Du & Ich, Inspiration
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Auf einen Tee mit Samuel #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Alle zwei Monate fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Samuel wissen, wer er ist und wofür er brennt.

Wer bist du?

Mein Name ist Samuel, ich bin 22 Jahre alt und studiere Design. Laut Meyers-Briggs bin ich ein INFP-Persönlichkeitstyp, und laut meiner Instagram-Bio außerdem ein mittelmäßig guter Langstreckenläufer, Nussmus-Connoisseur, und Oxfordkomma-Enthusiast. Das beschreibt meiner Meinung nach den Großteil meines Lebens und meiner Persönlichkeit ganz gut.

Wofür brennst du?

Mein erster Impuls war diese Frage einfach mit meiner Arbeit zu beantworten. Tatsächlich stimmt das so aber nicht ganz. Ich wollte vielmehr nur schon immer eine bessere Version meiner selbst sein, und projizierte diesen Ehrgeiz dann darauf. Alles was ich mache dient insofern als Ventil dafür. Wahrscheinlich romantisiere ich die Idee des »dying for your art« aber auch ein wenig zu sehr. Millenial Martyrdom eben.

Hast du einen Traum?

Ich wäre irgendwann gerne absolut glücklich (dazu später mehr). Wie genau das aussähe ist mir aber noch nicht ganz klar, und vielleicht auch gar nicht so wichtig. Hohe Priorität hätte in jedem Fall ein großer Hund. *one more time for all the people in the back rows* Ein GROSSER Hund.

Woran zweifelst du?

Lol. Am meisten wahrscheinlich immer noch an mir selbst. Ich bin quasi in konstantem Zwiespalt zwischen meinen eigenen Erwartungen an mich, und der Unzufriedenheit mit meinen Leistungen. Das mag jetzt womöglich die egoistischste Antwort auf diese Frage sein, aber ich hatte gefühlt noch nie Kapazität mir Sorgen um die Welt und das Zeitgeschehen zu machen. Eine meiner Lieblingskünstler*innen (Maggie Rogers) sagte »it takes time being quiet to be loud« und ein bisschen bedeutet das für mich auch, dass man seine Aufmerksamkeit erst nach außen richten kann, wenn man sicher in sich selbst ist. Ich glaube, ich habe noch eine gute Menge internen Monolog zu führen, bevor ich laut sein und meine Zweifel nach außen richten kann.

Was sagen andere, was du gut kannst?

Das kann ich selbst wohl am wenigsten beantworten, darum habe ich besagte andere direkt danach gefragt: »Zuhören. Ich kenne niemanden, der so geduldig zuhört wie Du.«, »Ernsthaft antworten. Du bist stets […] bemüht, eine inhaltlich und emotional zufriedenstellende Antwort zu geben, und wenn Du [dazu] mal nicht in der Lage bist, kommunizierst Du das direkt.«, »Alles, was Du tust, tust Du mit unglaublicher Präzision, Hingabe & Mühe. Du bist ein Perfektionist (musst aber noch lernen, mit Lob umzugehen).«, »Wenn du in einen Raum kommst, geht die Sonne auf und alle bekommen gute Laune! Das ist ein RIESIGES TALENT.«

Was hättest du gerne zehn Jahre früher gewusst?

Hm. Ich glaube meine Naivität und Ignoranz haben mir vor zehn Jahren durchaus einiges erleichtert. Das wollte ich retrospektiv auch nicht ändern. Aber in irgendeiner Runde des Lesewettbewerbs habe ich damals »ER« (Schriftauszeichnung für das Personalpronomen »er«) fälschlicherweise mehrmals wie »E.R.« (Initialen eines Vor- und Nachnamens) vorgelesen. Das ist mir zugegeben immer noch ein bisschen peinlich. Und hat mich bestimmt auch den Sieg gekostet.

Was ist kleines Glück für dich?

Für mich sind »glücklich« und »sorglos« weitestgehend kongruent. Also ist jeder Moment, in dem ich kurz sorglos bin, auch kleines Glück. Meine Therapeutin sagt außerdem, ich neigte dazu, mir im Alltag »falsche Glücksmomente« zu schaffen, indem ich versuchte, anderen Menschen kleine Freuden zu bereiten. Das befriedigte mich dann zwar auch für einen kurzen Moment, stünde im Grunde aber in keinem Zusammenhang mit meinem eigenen Glück.

Digital oder analog?

Uff. Meine Studienschwerpunkte sind ja Typografie und Illustration. Da kann ich mich nun also wirklich nicht für eines von beidem entscheiden. {[(Aber mein Herz sagt natürlich analog.)]}

Vogel oder Fisch?

Ich frage mich, wann und mit welcher Begründung jemand diese Frage mit Fisch beantworten wird. Die Fähigkeit zum Überwinden von Schwerkraft? Sounds delicious to me. Also Vogel.

Meer oder Berge?

Berge. Ich laufe wie gesagt sehr gerne sehr lange, und besonders gerne ohne soziale Interaktion. In den Bergen hätte ich bessere Chancen auf wenige Menschen.

Kaffee oder Tee?

KAFFEE ALL THE WAY. Und um dem noch mehr Ausdruck zu geben, würde ich das auch gerne ohne weitere Begründung so stehen lassen.

_

Franzi ist 22 und ein Sommerkind. Wenn sie nicht gerade draußen unterwegs ist, studiert sie in der bayerischen Provinz „irgendwas mit Menschen“ und „irgendwas mit Medien“. Für die Kolumne „Auf einen Tee“ befragt sie jeden Monat einen jungen, inspirierenden Menschen und portraitiert diesen.

Das Foto im Beitragsbild ist von der talentierten Linda

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