Körper & Bewusstsein
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Das ganze Universum auf meiner Haut

Auf meiner Stirn kreisen Planeten, Konstellationen zieren meine Wangen und Sterne verteilen sich bis auf meine Brust. Das rote Universum auf meiner Haut trage ich schon so lange mit mir, dass ich nicht mehr weiß, wie es sich ohne anfühlt.

Vor genau einem Jahr fand ich die ersten Anzeichen auf meiner Stirn. Erst links, dann rechts, bis es sich innerhalb von einigen Monaten auf meinem gesamten Gesicht ausbreitete. Heute hat es sich bis auf meine Brust ausgeweitet und damit jeden Tag aufzuwachen, ist nicht immer schön.

90% der Menschen haben in ihrer Pubertät mit Akne zu kämpfen. Bei mir fing es mit 20 Jahren an. Zuerst schob ich es auf Stress, meine Ernährung oder sonstige Einflüsse. Als es dann immer schlimmer wurde und kein Mittel dagegen half, begann ich in ein Loch zu fallen. Ich fühlte mich so unwohl in meiner Haut, dass ich an manchen Tagen das Haus nicht verlassen wollte. Die Blicke der Menschen um mich, schienen nur auf deinem Gesicht zu ruhen. Ich hatte Probleme beim Zähneputzen in den Spiegel zu sehen und versteckte mich hinter Mützen und Schals, wenn ich auf dem Weg zur Schule war. Ich wollte einfach nur eine neue Hülle, in der ich mich verstecken könnte.

Heute bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich es immer mehr zu akzeptiere lerne. Es gibt noch viele Tage, an denen ich am liebsten meine Haut abziehen würde oder vor dem Spiegel stehe und beim Anblick meiner geröteten und entzündeten Haut in Tränen ausbreche. Ich bin nicht da wo ich gerne wäre und muss mir täglich bewusst machen, dass mich meine Akne nicht weniger schön macht. Heilung verläuft nicht linear, es braucht viel Zeit und die versuche ich mir Tag für Tag auf ein Neues zu nehmen.

Das ganze Universum auf meiner Haut. Sterne kollidieren, brennen und sterben. Es dreht sich immer weiter. An manchen Tagen schneller und an manchen so langsam, dass man glaubt, die Zeit bleibt stehen. Und trotz allem geht es immer weiter, und wenn ich dann nachts in den Himmel schaue, denke ich mir, wie schön die Sterne doch aussehen.

Katja verliert sich zu oft in Büchern und Menschen in der Bahn, kann stundenlang über griechische Mythologie reden, mag Katzen und sammelt schöne Worte.

Die Photos sind von Luka und anonym.

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