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Ein neuer Platz für ein neues Jahr

Silvester 2018 – Ich kann mich an die Heizung erinnern, auf der ich saß und das Glas, was ich in der Hand hielt. Auch an Freunde und Lachen und eine kleine beengte Wohnung. Split. Kroatien. An der Wand hing der Lichtvorhang, den sein Mitbewohner da hingehängt hatte – vor 3 Wochen. Ein paar Cracker auf der Fensterbank, das weiß ich noch. Und alle hier, die hier sein sollen. Dass alte Partymusik lief und alles ein bisschen kribbelig war, wie wenn man als Kind abends ins Bett gegangen ist und wusste, dass am nächsten Tag etwas Besonderes passieren würde. Wie eine Mineralwasserflasche, die zu lange in der Hitze gelegen hat. Aber draußen war es klirrend kalt und als jemand das Fenster aufgemacht hat, strich mir ein eiskalter Windzug über den Arm. Das weiß ich noch. Nur eine Woche nach Weihnachten und Weihnachten fühlte sich wie viel länger her an. Momentaufnahme. An den Jahreswechsel kann ich mich gar nicht mehr richtig erinnern. Komisch.

Dann 2019 – Das Jahr, in dem sich alles verändert hat und ich mich jetzt frage, ob ich gerne machen würde, dass ich es damals in der kleinen Wohnung im dritten Stock und dem dunkelblauen Meer im Rücken schon gewusst hätte. Und ob diese Veränderung ihre Bedeutung verliert, wenn ich darüber nachdenke, dass sich ja ständig immer alles verändert. Vielleicht nicht so radikal. Jedenfalls. Meistens weiß man es eh erst danach besser. Es hat den Moment damals nicht verkleinert. Vielleicht überschattet, das kann ich irgendwie nicht verhindern.

Silvester 2019 – Anders und anders und wieder genau dasselbe. Braucht man Durchhänger, um das zu schätzen, was man hat? Die Wohnung im dritten Stock in Kroatien gibt es noch, aber nicht mehr so. Die Menschen in dieser Wohnung gibt es noch, aber ich weiß nicht wo. Ich glaube nicht, dass der Lichtvorhang noch hängt. Und die Leere hat sich ab September nicht mehr so leer angefühlt wie bis dahin. Und irgendwie dreht sich alles weiter und ist nie fertig gelebt, das denkt man nur, weil man nichts kennt bis zu dem Zeitpunkt, den man gerade lebt. Wie gut, dass ich das jetzt weiß. Weißt du, es ist alles gut. Ich wünschte, es wäre nicht so geendet, aber das hat es und noch nie hab ich wirklich verstanden, warum der Mensch die Zeit erfunden hat und jetzt habe ich das schon. Nämlich damit man einen Riegel vor etwas schieben kann und etwas zu Ende sein kann. Vielleicht damit es seine Bedeutung nicht verliert. Oder um es auszusortieren. Damit es wirklich zu Ende geht.

2019 kommt in ein Regal, um es anzuschauen, oder es sein zu lassen, aber besonders, damit ein neuer Platz ist für 2020. Es wird wieder twas genauso Schönes kommen. Jetzt ist wieder das Gute dran.

Henrike geht noch zur Schule. Seitdem sie sprechen kann, steht sie auf der Bühne, zuletzt für das Kindertheater. Wenn sie schreibt, dann über das, was sie erlebt und manchmal über das, was sie träumt und oft gibt es da keinen Unterschied. Wenn du sie suchst, findest du sie am Klavier oder im Wald.

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