Du & Ich, Liebe & Triebe
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Ein bisschen weniger Ich

Ich frage mich: Wäre ich so schön wie sie –
wärst du auch ohne Worte verschwunden,
hättest mich am Tiefpunkt meiner Gedanken gefunden und dann irgendwann einfach fallengelassen?
Hättest du dich dann vielleicht überwunden, mir zu sagen, was du fühlst?

Sag mir, wäre ich hübscher, nochmal 20kg leichter, 5cm größer und meine Haare 30cm länger, sag mir, wärst du geblieben?
Hättest du vielleicht genau dann angefangen, mich zu lieben, hättest mir vielleicht einmal mehr geschrieben und mich beschützt vor diesen dreisten Dieben?

Diebe, die mir mein eigentliches Ich entreißen,
die meine Gedanken immer und immer wieder durcheinander schmeißen, wodurch meine wahre Identität droht zu entgleisen.
Die und auch Du, ihr versucht mir etwas zu nehmen, was ich, wenn ich ehrlich bin, niemals besessen habe.
Versteckt hinter einer hohen Fassade steht ein Mädchen, dass nach außen so unglaublich stark und nach innen so verletzt ist.

Sag mir, wäre ich anders oder normal, wärst du dann noch hier?
Wäre ich ein bisschen weniger Ich und ein bisschen mehr wie ihr, würde ein bisschen weniger laut lachen und wäre etwas weniger frech zu Dir?
Wärst du dann noch hier?
Bitte sprich doch einfach mit mir und hör auf dieses dumme Spiel zu spielen, das ich immer verlier’.
– mich, dich und mich in dir.

Hier geht es um Gefühle, die niemand ausspricht, um eine Welle an verloren geglaubten Selbstvertrauen, die aus mir herausbricht,
wenn du und ich –

Nein!
Nichts Du und Ich.
Nur noch du und dich und ich und mich.
Jeder kümmert sich scheinbar nur noch um sich,
und um nicht eine einzige Sache, die einem vor geraumer Zeit noch wichtig war.

Doch jetzt sag’ ich dir, es lohnt sich gar nicht mich, sich für jemanden wie dich, zu verändern.
Denn warum soll ich mich ändern und du dich nicht? Warum soll ich Kompromisse in dem eingehen, was und wer ich bin, und weder du noch ich sehen darin einen Sinn?

Und trotzdem bin ich enttäuscht.
Denn von einer Spätsommer-, Herbst- und Wintergeschichte ist nichts mehr übrig, außer meine furchtbaren Gedichte.
Über uns, über dich und mich, wie wir einmal vor geraumer Zeit waren und was uns da ausmachte.
Ein uns, das aus mir scheinbar schon einen anderen Menschen gemacht hat und dir scheinbar komplett am Arsch vorbeigeht.

Mit deinen wunderschönen Worten schaffst du eine Hülle für mich.
Sie lässt mich schweben, aber mich dabei nicht bewegen.
In ihr lässt du mich über dich nachdenken, allerdings darf ich dir nicht einen einzigen der gedachten Gedanken schenken.
In der von dir gemachten Hülle darf ich alles fühlen, aber du lässt dich all diese Gefühle einfach wieder wegspülen.
Denn das, was in dir und mir passiert, wird nach außen alles ordentlich kaschiert, und so wirken wir unglaublich widerlich repariert, bis irgendwann doch irgendwer da draußen kapiert: “Du bist garnicht so repariert, dich hat doch wer zum lügen animiert!”

Und so stehe ich vor dieser furchtbaren Welt, splitterfasernackt, denn du bist gegangen und hast deine perfekt geformte Hülle mitgenommen und ich wünsche mir, dieses Gefühl von Zuneigung hätten mich niemals so gepackt,
dann hätte mein so verlorenes herz jetzt vielleicht noch den richtigen Takt
und ich noch ein Leben, in dem ich nicht ständig an dich denken muss.

Hanna ist 20 Jahre alt, spielt für ihr Leben gern Cello und verliert sich selber viel zu oft in der Poesie und in schönen Menschen in der Bahn.
Sie macht viele ihrer Gedanken mit sich selber aus und über Gefühle schreibt sie lieber, als dass sie darüber redet.

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