Gastgedanken, Hier & Jetzt
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Wenn wir schon über Machtstrukturen sprechen, dann bitte richtig!

Es ist mir jetzt schon das zweite mal passiert, dass ich von mittelalten, weißen Männern wegen irgendetwas auf sehr unangenehme Art angepflaumt wurde. Und das oftmals im Beisein von anderen Theatermitarbeiter*innen. Diese Personen waren in beiden Situation in einer übergeordneten Position und haben mich damit bloßgestellt. Dummerweise sind diese Vorkommnisse beide in einem Rahmen geschehen, wo sich auf künstlerischer Ebene mit Macht und Hierarchie auseinandergesetzt wurde und dies auf der Bühne verhandelt werden sollte. Es passierte immer in einem Rahmen, in dem die Personen sehr klar über mir standen.

Ich möchte mit diesem Text auf eine Problematik des Theaters aufmerksam machen, die sich auf Menschen in Machtpositionen bezieht und deren Umgang mit Menschen in niedrigeren Positionen.

Kein(en) Raum für absolute Gleichheit

Es gibt keinen Raum, der absolute Gleichheit schaffen kann. Die Stadt- und Staatstheater stellen sich dennoch gern als einen Ort da, welcher diese Strukturen weitestgehend auflösen will. Die Gleichberechtigung ist ein viel verwendeter Begriff, mit denen sich Theater brüsten und gemeinsam mit dem Publikum ins Gespräch kommen wollen. Wieder einmal konnte ich damit beobachten, dass im Theater auf künstlerischer Ebene mit dieser Thematik umgegangen wird und innerhalb des Theaters immer noch kein Raum für respektvollen Umgang geschaffen wird. Das Regieteam bleibt unter sich, die Schauspieler*innen bleiben unter sich, die Assistent*innen, die Technik*innen, die Hospitant*innen und weitere Gewerke.

Das sind Machtstrukturen, die grundlegend am Staatstheater bestehen. Das bezieht sich sowohl auf das Nichtwahrnehmen von Hospitant*innen, also auch die ablehnende Haltung der Gewerke gegenüber Produktionen und deren künstlerische Umsetzung. Nur an kleineren Häusern oder Jugendtheatern habe ich es erlebt, dass man sich als eine Institution sieht, welche gemeinsam Kunst schafft und Produktionen auf die Beine stellt.
Für eine gemeinsame Zusammenarbeit gehört für mich in erste Linie respektvoller Umgang und das Bewusstsein darüber, wer man ist und in welcher Position man sich befindet, dazu.

Ich kann und will hier in diesem Text nicht meine Situation beschreiben, da ich mich selbst in diesem hierarchischen System befinde. Es ist mir in letzter Zeit zu oft passiert, dass ich als Hospitantin Kommentare einstecken musste, welche über meinen Werdegang urteilten und sich gegen meinen Intellekt richteten. Die Personen kamen immer mit einem Kommentar über mich, ohne dass sie mich auch nur ansatzweise kannten, was eben daran liegt, dass wir uns in den Machtstrukturen befinden, die es am Theater nun einmal gibt.

Ich bin die, die …

Vorschlag: Wie wäre es denn, wenn sich alle beteiligten in der Produktion, ja auch die Hospitant*innen und Statist*innen, alle einmal vorstellen und kennenlernen? Dass man eben nicht so nebenbei funktioniert und Erwartungen nicht erfüllt werden. Vielleicht trägt es sogar zu einem angenehmeren Miteinander bei und wirkt sich auch noch auf die künstlerische Zusammenarbeit aus. Das wäre doch mal was! Aber gut, kollektives Arbeiten wären dann der nächste Schritt.

