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How to – politisches Engagment #Alltagsaktivismus

Nachdem es letzten Monat schon gleich richtig losging, nämlich mit zivilem Ungehorsam, wollte ich heute nochmal so ganz von vorne anfangen. Viele von euch kennen bestimmt das Gefühl: Du schaust die Nachrichten und bist ganz und gar nicht einverstanden damit, was in der Welt passiert. Oftmals fühlt man sich ganz klein und machtlos gegenüber dieser Wand aus schlechten Nachrichten von nah und fern. Bei mir zumindest führen diese Nachrichten regelmäßig eher zu einer Art hilf- und tatlosen Versteinerung. Aber um die Welt zu ändern – und ja das kann jede*r -, zumindest ein bisschen, muss man sich engagieren. Da auch dies manchmal gar nicht so einfach wirken kann, gibt es im heutigen Blogpost meine ganz persönliche Heranführung an unterschiedlichste Arten politischen Engagements. Ich finde, auch im Februar ist es noch nicht zu spät, um sich gute neue Vorsätze zu setzen und hoffe, dass hier etwas für alle dabei ist.

Informiert sein:

Grundstein jeglichen Engagements ist es, informiert zu sein. Keine Sorge, niemand erwartet, dass du von jetzt auf gleich drei Tageszeitungen am Tag liest, und nur noch Anne Will im Fernsehen schaust, aber tatsächlich ist es von großem Vorteil, wenn du eine Ahnung davon hast, was in der Welt los ist und so Zusammenhänge besser verstehst. Wenn du vorher nicht regelmäßig die Nachrichten verfolgt hast, werden die ganzen Namen, Gremien, Organisationen am Anfang wahrscheinlich etwas überfordernd auf dich wirken, aber keine Sorge, du merkst schnell, dass du immer mehr verstehst, je länger du dich kontinuierlich mit den Geschehnissen und Strukturen auseinandersetzt. Für den Einstieg kannst du auf viele Medien zurückgreifen, die es sich zum Ziel gemacht haben, politische Themen und Gebiete für junge Menschen verständlich und zugänglich aufzuarbeiten.

Politische Information ist auf so vielen Wegen zugänglich, dass es schwer ist sich zu entscheiden. Du musst für dich selbst herausfinden, was dir am besten gefällt. Ob es eher Podcasts sind, ob du lieber Zeitung liest und vor allem welche. Vielleicht sind es auch eher Zeitschriften, oder du verfolgst Nachrichten lieber im Fernsehen, im Radio oder auf Blogs. Die Variation ist praktisch unendlich. Du solltest dennoch ein bisschen Acht darauf geben, dass du dir seriöse Quellen heraussuchst. Das heißt zum Beispiel, dass du nicht jeder Facebook-Quelle vertraust, die der beste Freund deines Onkels auf seiner Pinnwand teilt. Auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung kannst du zudem kostenlos viele Magazine bestellen, die sich explizit und intensiv mit einem einzelnem Thema auseinandersetzen, sodass du nach der Lektüre auf jeden Fall mitreden kannst.

Die eigene Meinung vertreten:

Auch wenn es am Anfang vielleicht schwierig erscheinen kann, trau dich deine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten! Solange du dich gut begründen kannst, brauchst du keine Angst davor zu haben, Standpunkt zu beziehen und Wiederworte zu leisten. Sobald du beginnst mehr über Politik zu reden und zu diskutieren, sorgst du außerdem dafür, dass sich dein Umfeld mehr mit ihrem eigenen politischen Standpunkt auseinandersetzt und so spannende Debatten entstehen können. Durch konstruktive Kritik und einen regen Meinungsaustausch kannst du wichtige Denkanstöße bringen und Perspektiven erweitern. Dein Engagement besteht hier also nicht darin, direkt große Bewegungen loszutreten, sondern andere zum anders machen und denken zu motivieren.

Demonstrationen

Die klassische Teilnahme an Demonstrationen oder Streiks ist eine leichte Möglichkeit, sich politisch zu Wort zu melden und schon mal Gleichgesinnte zu treffen. Es kann total empowernd sein, gemeinsam mit anderen auf der Straße zu stehen, seine Meinung zu vertreten und zu sehen, wie viele Menschen das gleiche bewegt wie dich. Demonstrationen bleiben ein machtvolles Instrument, wenn sich Politiker*innen nicht ausreichend für deine Anliegen einsetzten. Falls du dich nicht alleine traust, frag einen Freund oder Freundin, dich zu begleiten und fang doch einfach nächsten Freitag mit einer Fridays for Future- Demo an. Hier bist du unter Gleichaltrigen.  

Schüler*innenvertretung/Asta

Je nachdem, ob du in der Schule bist oder an einer Universität oder Fachhochschule studierst bietet sich dort eine sehr einfache Möglichkeit, dich gezielt und effektiv einzusetzen. Im Schulkontext ist es die SV, die Interessen der Schüler*innen zu vertreten und sich aber gleichzeitig auch auf größerer Ebene politisch zu engagieren. Der Einstieg ist dabei ganz einfach und bringt meistens auch nette Bekanntschaften mit sich.

Bürger*inneninitiativen

Bürger*inneninitiativen sind ein Zusammenschluss mehrerer Menschen, die gezielt ein Thema behandeln. Sie wollen die Öffentlichkeit mobilisieren und versuchen über gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Druck auf Behörden auszuüben. Dabei vertreten sie ihren Standpunkt konkret in Flugblättern, Zeitungsartikeln oder gleich persönlich auf der Straße. Hierbei ist es praktisch, dass man auf ein bestimmtes Thema begrenzt ist, ohne gleich ein ganzes Spektrum an Positionen ausarbeiten und aufstellen zu müssen. Besonders auf der lokalen städtischen oder kommunalen Ebene hat man meistens noch viel mehr Wirkung, wenn man sich direkt an die Politiker*innen wendet.

