Selbst & Inszenierung
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Nach Dir suchen

Manchmal denke ich, ich finde Dich nie, als wärst Du bloß ein Traumbild, das ich erschaffen habe, um mein Leben lang nach Dir zu suchen. Überall schaue ich nach Dir, in der ganzen Stadt suche ich nur nach Dir. In jedem unbekannten Gesicht meine ich Dich zu erkennen, in jedem Lächeln fühle ich deine Nähe.

Ich sitze in der Bahn. Häuser und Menschen, Geschichten und Schicksale ziehen an mir vorbei. Das Mädchen neben mir hört so laut Musik, dass ich mitsingen könnte, wenn ich wollte und der Mann mir schräg gegenüber wirft ihr einen genervten Blick zu, bevor er wieder in sein Buch schaut. Ich flüchte mich in meine Gedanken, denke an Dich. Wo bist Du nur? Wo soll ich Dich finden? Suche ich Dich vielleicht am komplett falschen Ort?

Als ich nach draußen schaue und in der Fensterscheibe meine Reflexion sehe, glaube ich Dich zu erkennen. Doch dann bin ich mir nicht mehr sicher, vielleicht habe ich mich getäuscht. Die Bahn hält, ich muss aussteigen und stehe inmitten von Lärm und Leben. Diese Suche erscheint mir merkwürdig und doch kann ich nicht aufhören, mich überall nach Dir umzuschauen.

Ich bin Dir schon einige Male begegnet, habe Dich einige Male verloren  und doch kann ich nicht genug von Dir haben. Manchmal kommst Du wie aus dem Nichts, reißt mich mit und gibst mir das Gefühl, der mächtigste Mensch des Universums zu sein. In diesen Momenten könnte ich die Welt umarmen, könnte durch die Stadt laufen und den Menschen zurufen: „Habt keine Angst, das Leben ist schön, alles wird gut!“

Ich setze mich in Bewegung und schaue in das nächste Café. Vielleicht finde ich Dich ja bei einem leckeren Karamell-Macchiato und dem Geruch von frischen Zimtschnecken. Am liebsten mag ich Dich, wenn Du mal wieder ganz leise in mein Leben trittst, sanft und unverhofft, sodass ich Dich erst gar nicht bemerke.

Du bist dann wie ein Geschenk, wie die erste Tasse heiße Schokolade an einem kalten Wintertag oder wie die schimmernde Reflexion der Sonne im Fluss. Da würde ich Dich gerne einsperren und festhalten. Ich will, dass Du immer bei mir bist, mich nie alleine lässt und die Tatsache, dass das nicht geht, macht mir Angst. Wenn Du immer bei mir bleibst, dann würde ich mich an Dich gewöhnen und dann wärst Du irgendwann gar nichts Besonderes mehr für mich. Das sagen zumindest die meisten Leute, wenn ich über Dich spreche. Vermutlich haben sie Recht, ich bin mir nicht sicher. Manchmal ist diese ewige Suche nach Dir anstrengend, doch Aufgeben macht keinen Sinn.

Ich verlasse das Café und mache mich auf den Weg zur Uni, schwimme mit den anderen Menschen mit wie ein Fisch in seinem Schwarm. Alle suchen mehr oder weniger nach Dir, für viele bist Du der Sinn ihres Lebens. Die Sonne scheint in mein Gesicht und ich lächle, ganz kurz warst Du da.

Vielleicht ist eine Suche nach Dir unmöglich, vielleicht gehst und kommst du einfach wie es Dir beliebt und man muss das einfach so hinnehmen. Denn Dich, das Glück, kann man zwar suchen – aber niemals halten.

Eva ist 19 Jahre alt, kommt aus dem Süden Deutschlands und studiert derzeit im dritten Semester Politikwissenschaft in Hannover. Am liebsten schreibt sie über ihre innersten Gedanken, Emotionen und Träume, abgesehen davon liest sie sehr viel, ist Fan von Kaffee und möchte später mal was in Richtung Journalismus machen.

Das Photo ist von Luka.

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