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Bitte bleibt zu Hause!

Es geht hier nicht um uns, sondern um alle anderen. Um die Älteren, die Immunschwachen, um Menschen mit Asthma. Wir sind jung und uns wird das Virus sehr wahrscheinlich überhaupt nichts ausmachen. Vermutlichen tragen wir es sowieso alle schon in uns, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Einige von euch mögen sich denken, dass so eine leichte Grippe ja überhaupt nicht schlimm sei, das stecken wir ja locker weg.

Aber um uns geht es hier nicht. Unsere Generation ist in den meisten Fällen nur der Überträger. Ohne jegliche Symptome zu spüren, können wir dennoch am Corona-Virus erkrankt sein. Uns macht das nichts aus. Wenn wir nicht anfangen, zu Hause zu bleiben, wenn wir uns weiterhin mit unseren Freunden treffen, Bahn fahren, unterwegs sein wollen, verdoppelt sich die Zahl der Neuinfektionen von Tag zu Tag und schon bald kann nicht mehr allen geholfen werden.

Wir sind Schuld, wenn unsere Großeltern sterben müssen

Wir haben es in der Hand. Unsere Handlungen haben großen Einfluss auf andere. Wir sind dafür verantwortlich, wenn unsere Eltern und Großeltern krank werden, wenn ihnen nicht mehr geholfen werden kann, weil alle Betten belegt und alle Krankenhäuser ausgelastet sind. Letztendlich wäre es die Schuld von uns allen, wenn unsere Großeltern an diesem Virus sterben müssen.

Und genau deswegen ist es so unfassbar wichtig, zu Hause zu bleiben. Aus Respekt. Aus Solidarität. Nicht zum Schutz von euch, sondern von euren Eltern und Großeltern, von den Kranken und Schwachen.

Wir alle sind jetzt gefragt. Wir alle sind jetzt gefragt, in unserer viel zu gespaltenen, egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft zusammen zu halten. Wir sind doch die Freigeister, die Anders-Denker, die offene und tolerante neue Generation. Dann sollten wir genau dies auch jetzt beweisen!

Bitte meidet soziale Kontakte

Wenn wir alle anfangen, soziale Kontakte zu meiden, können wir es schaffen, die Verbreitung des Corona-Virus so zu entschleunigen, dass unser Gesundheitssystem hinterher kommt und jeder schwer erkrankten Person geholfen werden kann. Ansonsten werden die Ärzte irgendwann vor die Wahl gestellt, wem noch geholfen werden kann und wer sterben muss.

Unsere Privilegien sind unsere größte Schwäche

Lasst es uns nicht so weit kommen lassen. Wir alle sollten uns klar machen, in was für einer privilegierten Gesellschaft wir leben. Und wir sollten lernen, dankbar dafür zu sein. Aber uns sollte auch bewusst werden, dass wir all diese Privilegien nicht zum Überleben brauchen. Nicht im geringsten. Ganz im Gegenteil ist genau jetzt eine gute Zeit, um über die Themen Nachhaltigkeit und Konsumverhalten nachzudenken. Was brauche ich wirklich, um zu leben? Was ist Überfluss? Sind nicht die meisten Produkte reiner Luxus? Muss ich jetzt wirklich noch einmal zum Supermarkt laufen, weil mir dieses eine bestimmte Lebensmittel fehlt, was ich doch so gern zum Abendessen hätte? Kann ich nicht auch mit meinen restlichen Lebensmitteln ein wunderbares, für mich völlig ausreichendes Abendessen zubereiten? Würde ich dafür sogar das Risiko eingehen, andere Menschen zu gefährden? Brauche ich diesen Café Latte? Den Konsum, das Bier an der Bar? Wieso fällt es uns so schwer, zu verzichten? Das Virus offenbart uns unsere menschlichen Schwächen, aber wir können – und müssen – sie überwinden.

Wir müssen jetzt lernen, zu verzichten und unsere selbstverständlich privilegierte Lebensweise abzulegen. Jeden Tag auf’s Neue müssen wir unseren Egoismus, unsere Kurzsichtigkeit und unser selektives Denken hinterfragen und überwinden. Wir haben uns nicht ausgesucht, in was für einer Gesellschaft wir aufgewachsen sind und wie dies unser Denken beeinflusst hat. Was wir uns aber aussuchen können ist, wie wir uns zukünftig verhalten wollen. Wie ist wohl zur Zeit die Situation an den europäischen Außengrenzen? Wie schlimm muss es wohl für all die geflüchteten Menschen sein? Wieso werden diese Themen jetzt plötzlich unwichtig?

Unsere Gesellschaft braucht das, was gerade passiert

Diese Krise, durch die wir gerade gehen, kann auch ein großes Geschenk sein. Eine Pause von der Welt ist vor allem eine Chance für das, wonach wir im Alltag ohnehin mehr denn je streben: Selbstwirksamkeit, Verbindung, Empathie, Gemeinschaft, Sinn. Nichts schweißt so stark zusammen, wie ein gemeinsames Ziel, ein gemeinsamer Feind, eine gemeinsame Aufgabe.

Vielleicht ist das, was wir gerade durchleben, genau das, was unsere Welt braucht. Nur durch eine Krise besteht die Chance auf ein großes Umdenken. Wir spüren gerade, dass wir alle einfach nur Menschen in Körpern sind, dass wir einander brauchen, dass Nationalitäten, Grenzen, Geschlecht, Alter, Armut und Reichtum total egal sind. Wir sind alle gleich. Kleidung, Geld und andere Materialien, für die wir normalerweise arbeiten und leben, zählen plötzlich nicht mehr. Es gibt keinen Ort, für den wir uns hübsch machen müssen, kein tolles Restaurant, in dem wir unser Geld ausgeben können.

Das Virus zeigt uns, dass die einzige Möglichkeit, sich selbst und andere zu retten, pure Liebe und Empathie sein kann.

Lasst uns zu Hause bleiben, Bücher lesen, zuhören, still sein, innehalten. Wir können Kunst machen, unsere Gedanken aufschreiben, zur Ruhe kommen. Meditieren, Yoga machen, umsichtig sein. Das nutzen, was wir haben. Neu machen, ohne neu zu kaufen. Kräuter anpflanzen, spazieren gehen. Alles wird ruhig um uns herum, die Luft wird wieder klar. Wir haben jetzt die Zeit, um weiter zu denken. Lernen, was es bedeutet, respektvoll und solidarisch zu handeln. Nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft. Nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt. Lasst uns nicht mehr vergessen, wie es sich jetzt gerade anfühlt.

Lasst uns anfangen, anders zu denken, weiter zu denken. Lasst uns neue Entscheidungen treffen und versuchen, die Erde zu heilen.

Aber zunächst lasst uns alle einfach nur zu Hause bleiben. Für unsere Eltern und Großeltern und alle anderen Menschen auf dieser Welt.

Wenn ihr anderen Menschen helfen könnt und wollt, könnt ihr euch bei QuarantäneHelden registrieren.

Für einige Menschen kann die Selbst-Isolation weitere Probleme mit sich bringen. Deswegen sind hier einige Nummern, die ihr im Notfall kontaktieren könnt.

  • Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” 08000 116016
  • Telefonseelsorge 08001110111 oder 08001110222
  • Kinder- und Jugendtelefon 08001110333
  • Sucht- und Drogenhotline 01805313031

Und ein bisschen Musik, um zu entspannen.

Text und Bilder sind von Luka.

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