend. Meine Freundinnen und ich haben alle in dem Video gezeigten „Exponate“ schon selbst erlebt, oder kennen mindestens eine Frau, die die Taten, über die berichtet wurden, erlebt haben. Und es ist wahr. Wir alle gehen nachts mit einem Schlüssel in der Faust, einer Freundin am Handy, oder einer elektrischen Vergewaltigungspfeife nach Hause. Wenn wir überhaupt nachts zu Fuß nach Hause gehen. Und das ist normal, da gibt es keine Ausnahme. Was für meine männlichen Bekannten übertrieben, oder gar lächerlich wirkt, ist für uns eine bittere Sicherheitsmaßnahme, das Einzige, was uns ein ganz kleines bisschen Schutz zu bieten scheint. Und wir haben mehr von unseren kleinen Sicherheitstricks, so viele, dass es mich traurig und vor allem wütend macht, dass wir sie brauchen.

In den Kommentaren unter dem besagten Video tummeln sich natürlich aber auch viele Kritiker. Wie immer, wenn Frauen es wagen über ihre Erfahrungen mit den patriarchalischen Strukturen in ihrem Leben zu berichten.
Da heißt es dann zum Beispiel: „Männer werden auch sexuell belästigt und vergewaltigt, darüber redet ihr aber nicht!“.

Wie traurig-witzig, dass das Thema Sexueller Übergriff an Männern diesen Leuten im normalen Leben total egal ist, bis sie damit die Erfahrungen der Hälfte der Frauen (plus Dunkelziffer) relativieren können. Und auch das ist nichts Neues. Ja, auch Männer werden Opfer von sexuellen Übergriffen. Jedoch kenne ich in meinem Freundeskreis keinen einzigen Mann, der Angst hat, nachts alleine nach Hause zu gehen, oder sich beim Feiern lieber noch eine Jacke über das ausgeschnittene Top zieht, – nicht, dass das irgendeinen potentiellen Übergriff verhindern würde – weil der Typ an der Bar einen die ganze Zeit auf die Brüste starrt und folgt, sobald man sich Richtung Toilette aufmacht. Ich hab auch noch keinen Mann sagen hören, dass er homosexuell wäre, nur damit eine Frau ihn nicht weiter belästigt, obwohl man eindeutig gesagt hat, dass man kein Interesse hat. Auch habe ich danach nie diese Frau sagen hören „das können wir ja ändern“, oder „ich wäre auch für einen Dreier zu haben“. Darauf folgend dann sexualisierte Beleidigungen, weil man wieder verneint.

Ja, noch einmal: Auch Männer sind Opfer sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen. Darüber muss man sich bewusst sein.
Aber sie wachsen nicht in einer Gesellschaft auf, in der das normal ist und der Gedanke daran einen nicht zu erst an Dritte Welt Staaten denken lässt, sondern an seine Freundinnen, seine Mutter, sich selbst.

Für uns ist die Angst ein täglicher Begleiter. Wir treffen sie in der Bahn, beim Einkaufen, auf Geburtstagsfeiern, in der Uni, in öffentlichen Toiletten und nicht zu letzt auch im eigenen Bett. Denn die meisten Frauen kennen ihren Täter vor der Tat. Und das macht sie nicht weniger, sondern besonders abscheulich.

*Nachtrag von der Redaktion: Wir empfinden es als unheimlich wichtig und gut, dass ProSieben ihre Reichweite nutzt und die Mainstream-Medien zeigen, wie wichtig das Thema “Sensibilität für sexualisierte Gewalt” ist. Für das Video wurde jedoch mit dem Verein “Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau” zusammengearbeitet, was äußerst problematisch ist. Sie äußern sich seit Jahren transfeindlich und entmündigen muslimische Frauen, sodass sie gesamte Gruppen ausschließen. Mehr dazu u.a. in der öffentlichen Stellungnahme des Vereins.

Hier geht’s zum erwähnten Männerwelten Video von Joko und Klaas, veröffentlicht auf ProSieben.

Isabella liebt ihre Freunde, Sushi und Katzen. Aber natürlich auch das Schreiben. Seit 2016 ist sie auf und hinter den Bühnen Norddeutschlands bei Poetry Slams unterwegs. Immer mit im Gepäck: Texte über melancholische Sommernächte, blaue aber ehrliche, manchmal wütende Worte über den Blick in den Spiegel und die Welt, die Romantik eines Tellers Penne Carbonara, Panikherzen und Schürsenkelgefühle.

Das Beitragsbild ist von Luka.

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