Du & Ich
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Eine Welt voller Welten #wir

Die Welt, in der wir leben, wird nicht nur von Milliarden von Menschen bewohnt, sie ist auch eine Welt, in der sich viele weitere Welten finden lassen.

Gibt es also nicht nur diese eine uns allen bekannte Welt? Meine Antwort darauf: Nein. Unsere Welt besteht aus mehreren, individuell gestalteten Welten. 

Welten inmitten unserer Welt

Habe auch ich meine eigene Welt? Ja, ich habe meine eigene Welt. 

Ich lebe in meiner eigenen Welt. Diese Welt ist mein Zufluchtsort, mein Ruhepol, mein Eigenes. Sie ist all das, was ich brauche, um mich in dieser großen, teils unübersichtlichen, an manchen Tagen überfordernden Welt zurechtzufinden. Gehe ich in ihr verloren, so kann ich jederzeit meine eigene, meine innere Welt betreten und mich in ihr gehen lassen. 

Meine Welt gibt mir die Möglichkeit, zurück zu mir selbst zu finden und mich auf mich selbst zu besinnen.  

Meine Welt ist wie eine Tankstelle, die ich aufsuchen kann, um verloren gegangene oder aufgebrauchte Energie zu tanken.

Meine Welt gestalte ich mir nach meinem persönlichen Geschmack, schmücke sie mit Meinungen und Haltungen, die mir naheliegen. Weltanschauungen und Werte, die ich für richtig halte und für die ich mit all meiner Kraft einstehe, haben ihren besonderen Platz.

Rassismus und andere Diskriminierungsformen hingegen haben keinen Platz in meiner Welt. In meiner Welt kämpfe ich für Unterdrückte und Marginalisierte. Für Menschen, denen grundlegende Rechte abgesprochen werden. Denen sogar die Existenz abgesprochen wird. In meiner Welt leben Menschen unterschiedlichster Hintergründe Seite an Seite. Sie sehen unterschiedlich aus, leben, reden, kleiden und lieben wie und wen sie wollen. Alle Menschen, die sich dem in den Weg stellen, haben in meiner Welt nichts verloren. Ihnen trete ich vehement entgegen und kämpfe für die Gleichberechtigung aller marginalisierten Menschen. Auch, wenn es nicht immer meine eigenen Kämpfe sind, da ich nicht von allen Unterdrückungsformen betroffen bin, so stehe ich den Betroffenen unterstützend zur Seite und zeige mich ihnen und ihren Anliegen solidarisch.

Was jedoch geschieht, wenn Welten aufeinandertreffen? Wenn meine mühsam errichtete Welt mit anderen Welten konfrontiert wird? 

Treffen Welten aufeinander

Wie lange kann ich meine Welt für mich behalten? 

Meine Welt betritt früher oder später die Welt, in der alle anderen Welten beheimatet sind. Schlussendlich ist ein “Weltentreffen” kaum zu umgehen. Dieses “Weltentreffen” meint das Treffen mehrerer Welten. Meine eigene Welt ist nicht allein, sie ist umgeben von zig anderen Welten. 

Was kann es also Natürlicheres geben als dass Welten aufeinandertreffen?

Meine eigene Welt trifft folglich auf die Welten meiner Mitmenschen. Es liegt jedoch an mir, mit welchen Welten ich mich auseinandersetzen möchte und mit welchen lieber nicht.

Meine Welt existiert also nicht losgelöst von allen anderen Welten. Sie kann sich von den Welten anderer sowohl negativ beeinflussen, als auch bereichern lassen. Die Weltanschauungen, Haltungen und Meinungen, die in den Welten zu finden sind, treffen auf meine. Ein Austausch kann in vielen Fällen zu einer Horizonterweiterung führen. Jedoch besteht auch die Gefahr unüberbrückbarer Differenzen. Wie damit umzugehen ist, hat jeder Mensch selbst zu entscheiden. Wähle ich den Weg der Kommunikation oder ziehe ich mich zurück, um mich und damit einhergehend, meine eigene Welt vor äußeren Verletzungen und Erschütterungen zu schützen?

Mit der Zeit hat meine Welt gelernt, welchen Welten zu vertrauen ist und welchen nicht. Wann es sich lohnt, ein Gespräch zu suchen und wann nicht. Meine Welt von heute ist nicht die von gestern und morgen wird sie nicht die von heute sein. Sie entwickelt sich weiter, lernt dazu und steckt Rückschläge ein. 

Neben den Welten, die meiner Welt konträr gegenüberstehen, gibt es natürlich auch Welten, die durch ihre Anwesenheit meine Welt und mich empowern. 

Meine Welt ist Deine Welt. Deine Welt ist meine Welt. So wird aus mehreren Welten eine Welt.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir alle sehnen uns nach Menschen in unserem Leben. 

Menschen, denen wir uns anvertrauen können. 

Menschen, mit denen wir uns identifizieren und unsere Erfahrungen teilen können.

Menschen, die uns das Gefühl geben, genug zu sein.

Menschen, bei denen wir sein können, wie wir sind.

Meine Welt ist selbstverständlich einzigartig, so wie alle anderen Welten das auch sind. Doch steht dieser Tatsache nicht im Weg, dass Welten anderer Menschen meiner Welt ähneln können. Parallelen auf vielen Ebenen sind nicht von der Hand zu weisen. Das braucht es auch, um zu verstehen, dass dieses Leben nicht alleine gelebt wird. Dass es Menschen gibt, die mit dir zusammen dieses Leben bestreiten. 

Einige Charakteristika meiner Welt sind ebenso in den Welten anderer wiederzufinden. Das ermöglicht es uns, Hand in Hand für das zu kämpfen, für das einzustehen, was wir für erstrebenswert halten. Wollen wir eine gerechte Zukunft? So tun wir alles in unserer Macht stehende, um diesem Ziel näherzukommen. Sind wir der Meinung, dass Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden sind, so tun wir uns zusammen und gehen dagegen an. Sind wir für die Freiheit Aller? So kämpfen wir für die Freiheit eines jeden Menschen. Solidarität untereinander, Kämpfe nicht alleine kämpfen zu müssen ist das eine. Das andere ist die Gewissheit, nicht alleine zu sein mit all den Erfahrungen, die über die Jahre hinweg gemacht wurden. Meine Biographie ähnelt den Biographien anderer Menschen. Mich in einem sicheren Raum bewegen zu können, ist ein Privileg. In diesem Raum bin ich sicher und vor der Außenwelt geschützt. Hier können wir uns einander anvertrauen, Gedanken untereinander austauschen, Energie tanken und Ballast loswerden.

Ohne verurteilt zu werden.

Mit Verständnis.

Mit dem Gefühl des Empowerments.

Öffnen wir unsere Welten in diesen Räumen, teilen wir unsere Erfahrungen miteinander, so können wir vieles erreichen. In erster Linie finden unsere Welten zueinander und bilden zusammen eine unzerstörbare, eine starke Welt.

Zusammen sind wir stärker.

Text von Melis. Beitragsbild von Imina.

In der Kolumne “Wir” soll es in erster Linie darum gehen, marginalisierten Menschen eine Stimme zu geben. Sie ist also eine Art Plattform für Menschen, die sonst überhört oder gar ignoriert werden. Themen wie Rassismus, intersektionaler Feminismus, Empowerment und andere politische Themen sollen hier Platz finden. Die Kolumne ist aber auch ein Plädoyer für das Gemeinsame, das Wir. Sie ist eine Bewegung gegen das Spalterische, für das Miteinander.

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