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Wie andere Kulturen Weihnachten feiern – oder nicht

Ich hatte früher ein Buch, welches „Weihnachtsbriefe von Felix“ hieß. Felix, dieser Hase, der mit seinem Koffer um die Welt reist und Briefe schreibt. In diesem Buch ist er zur Weihnachtszeit unterwegs und besucht verschiedene Kinder unterschiedlichster Länder und Kulturen und beschreibt in seinen Briefen dann, wie diese Kinder und ihre Familien Weihnachten feiern. Für mich als Kind war das total spannend – immerhin kannte man Weihnachten nur so, wie man es Zuhause erlebt hat, bei mir eben: in Deutschland. Ich bin ehrlich, viel weiß ich aus diesem Buch nicht mehr. Ein Grund mehr, nochmal nachzuforschen, wie Weihnachten auch anders geht und wie es ist, wenn man das Fest gar nicht zelebriert.

Weihnachten in den Niederlanden

In den Niederlanden kommt man erst richtig in Weihnachtsstimmung, wenn der Sinterklaas (ja, der Nikolaus) nach dem 5. Dezember zurück nach Spanien gereist ist. Kerstmis – also Weihnachten – hat in den Niederlanden nicht den gleichen Stellenwert wie in Deutschland, auch wenn man dort auch die Adventszeit, mit allem was dazugehört, kennt. Am 24. selbst haben viele Geschäfte normal geöffnet – und trotzdem ist Weihnachten ein Familienfest. Am 25. oder 26. werden die Eltern besucht, es gibt ein großes Festmahl und Weihnachtsstollen. An diesen Tagen zieht es außerdem viele in die Kirche, auch wenn längst nicht alle Niederländer kirchlich sind. Musik und Chorgesang bringen dabei die Menschen zusammen. Geschenke gibt es übrigens dort oft schon bereits traditionell zum Nikolaus. Die Weihnachtszeit wird also nicht mit hektischem Herumrennen verbracht. Schön eigentlich.

Weihnachten in Schweden

Ähnlich wie in Deutschland beginnt in Schweden die Weihnachtszeit mit dem ersten Advent. In jedem Jahr am 13. Dezember wird in dort das Lucia-Fest gefeiert, die Hauptfestivität vor Weihnachten. Es ist der Tag der Lichterkönigin, welche in der Regel die älteste Tochter ist, die als Luciabraut in weißem Kleid, rotem Samtband und Kranz aus Preiselbeerzweigen mit brennenden Kerzen die Gruppe anführt. Gefolgt von den Dienern, den Sternjungen. Sie machen sich dann auf, um die Familie zu wecken – und dann wird gefrühstückt. Der Abend vor dem heiligen Abend selbst, der 23. Dezember, wird Lillejulafton genannt, der kleine Weihnachtsabend. An diesem Vorbereitungsabend wird der traditionelle Weihnachtsschinken gekocht, welcher Bestandteil des schwedischen Weihnachtsmenüs ist. Am 24. Dezember bringt der schwedische Weihnachtsmann die Geschenke – dieser Tag wird also besonders gefeiert.

Weihnachten in Russland

In Russland werden Weihnachten und Silvester zusammen gefeiert – am 31. Dezember! Unter dem Weihnachtsbaum gibt es dann traditionell gefüllte Teigtaschen, die Pelmenti oder Manti genannt werden. Der russische Weihnachtsmann heißt Ded Moroz, Väterchen Frost, welcher die Geschenke um Mitternacht bringt. Zusammen mit seiner Enkelin kommt er auf einem Schlitten, der von Pferden gezogen wird. Was für ein Auftritt! Auch dort gibt es ein Feuerwerk zu Neujahr. Die christliche Religion wurde zu Zeiten der Sowjetunion unterdrückt und es war verboten, christliche Feste zu feiern. Aus diesem Grund ist Jesus’ Geburt auch kein Feiertag dort. Der heilige Abend wird von den christlich Gläubigen dann am 6. Januar gefeiert – in Deutschland die „Heiligen Drei Könige“. Am 7. Januar ist daraufhin der erste Weihnachtsfeiertag, wo auch das Fasten gebrochen wird. Familien treffen sich, aber Geschenke gibt’s dann nicht nochmal.

