Allgemein, Gastgedanken, Körper & Bewusstsein
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Eine Sache der Sichtweise

Im November 2017 erzählte Pia ihre Geschichte im Gastgedanken-Beitrag „Trotz Krankheit glücklich sein.“ Damals sprach sie über ihre chronische Darmerkrankung “Colitis Ulcerosa” und schrieb darüber, wie sie es schaffte, ihr eigenes Glück zu finden und sich und ihren Körper zu lieben und zu akzeptieren, so wie er ist. Samt Krankheit. Leider folgte auf diesen Eintrag eine schwere Zeit, von der sie hier erzählt.

Eine unerwartete Nachricht

Der Sommer 2018 hatte es in sich. Er begann mit einer wunderschönen, aber auch unerwarteten Nachricht: Nach 10 Jahren voller Medikamente, Rückschlägen und ständigem Wechsel von so vielen Sachen sah mein Dickdarm so gut aus wie noch nie zuvor. Die Entzündungswerte waren wie die eines gesunden Menschen. Stabil. Meine Ärztin und ich beschlossen daraufhin, einen Versuch zu starten und setzten meine Medikamente vollständig ab. Ein gewagter Versuch, aber einer, der zeigen sollte, wie stabil mein Darm tatsächlich ist. Ich schaffte es letztendlich ganze vier Monate medikamenten- und beschwerdefrei zu leben.

Dann begannen die Hautprobleme. Höchstwahrscheinlich als Folge der Absetzung meines Medikaments in Zusammenhang mit der Sonne und dem heißen Klima, in dem ich mich befand. Im Urlaub bekam ich einen heftigen Hautausschlag im Gesicht und musste diesen für einen zehntägigen Aufenthalt im Krankenhaus abbrechen. Danach wurde ich gesund und zum Glück wieder beschwerdefrei entlassen. Doch die Probleme nahmen ihren Lauf und so kam es, dass ich Anfang September immer mal wieder unter leichten Bauchschmerzen litt. Appetitlosigkeit und somit auch Gewichtsverlust begannen. Ich fühlte mich öfter schwach und meine fehlende Ausdauer machte sich immer mehr bemerkbar. Im Oktober begannen dann die Magenschmerzen und auch die Bauchschmerzen wurden nicht besser. Ich fühlte mich im Großen und Ganzen absolut unwohl. Nach einer Darmspiegelung konnten die Ärzte eine leichte Schwellung im Dünndarm entdecken. Diese Nachricht war merkwürdig, da ich in den vergangenen zehn Jahren nie Probleme mit diesem Teil meines Körpers hatte.

Schwer, zu beschreiben

In den folgenden Wochen wurden die Schmerzen schlimmer und veränderten sich fast täglich. Eine Art von Schmerz, die man nur schwer beschreiben kann. Ein Gefühl vom auseinandergerissen werden und gleichzeitig einen enormen Druck zu empfinden. Die Schmerzen saßen sowohl im Brust- und Magenbereich, als auch im Rücken und sobald ich sie verspürte konnte ich weder aufrecht stehen, noch sitzen. Ich musste mich wie ein Embryo zusammenrollen und konnte mich nicht bewegen. Das Resultat der darauffolgenden Magenspiegelung war ein geschwollener Magen- und Darmtrakt. Im Endeffekt bedeutet dies, dass sich meine Krankheit ausgebreitet hat und ich nun nicht mehr unter Colitis Ulcerosa leide, sondern unter Morbus Crohn, der ausgeprägteren und schmerzhafteren Form dieser Art von Krankheit.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich diese Nachricht relativ gelassen und gut aufgenommen habe. Ich glaube, dass es einen Unterschied gemacht hätte, wäre ich die vergangenen Jahre komplett gesund gewesen. So wusste ich, was mich erwartet und sah es bloß als eine Art zusätzliche Belastung, mit der man im Laufe der Zeit umzugehen wissen wird und die zum Alltag wird. Es war keine schöne Nachricht. Definitiv nicht. Aber mir blieb nichts anderes übrig, als diese Nachricht zu akzeptieren und daraus das Beste zu machen.

Der Kampf mit dir selbst

Gebt euch selbst nicht auf, egal wie schwer es gerade ist. Jeder Mensch reagiert anders auf schlechte Nachrichten und jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, damit umzugehen. Aber am Ende sind wir alle nur Menschen. Wir haben unsere Grenzen. Manchmal überschreiten wir sie und manchmal schaffen wir es nicht einmal, in ihre Nähe zu gelangen. Aber wir müssen auf unser Bauchgefühl und unsere Intuition hören und dann entscheiden, was für uns das Beste ist. Selbst wenn du Umwege gehst, irgendwann gelangst du ans Ziel und wirst zu dem Menschen, der du eines Tages bist und auf den du unfassbar stolz sein kannst.

Der Kampf mit sich selbst kann der schwerste sein. Aber wenn man sich auf seine Bedürfnisse, Wünsche und Probleme einlässt und lernt, sich nicht selbst im Weg zu stehen, merkt man, dass es gar nicht so schwer ist. Sich selbst zu akzeptieren ist ein Schritt, sich zu lieben ein anderer und doch gehören beide zu einem glücklichem “Ich” dazu. Das Wichtigste von allem ist, dass man sich die Zeit nimmt, die man braucht. Veränderungen geschehen vielleicht über Nacht, aber die Art und Weise wie du damit umgehst und voll und ganz versuchst, das Beste draus zu machen, das benötigt Zeit. Und diese Zeit muss man sich nehmen, gerade dann, wenn man eigentlich keine hat. Lass dir von niemandem vorschreiben, wie du deine Probleme zu lösen hast, denn es sind deine Probleme. Vielleicht macht man nicht alles beim ersten Mal richtig, aber ist es nicht wichtig, dass man aus Fehlern lernt und hinterher ein Stück weit schlauer ist?

Weiß, woran ich bin

Bei den ganzen Beschwerden im vergangenen Jahr hätte ich schon viel früher zu einem Arzt gehen können. Ich habe es nicht getan. Vielleicht war ich naiv zu glauben, es könnte nicht mein Darm sein, nur weil ich die Symptome nicht kannte. Vielleicht war es auch selbstlos, mich so leiden zu lassen und vielleicht war ich auch einfach nur die ganzen Arztbesuche satt und wollte endlich mal meine Ruhe von alldem haben. Mein Leben leben und frei sein. Ja, im Nachhinein denke ich, dass ich früher hätte handeln können – dann wäre es mir zum Jahresende wahrscheinlich nicht so fatal schlecht gegangen. Aber ist es nicht viel wichtiger, dass es mir jetzt gut geht und ich weiß, woran ich bin? Dass ich aus diesem Fehler gelernt habe und auf meinen Körper hören sollte, wenn er versucht mir etwas mitzuteilen? Es gibt Momente, da will man bestimmte Dinge einfach nicht mehr, wie ich damals die ständigen Arztbesuche, aber man muss lernen über den eigenen Schatten zu springen, um einfach das zu tun, was richtig ist, egal wie leid man es ist.

Jetzt sitze ich hier, schreibe diesen Text zu Ende und bin einfach nur dankbar dafür, dass ich das gesamte vergangene Jahr beschwerdefrei leben konnte und nehme mir fest vor, alles dafür zu geben, dass es in den kommenden Jahren genauso sein wird. 2020 kann also beginnen!

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Text und Bilder von Pia.

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