Körper & Bewusstsein, Selbst & Inszenierung
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Zwiebelschalen #unwind

Jetzt haben wir Zeit. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Zeit zu Hause noch viel schneller vergeht. Mein Unterricht wird online weitergeführt und zwischen Schlafen und dem Beginn des Unterrichts, welcher mit sechs Stunden Zeitverschiebung stattfindet, bin ich hier und da mit kleinen Aufgaben beschäftigt und bevor ich mich versehe, ist es Mitternacht. Nichtsdestotrotz ist mein Alltag etwas langsamer, weniger hektisch: Kein Powerwalk zur U-Bahn, kein Vorbereiten des Mittagessens, weniger Autos, mehr Luft. 

Luft und Zeit zum Reflektieren

Luft für das Leben im Moment; zum Reflektieren. Reflektieren bedeutet für mich, mich selbst vor den Spiegel zu stellen und mit diesem Spiegelbild eine Konversation zu führen. Es ist leicht diese Konversation nie enden zu lassen, bis man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist. Daher gibt es für mich beim Reflektieren den Sweetspot. Auch wenn ich gerne die Antworten auf alle Fragen, die man sich nur stellen kann, wissen würde, weiß ich auch, sie loszulassen und suche vielleicht an einem anderen Tag erneut nach Antworten auf diese Fragen. 

Sein ohne Antworten

Besonders jetzt, in einer so ungewissen Zeit, findet man sich schnell nach handfesten Antworten greifend, etwas zum Festhalten, etwas in Aussicht zu haben. Doch was ist, wenn genau das unsere Challenge für diesen Moment ist? Einfach wieder Sein – ohne Antworten, ohne Tätigkeiten, ohne den Blick in die Zukunft gerichtet zu haben, sondern hier, zu uns, in unser Innerstes.

Denn was ist das eigentlich, unser Sein? Das ist eine Frage, worauf es womöglich nie eine richtige Antwort geben wird, doch der Versuch ist was, zählt, genau wie der Weg das Ziel ist.

Sechs aus sieben Tagen der Woche sind wir alle beschäftigt, auch wenn freizeitlich, sind wir beschäftigt. Heute: Arbeit, Morgen: treffen wir uns auf einen Kaffee, gehen aus, gehen gemeinsam zum Yoga, zum Sport. Doch wo ist die Zeit des Seins, die Zeit ganz mit mir allein? Ohne Ablenkung, ohne eine weitere Stimme? Die Zeit, wo ich mich nur mir widme? Es ist sehr einfach, sich über das zu definieren, was man arbeitet, was man mag und nicht mag, wohin man gereist ist, was man gelesen hat. Und ich bin auch ganz der Meinung, dass unser Umfeld und unsere Erlebnisse uns formen, doch dafür muss erst einmal etwas zum Formen existieren. Ganz im Namen dieser Kolumne, unwind denke ich, ist jetzt genau die Zeit dafür, jetzt wo das Leben um uns herum auch etwas verlangsamt wird, die Läden geschlossen sind, es weniger zu konsumieren gibt.

Dünne Schalen, die wir ablegen

Somit bleibt uns mehr Raum und Zeit, um unseren oftmals aus Schutz aufgelegten Panzer, Zwiebelschale für Zwiebelschale, abzulegen. Schalen, die vielleicht durch ein Kategorisieren ihren Weg zu uns gefunden haben und nun die Zeit gekommen ist, uns von diesen Kategorien zu lösen; wieder frei sein. Das bedeutet für mich unwind – wieder mehr zu mir finden, meiner Mitte, mich finden. Mit jeder noch so dünnen Schale, die wir ablegen, werden wir neues über uns selbst entdecken und was denn dieses Sein ist. Zeit zu reflektieren, was es bedeutet ein Wesen zu sein, ein menschliches Wesen. Ein Wesen, das zu vielem fähig ist. In was möchte ich diese Fähigkeiten investieren? Was ist es, was mein Umfeld formt, dehnt, erweitert und vergrößert?

Ich selbst konnte mir keine dieser Fragen mit den perfekten Worten beantworten, doch ich habe sie gespürt, die Antwort, und das ist okay. Sei lieb zu dir, alles kommt zu seiner, der richtigen Zeit und so werden auch diese Antworten ihren Weg zu mir, dir und uns finden, wenn wir bereit sind sie zu empfangen. 

P.S. Manchmal denke ich alles was wir sind, ist Licht, Liebe, also Energie. So greifbar und doch so Abstrakt. Alles und Nichts. Ist es nicht oftmals durch Dualität, durch den Negativraum, dass wir die Dinge erstmals für das sehen, was sie sind? 

Sophie liebt die Sonne und den Mond, die nacht sowie den Tag. Sie schöpft ihre Freude und Liebe aus ihrer Umwelt und den kleinen großen Dingen. Sophie ist eine angehende Schauspielerin, lebt in New York City und verfasst Gedichte, um sich ihre Welt zu erklären. 

In ihrer Kolumne Unwind soll es um die kleinen Dinge und Rituale gehen, die wir in unseren Alltag einbauen können, um diesen stressfreier, gelassener und mit mehr Zufriedenheit zu leben.

Das Beitragsbild ist von Luka.

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