Besuch von Veranstaltungen

Einen perfekten Einstieg in politisches Engagement bieten Veranstaltungen, auf denen du unterschiedliche Themen und Organisationen kennenlernst. Schau dich doch einfach mal um, täglich werden Diskussionen, Filmvorführungen etc. organisiert, bei denen du auf engagierte Menschen triffst und schon mal einen Eindruck bekommst, wo du dich perspektivisch auch stark machen könntest.

Vereine und Interessensverbände

Politik findet nicht nur im Parlament, im Bundes- oder Landtag statt, sondern auch Umwelt- oder Menschenrechtsorganisationen, lokale Initiativen und Jugendverbände wirken auf den politischen Diskurs ein. In jeder Stadt und selbst auf dem Dorf gibt es eine Großzahl an politischen Organisationen, die sich in den unterschiedlichsten politischen Bereichen stark machen und normalerweise immer dankbar für jede Unterstützung und Teilhabe sind. Über das ehrenamtliche Engagement in einem bestimmten Feld, kannst du dir perfekt ein Herzensthema für dich suchen, was dich wirklich bewegt. Viele Vereine haben offene Sitzungen, bei denen du bei Interesse mal reinschnuppern kannst.

Parteien

Der wohl klassischste Weg sich auf direktem Weg politisch zu engagieren, ist der Eintritt in eine Partei. Zuallererst solltest du natürlich eine Partei suchen, die mit deinen Wertevorstellungen und politischen Ideen übereinstimmt. Das kannst du für den Anfang ganz einfach im Internet machen, wo du auch das Parteiprogramm findest, was dir einen umfassenden Überblick über die Ziele und die Interessensgruppen gibt. Außerdem solltest du wissen, auf welcher politischen Ebene, als lokal auf Landes- oder auf nationaler Ebene, du dich einsetzten willst. Für den Anfang ist natürlich das lokale Engagement am einfachsten. Du findest bei Kreisverbänden oder Regionalgruppen Orte, bei denen du dich direkt einbringen kannst. Am leichtesten ist es auch hier, einfach mal zu ein paar Veranstaltungen hinzugehen, sich die Strukturen und Menschen anzuschauen, und auszuprobieren, ob sich die Strukturen für dich richtig anfühlen. Bei den meisten Parteien kannst du dich super einfach online auf der Website anmelden. Du zahlst dann einen Mitgliedsbeitrag, mit dem du auf indirektem Weg die Ziele der Partei unterstützt. Ach übrigens, wenn du dich nicht gleich an den alteingesessenen Kern der Ortsgruppe traust, haben auch alle Parteien Jugendorganisationen, bei denen du erstmal klein anfangen kannst.

Petitionen

Petitionen können eine großartige Sache sein, um ganz unkompliziert politisch aktiv zu werden und auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu machen. Du kannst so Hintergründe erklären und Menschen versammeln, die Lust haben, gemeinsam für eine bestimmte Sache zu kämpfen. Mit einer Petition sammelt ihr Unterschriften von allen Menschen, die euch mit eurem Anliegen unterstützen. Wichtig ist es dabei, ein klares Anliegen, einen bestimmten Adressaten und ein konkretes Ziel zu formulieren und dann für genügend Aufmerksamkeit zu sorgen. Das kann über Familien, Freund*innen oder über klassische Medien und das Internet laufen. Dort findet ihr zahlreiche Plattformen, um eine Petition unkompliziert zu starten: change.org, openPetition oder Avaaz. Wenn die Petition dann erfolgreich war, könnt ihr sie dem Adressaten übergeben.

Spenden

Willst du lieber im Hintergrund bleiben, traust dich vielleicht nicht gleich raus auf die Straße und möchtest trotzdem einen Beitrag zum politischen Engagement leisten? Dann ist Spenden vielleicht der richtige Anfang für dich. Informier dich ausreichend über die Organisationen, für die du dich entscheidest. Oftmals ist die beste Wahl wahrscheinlich die lokale Organisation, die ohne die internationale Aufmerksamkeit von Amnesty oder Greenpeace auskommen muss. Gemeinnützige Vereine sind auf die finanzielle Unterstützung angewiesen, um überhaupt bestehen zu können, da sie keine Gewinnziele verfolgen wollen und dürfen, sondern sich alleine dem gemeinnützigen Zweck zuwenden.

Auch das Private ist politisch

Zum Schluss bleibt nur zu sagen, auch das Private ist politisch. Setz dich mit deinen Standpunkten und Privilegien auseinander, mit dem, wie du dir eine Gesellschaft idealerweise wünscht und lebe danach. Überdenke deine Kauf- und Konsumentscheidungen und wie du mit anderen Menschen umgehst.

Lisa ist 21 Jahre alt, Studentin und findet ganz unbedingt, dass wir nicht immer gehorchen sollten. Für die Zukunft wünscht sie sich weniger Wegschauen, dafür mehr Selbst-in-die-Hand-nehmen und träumt von einer solidarischen Gesellschaft.

Auf TIERINDIR schreibt sie monatlich die Kolumne „Alltagsaktivismus“, in der sie auf verschiedene gesellschaftliche und politische Bewegungen aufmerksam macht und dabei Anregungen für eigenes politisches Engagement geben möchte.

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