Du & Ich, Inspiration
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Auf einen Tee mit Licia #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Jeden Monat fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Licia wissen, wer sie ist und wofür sie brennt.

Wer bist du?

Ich bin Licia, Musikerin aus Karlsruhe und 21 Jahre alt. 
Ich bin momentan dabei meine erste EP zu produzieren, die voraussichtlich ab Mitte März erhältlich sein wird. 
Mit meiner Musik will ich Menschen für einen Augenblick die Zeit stehlen und sie für den jetzigen Augenblick sensibilisieren. Ihnen zeigen, wie heilsam es sein kann, einfach mal nur zu sein. Ich glaube, dass es irgendwo meine Pflicht ist, die Gaben, die ich geschenkt bekommen habe, nicht nur für mich zu behalten, sondern sie mit anderen zu teilen, um meinen Teil Liebe in die Welt zu tragen und den Menschen neue Blickwinkel aufzuzeigen. Ich habe ein sehr unkonventionelles Leben für eine 21 Jährige. Ich lebe mit meiner 10 Jahre älteren Partnerin und ihren drei Kindern/Pflegekindern zusammen und mache viel zu gerne Musik… Diese Wege abseits vom Asphalt gibt es und es lohnt sich, sie zu gehen, wenn es die eigenen sind. Deshalb will ich unter anderem auch Mut machen, indem ich einfach ich selbst bin. 

Wofür brennst du?

Ich brenne für sehr vieles. 
Ich liebe die Natur. Pilze und Kräuter sammeln, oder einfach nur auf der Wiese liegen, das macht mich glücklich. 
Ich brenne für alles, was meinen Horizont erweitert und mir auf meinem Weg der Heilung behilflich ist. 
Psychologie und Spiritualität sind zwei Themenbereiche, die mich sehr faszinieren. 
Ich brenne für gute Bücher, die mir mehr über eines der beiden Themen berichten.
Ich brenne für tiefgründige Gespräche und die Stille. 
Ich liebe es, mich in Menschen zu verlieren und mich in ihnen wieder zu finden. 
Ich brenne für gute Musik. Für das Tanzen, das Singen und das Schreiben von Musik. Ich brenne überhaupt für alles, was mit Kunst zu tun hat. 
Ich brenne für die Liebe und die Freiheit. Am liebsten beides zusammen.

Hast du einen Traum?

Mit meiner Musik heilen, das ist mein Lebensziel, weshalb ich auch Musiktherapie studiere. 
Seit einem guten Jahr hat sich ein unglaubliches Gefühl der Freiheit in mir breitgemacht und mir ist klar geworden, dass ich meines eigenen Glückes Schmied bin. Es tut mir leid, dass ich viel zu viele Kalendersprüche zitiere, die wir alle schon viel zu oft gehört haben, um noch wirklich zuzuhören, aber es ist die Wahrheit. Meine zumindest. Deshalb habe ich alle Grenzen, die mir den Weg versperrt haben überwunden und lasse alles Weitere auf mich zukommen. 
Ich würde gerne von meiner Musik leben können und durch sie Menschen erreichen. Ganz tief im Herzen. 
Irgendwann will ich ein kleines ganzheitlich ausgerichtetes Zentrum eröffnen und damit einen Platz erschaffen, in dem Menschen einfach sein können und für eine kurze Zeit aussteigen können. Dort wird es in meiner Fantasie viele verschiede Angebote geben, wie z.B. auch Musiktherapie oder Kakaozeremonien. Auf diesem Grundstück lebe ich in meiner Vorstellung in einem Tiny House zusammen mit meiner Freundin. Was für ein friedvoller Gedanke.

Woran zweifelst du?

Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, zu zweifeln und mich schon immer quer gestellt, mich ein kleines bisschen gegen das Leben gewehrt. Vor nicht all zu langer Zeit habe ich das erste mal erfahren, wie es ist, zu glauben, an mich selbst und daran, dass alles kommt wie es kommen soll. An schlechten Tagen fällt es mir noch schwer, das Zweifeln zu lassen und ich therapiere mich selbst durch das Schreiben und Singen meiner Lieder, in deren Texten ich einiges verarbeite, was mich bewegt. 
Ich glaube daran, dass alles ans Licht kommen wird und die Liebe am Ende immer siegt. Im Umkehrschluss zweifel ich an allem, was uns davon abhält, in unser Licht zu kommen. Unser Schulsystem zum Beispiel. Oder an Menschen und Medien, die Dinge berichten, die uns entmutigen. Ich zweifel daran, dass das alles noch lange so weiter geht. Vielleicht zweifel ich immer noch sehr viel, ich geb es zu.

