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Delfine in Venedig

Alles ist ungewiss. Eine quasi undefinierbare Lage. Über den Köpfen der Menschen schweben Fragezeichen, während sie hektisch eine Insta-Story nach der anderen posten: Leere Supermarktregale präsentieren, obwohl genug vorhanden ist. Fraglich, ob sie selber das Regal ausgeräumt haben – alles für das Foto.

Fragezeichen, Falschmeldungen, Hiobsbotschaften. In diesen Tagen haben wir von allem reichlich. Reichlich Informationen, die sich im Minutentakt aktualisieren. Reichlich Verpflegung, aber auch reichlich Ängste. Existenzängste und die Ängste vor dem unsichtbaren Feind, dem Virus. Ängste, die uns verbinden. Uns, die Menschen – die Menschheit. Wir alle haben Angst. Einige mehr, andere weniger. Einige präsenter, andere eher still für sich. Doch ist dies ein Punkt, der uns alle miteinander verbindet.

Den Menschen wird unterstellt, sie seien egoistisch geworden. Vor allem aber, wurde es unterstellt. Zur Zeit lässt sich der Begriff der „Nächstenliebe“ wieder mehr anwenden. Nachbarn helfen Nachbarn, junge Menschen bieten Älteren Hilfe an. Und das ist nur der Anfang. Die meisten leben seit einer Woche in der Isolation und schon wird vielerorts das „Wir“ und „Sie“ wichtiger als das „Ich“. Egoismus macht dem Verständnis Platz, dass es nicht nur um uns geht und dass wir nicht weiterkommen, wenn wir alleine und für unseren A***h handeln.

„Höher, schneller, weiter“ und „mehr, mehr, mehr“. Ökonomisch, wie ökologisch. Das waren lang die Mottos der westlichen Welt. Mottos, denen aktuell und in der ganz nahen Zukunft nicht nachgegangenen werden kann. Gerade wirtschaftlich befinden wir uns in einer Schwebe. Was, wie, wann und wo. Jeder muss sich damit auseinandersetzen. Und jeder wird damit konfrontiert, sich damit zu befassen „was tun wir danach“.

Das „Danach“ wird uns vor neue Herausforderungen stellen. Wieder andere, als die, mit denen wir aktuell zu kämpfen haben. Denn das „Danach“ wird zeigen, ob wir aus dieser internationalen Krise gelernt haben. Ob wir gelernt habe, dass Geld wichtig ist, aber nur, wenn es verteilt ist und trotz des hohen Wertes, nicht an erster Stelle stehen sollte. Dass Existenzen schneller zerstört werden können, als uns lieb ist, da wir nicht nur alleine arbeiten dürfen.

Dass unsere Natur, Flora und Fauna, genau das gebraucht hat. Dass ein Virus zwar uns als Menschen schadet, aber wir vorher den Lebewesen, mit denen wir uns diesen Planeten teilen, mehr geschadet haben. Die Fische kommen wieder, die Gewässer werden klarer. Es geht nicht um dich, es geht um uns. Es geht nicht um die, es geht um alle. wir, sind stark. Und Leute, denkt einfach mal darüber nach, es wurden wieder Delfine in Venedig gesehen. 

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Gastgedanken und Bild im Beitrag von Leonie Alma.
Beitragsbild von Imina. Bildquelle

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