Ich behaupte mal, dass es einfach zu erkennen ist, dass Theater meine Leidenschaft ist. Dass ich mich gern dort aufhalte, es auch jetzt nach einigen Jahren immer noch sehr liebe, alle Menschen, die dort arbeiten, sehr wertschätze und besonders die künstlerische Arbeit dort sehr bewundere. Ich habe schon in vielen, unterschiedlichen Bereichen am Theater gearbeitet und versuche in diesen Bereichen irgendwie Anschluss zu finden, wie viele andere, die ans Theater wollen, auch. Dabei muss man besonders aufpassen, dass wir uns nicht zu klein machen, neben all den sehr tollen, intellektuellen, sehr gut aussehenden Menschen, die dort arbeiten.

Keine Position, keine Meinung

Über all meine Bewunderung und Anwesenheit versuche ich in den Theaterbetrieb einzusteigen und die ganze Zeit hoffe ich irgendwie auf Anerkennung. Deshalb finde ich, es wäre ein nächster Schritt, dass die Mitarbeiter*innen am Theater etwas mehr darauf achten, wie sie mit den Hierarchien, die am Theater nun einmal herrschen, umgehen. Und wie sie innerhalb dieser Hierarchie miteinander kommunizieren. Ich weiß nicht, ob es noch wichtig ist, den Weg zu erklären, um am Theater in eine Leitungsposition zu kommen. Aber kurz gesagt, schafft man es irgendwann mit unzähligen Überstunden, übermäßigen Engagement und sehr viel Vitamin B, hoffentlich in eine gewünschte Position. Wenn man sich in der Position einer Hospitant*in befindet, hat man nichts zu sagen und wird auch gar nicht erst gefragt. Das waren die ersten Sätze die ich dazu gesagt bekommen habe.

Wenn Ihr euch also in einer Position befindet, die über anderen steht und Ihr dann mit diesen Personen sprecht, dann versucht, diesen Personen gegenüber mit Respekt zu begegnen und nicht eure Macht und euren Halt ihnen gegenüber auszuspielen. Denn ihr sitzt sowieso im sicheren Boot.
Ich bin es wirklich leid, dass man als, ja junge*r, Hospitant*in nur selten irgendeine Art von Anerkennung bekommt, bis auf ein Dankeschön vielleicht, zur Premiere, wenn überhaupt. Wenn wir schon kein Geld verdienen, dann nehmt uns wenigstens mit und schaut uns nicht immer so an, als wäre wir nichts wert und hätten keine Ahnung, wie es am Theater läuft.

Jung, meist weiblich, liebt das Theater.

Und ja, vielleicht haben wir noch nicht so viel Ahnung, aber vielleicht auch schon. Hört bitte auf, uns so zu behandeln, als wären wir nicht da und hört auf, uns innerhalb des Teams in irgendeiner Art anzupflaumen. Uns gegenüber herrschen ebenso viele Vorurteile wie anderen Theatermitarbeiter*innen. Jung, meist weiblich, liebt das Theater. Da sind die nächsten Fragen: Ist sie extrovertiert? Ist sie hübsch? Dann darf man vielleicht mal mit. Das ist reine Macht, die euch das Gefühlt gibt, so etwas mit uns machen zu können und das muss aufhören. Besonders in dieser Zeit, wo alle Theater versuchen, so politisch korrekt wie möglich zu erscheinen.

Ich möchte in diesem Text niemanden bloßstellen, weil ich das mit zwei Personen erlebt habe, die ich beide in ihrem Können sehr gern mag und mir auch sehr gut vorstellen kann, dass die beiden das alles nicht so gemeint haben. Oder ihnen nicht bewusst ist, was sie genau gemacht haben. Aber eigentlich stellt genau das das Problem dar. Zumal ich in beiden Situationen gedacht habe, dass ich das Problem sei und einfach nicht dazu gehöre. Und das kann nicht sein.

Der Text lässt sich außerdem auf verschiedenste Institutionen und deren Hierarchien anwenden. Besonders im künstlerischen Bereich, finde ich es schlimm, dass wir immer noch in diesen Strukturen leben, obwohl sie in der Kunst permanent besprochen werden.

Text anonym eingereicht. Die Autorin ist 21 und wütend auf das Ewig nicht-beachtet-werden, Nicht-geachtet-werden und darauf, dass sich alle hinter diesem Hierarchiensystem verstecken.

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