Was sagen andere, was du gut kannst?

Ich bin wohl ein Ruhepol. Das habe ich schon oft gesagt bekommen, dass sich Leute in meiner Anwesenheit geerdet fühlen. Mit mir kann man neben sehr tief gehenden Gesprächen auch sehr gut schweigen. 
Und dass ich andere inspiriere, das ist so ein schönes Kompliment. 

Was hättest du gerne zehn Jahre früher gewusst?

Dass alles so, wie es ist genau richtig ist und seinen Sinn haben wird. Und dass nicht alles stimmt was Erwachsene einem erzählen.

Was ist kleines Glück für dich?

Auf dem Flohmarkt zu schlendern,
wenn mir intuitiv eine Hook für mein nächstes Lied einfällt, das ist fast magisch. 
Wenn ich weinen muss, weil ich das Gefühl habe, in den Augen eines geliebten Menschen der Quelle höchstpersönlich zu begegnen. 
Meiner Freundin abends im Bett ein paar Kapitel aus einem Buch vorzulesen. Diese kleinen Momente bedeuten mir alles. Im Nachhinein selbst die, die ich in dem Moment nicht zu schätzen wusste.

Digital oder analog?

Ich liebe analoges, handgemachtes. 
Das ist auch der Grund, warum ich bisher alle meine Songs mit richtigen Instrumenten und echter Band aufgenommen habe. Ich habe allerdings immer mehr das Bedürfnis, mich den digitalen Möglichkeiten etwas mehr zu öffnen und habe auch vor, in nächster Zeit ein bisschen mit ein paar frischen Beats herum zu experimentieren. Ich glaube, ich finde großen Gefallen an beidem. Ich will beim Produzieren meiner Musik genau so vielfältig sein dürfen wie die Musik ist, die ich selbst höre.

Vogel oder Fisch?

Sehr schwer, ich fühle mich beidem sehr verbunden, Himmel und Wasser. Mein erstes Tattoo waren zwei Koikarpfen, mein erstes Lied hab ich aus der Perspektive einer Feder geschrieben weil ich mich lange Zeit wie eine Feder im Wind gefühlt habe und meine damalige Liebesbeziehung darin verarbeitet habe: „You know our love is like the weather and i‘m waiting for the storm that brings me back to you“. Wenn es fliegende Fische gibt, bin ich einer von diesen.

Meer oder Berge?

Meer. Wobei ich die Berge auch sehr liebe. Aber das Meer hat mich schon immer fasziniert. So mächtig und unberechenbar. Bevor ich mich der Musik gewidmet habe, hatte ich sogar überlegt, Meeresbiologie zu studieren. Genau wie ich schon überlegt habe Künstler, Schamane, Sozialarbeiter, etc. zu werden. Ich bin oft etwas entscheidungsunfreudig und möchte am liebsten alles auf einmal tun. Auch hier wurde ich mal wieder darin bestätigt, dass das, was sein soll, kommen wird und ich mir kein Bein ausreißen muss, sondern einfach vertrauen und mich auf meine innere Stimme verlassen. 
Ich muss unbedingt mal wieder ans Meer fahren.

Kaffee oder Tee?

Tee, noch lieber Kakao mit einer Brise Kokosblütenzucker, Vanille, Cayenne Pfeffer, Kardamom und Zimt. Sehr herzöffnend und inspirierend.

Franzi ist 22 und ein Sommerkind. Wenn sie nicht gerade draußen unterwegs ist, studiert sie in der bayerischen Provinz „irgendwas mit Menschen“ und „irgendwas mit Medien“. Für die Kolumne „Auf einen Tee“ befragt sie jeden Monat einen jungen, inspirierenden Menschen und portraitiert diesen.

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