Gastgedanken
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Meine größte Angst – die Depressionen

Sie begleiten mich schon seit meiner Kindheit, seit vielen Jahren. Nicht, weil ich selbst unter ihnen leide, sondern weil es Mitglieder meiner Familie tun. Depressionen sind eine meiner größten Ängste – wie bezeichnend, dass ich mich schon als Kind extrem vor den Dementoren aus Harry Potter gegruselt habe. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass diese tatsächlich Depressionen symbolisieren sollen. 

Diese Krankheit jagt mir aus verschiedenen Gründen eine Heidenangst ein. Zum Einen ist da natürlich die Angst um meine Familienmitglieder. Diese Angst ist nicht immer präsent, sondern taucht in bestimmten Situationen auf. Die Krankheit ist auch der Grund dafür, warum ich nie die Möglichkeit hatte eine bestimmte Person überhaupt kennenzulernen. Ich weiß also ganz genau, wie diese Krankheit enden kann.

Die Depressionen meiner Familie sind auch der Grund, warum ich schon Angst um mich selbst hatte. Ich erinnere mich da an eine Situation, die schon viele Jahre zurückliegt, eine Autofahrt. Ich weiß noch, dass ich während dieser Autofahrt panische Angst hatte, dass wir das Ziel nie erreichen würden. Wahrscheinlich war diese Angst total unbegründet, denn diese Person hätte mir das nie angetan, aber in diesem Moment war sie unglaublich real für mich. Bis heute ist das für mich die schlimmste Autofahrt, die ich je hatte, auch wenn sie für alle anderen wahrscheinlich eine Autofahrt wie jede andere war und sie sich schon längst nicht mehr daran erinnern können.

Und dann ist da die präsenteste Angst. Depressionen liegen bei uns in der Familie und so trage auch ich die Veranlagung dazu in mir. Und ich habe große Angst davor, dass aus dieser Veranlagung irgendwann Realität wird. Es ist schwer zu beschreiben, es ist weniger die Angst vor den Depressionen selbst und mehr was sie, bzw. auch die Medikamente, aus mir machen. Für mich selber ist es natürlich schwierig nachzuvollziehen, wie sich die Krankheit anfühlt, denn bisher hatte ich Glück und wurde davon verschont. Meist halte ich mich da an die Beschreibung der Dementoren, dass alle positiven Gefühle verschwinden und man das Gefühl hat, dass man nie wieder glücklich wird. Ich weiß nicht, ob es wirklich so ist, aber so stelle ich es mir zumindest vor.

Wenn ich mich selbst beschreibe, fallen mir so viele positive Dinge ein: Ich bin optimistisch, fröhlich und begeisterungsfähig. Und wenn das wegfällt, was bleibt dann noch übrig von mir? Wer bin ich dann? Und dann die Medikamente, die natürlich wichtig sind und ihren Zweck erfüllen, aber die auch große Auswirkungen haben. Ich kann mich erinnern, wie ich aus der Schule komme mit tollen Neuigkeiten und darauf einfach keine Reaktion folgt. Nicht, weil es der Person egal war, sondern weil sie sich nicht darüber freuen konnte, weil die Gefühle betäubt waren. Auch davor habe ich große Angst – einfach nichts mehr zu fühlen. Denn wer bin ich dann?

Vielleicht fragt sich jetzt jemand, wovon spricht die eigentlich, sie hatte doch noch nie Depressionen und andere haben viel mehr damit zu kämpfen.

Ich weiß ich hab sie nicht, aber sie sind trotzdem sehr real für mich.

Anna-Sophie kommt aus dem schönen Sauerland und ist eine Optimistin, deren Welt bunt und leuchtend ist. Sie ist neugierig und ihre Eltern wollten sie schon als kleines Kind zum Geschichtenerzählen auf den Marktplatz setzen. Als Journalistin ist sie in den Kinder- und Jugendmedien deshalb genau richtig.

Die Photos sind von Luka.

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