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Zu viel verraten #schlaflos

Ob wir uns nun in einer Bar treffen oder einem Café, spielt hierbei keine Rolle. Ob sie auch wirkliche Freunde sind, auch nicht. Wir haben einfach eine Freude am Sein und wir verlieren das Gefühl von Präsenz – und gleichzeitig der Kontrolle. In den Abend hinein schauen wir dann tatsächlich auf die Uhr und merken, dass wir aufbrechen müssen.

Es könnten alle Themen gewesen sein, die wir angesprochen haben oder auch nur das Eine. Ob nun der Crush, die zerrüttete Freundschaft oder die Familienverhältnisse, aber auch die Karriereziele können diesen wunden Punkt darstellen. Einfach das Eine, worüber wir uns selbst so unsicher sind, so sehr, dass es uns jedes mal ein klein wenig überfordert, wenn es dann jemand anspricht.

Ehe wir uns versehen, lehnen wir uns aus dem Fenster, fast schon zu sehr. Bis man alles ausgesprochen hat, was einen beschäftigt, jede Theorie weshalb der Crush uns so unsichere Hoffnungen macht, weshalb die Freundschaft zerbrach oder wo man am liebsten schon in der Laufbahn stehen würde. Alles, was man sich eigentlich versprochen hatte, für sich zu behalten. Zumindest, bis man etwas mehr Klarheit bekam, ehe man anderen einen Einblick gewährt. In diese Verwahrlosung, das Chaos in unserem Kopf. 

Alles was wir sonst niemandem zeigen, das was wir uns selbst am liebsten verschweigen, die Hoffnung auf Etwas. 

Wir kommen Zuhause an, ziehen unsere Schuhe aus, machen uns ein letztes mal zurecht und legen uns sogar mit einem Lächeln zur Ruhe, denn der Abend war schön. Doch dann kommt der eine Gedanke, der den Stein ins Rollen bringt. 

Wir liegen da und verurteilen uns selbst mehr als sonst jemand es auch nur wagen würde. Wie konnten wir denn auch so dumm sein und fast Fremde, deren Meinung uns eigentlich egal sein sollte, so nah an uns ran lassen? Uns so verwundbar machen? Zu welchem Preis denn?

Der starre Blick ins Dunkle, habe ich zu viel verraten? Und was wir eigentlich damit meinen ist: Haben wir uns selbst verraten?

Wir leben nicht nur in einer Zeit, in der viele rationale Antworten auf irrationale Fragestellungen erwarten; wir versuchen uns selbst einzureden, die Antworten finden zu müssen. 

Es gibt weder Skalierungen, noch Handbücher oder Meinungen, die zählen. Wir halten uns wach, aufgrund von puren Spekulationen und einfachen Unsicherheiten. 

Dann hast du dir dein Herz ausgeschüttet, dich total reingehängt und deiner Tischrunde einfach mal etwas persönliches anvertraut. Es sagt nicht mehr über dich aus, als dass das Thema dich einfach mitnimmt, oder dass es dir wichtig ist. Kälte ist keine schöne Eigenschaft und das sollte nicht die neue Norm werden, denn wir alle brennen für etwas und einander und sollten das nicht verstecken. 

Fatih ist 20, neben seinem Psychologiestudium versucht er, sich die Lebensqualität so gut es geht zu bewahren und seine impulsiven und meist unüberlegten Handlungen bringen ihn gerne mal in Situation, die im Nachhinein sehr lustige Geschichten darstellen.

An jedem dritten Freitag im Monat veröffentlicht Fatih einen Text zu seiner Kolumne „Schlaflos“. Hier beschäftigt er sich mit den Themen, die uns in schlaflosen Nächten wach halten. Bringen Sie uns irgendwie weiter?

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