Weihnachten in Italien

In Italien dreht sich zu Weihnachten alles um die Familie und leckeres Essen – Schocker! Christliche Feste werden dort sehr ernstgenommen und groß gefeiert, vieles ist aber wie bei uns in Deutschland. Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit des Geschenke-Besorgens und Dekorierens. Schon um den 6. Dezember herum wird das Haus geschmückt und der Weihnachtsbaum aufgestellt. Die Krippe ist jedoch das wichtigste: Sie ist bedeutender Bestandteil der Tradition und fast in jedem Haus zu finden. Viele Italiener gehen als Familie in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember in die Kirche, um Jesus’ Geburt zu feiern. Die Bescherung ist in Italien dann am 25. Dezember – gleich morgens. An diesem Tag sitzt die ganze Familie dann bei einem Festmahl zusammen, was aus vielen Gängen und natürlich einem Nachtisch besteht: Panettone ist so ähnlich wie deutscher Stollen, kuchenartig, süß und rosinenhaltig. Bis zum 6. Januar bleibt die Stimmung und die Deko noch erhalten, es ist der letzte Festtag, La Befana. Die Hexe Befana füllt dann Schuhe und Socken der Kinder mit Gaben. Man sagt, sie sei die Frau des Weihnachtsmanns.

Weihnachten wenn man kein Weihnachten feiert

Doch was ist, wenn Weihnachten nicht Weihnachten ist oder einfach keine Relevanz hat?

Manche Menschen haben einfach keine Lust aufs Fest, den ganzen Stress und das Drumherum. Haben es nie gefeiert, werden es auch nie feiern.
Manche Menschen können sich ein Weihnachtsfest nicht leisten.
Manche Menschen haben niemanden, mit dem sie Weihnachten feiern können.
Und manche Menschen feiern aus kulturellen Gründen nicht … oder nur so halb.

Im Islam

… kommt Jesus auch im Koran vor. Er wird jedoch nicht als Gottes Sohn gesehen und seine Geburt hat somit keine religiöse Bedeutung. Trotzdem gibt es viele Familien, die das Fest dennoch feiern, nicht aus religiösen, jedoch aus kulturellen Gründen. Unter anderem wegen der schönen Traditionen, der Freude der Kinder, der Geschenke und des netten Weihnachtsschmuckes. Letztendlich ist es auch eine Zeit der Familie, denn Feiertage sind allemal. Zu den wichtigsten islamischen Festen gehört das Zuckerfest Eid al-Fitr, womit das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert wird. Am Morgen des 1. Schawwal wird sich schick gemacht, um dann in die Moschee zu gehen. Später kommt man als Familie zusammen. Auch Geschenke gibt es.

Im Judentum

… hat der Kalender nicht wie im Christentum 365 Tage. Die jüdischen Feiertage verschieben sich also immer ein wenig. Dieses Jahr wird zwischen dem 22. und 30. Dezember Chanukka gefeiert und jeden Tag eine weitere Kerze des Chanukka-Leuchters angezündet. Die Zeit wird als Familie zelebriert. Der Stress, den viele Leute in der Vorweihnachtszeit haben, bleibt Juden dadurch erspart. Die Feiertage genießen auch sie.

Im Buddhismus

… geht es weniger um das materielle Schenken, sondern mehr um den Akt des Gebens als solches. Lebt man als Buddhist in der westlichen Welt, wird Weihnachten als religiöses Fest nicht zelebriert, die Zeit mit den Liebsten jedoch genossen.

Ich bin sicher, es gibt noch viel mehr zu sagen und viel mehr Bräuche der Welt kennenzulernen. Interessant ist es allemal, immer mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und dazuzulernen. Mir bleibt nicht mehr viel zu sagen außer: eine schöne Zeit! Und ich glaube, das schließt alle ein!

Text von Nora. Bilder von Martin Wunderwald.

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