Gastgedanken, Selbst & Inszenierung
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Der kleine Fisch im großen Teich

Zuhause. Aber wo? Aber wie? Aber aber!

Ab heute, drei Monate, dann ist Weihnachten, dann kann ich nach Hause. Hunderte Kilometer gen Norden.

Und bis dahin: Berlin. Mein zweites Zuhause? Mein zweites Zuhause. Zuhause, da du hier bist, da wir hier sind. Zuhause kann kein Mensch sein? Mein Zuhause bist du. Denn du hast mir geholfen anzukommen. Meinen Platz in dieser großen Stadt zu finden. Du hast mich an die Hand genommen und mich mit zu Partys geschleppt. Du hast deine Freunde mit mir geteilt, deine liebsten Orte, deine letzte Mio Mio Cola. Freundschaft. Ohne diese Freundschaft wäre ich der kleine Fisch im großen Teich, der sich nichts sehnlicher herbeiwünscht, als zurückzukehren in den kleinen Teich, aus dem er kommt. Ohne dich würde ich in meinem Goldfischglas stets im Kreis schwimmen. Runde für Runde. Und die immer gleichen Menschen sehen. Doch hier und heute bin ich in Berlin. Eine Stadt in der die buntesten Fische leben. Schwarze Fische die vor den Clubs stehen und ihre Flossen zu Techno bewegen. Fische die Fische lieben. Fische die Vögel lieben. Fische, die nur Algen essen. Fische, aus jedem Land der Welt. Fische die mich herzlich aufgenommen haben. Fische die teilweise super unhöflich werden. Aber hey, dit is Berlin, die Stadt, die an jeder Ecke anders aussieht. Berlin, du kannst so schick sein und auch so scheußlich. Überall Hundekot, der Geruch von Pisse oder Gras und dann deine Parks, deine Wälder, deine Seen. So viel Natur, bei so viel Stadt. Seit einem Jahr lebe ich in der Stadt.

Ein Jahr ging schnell rum. Ein Jahr mit furchtbar warmem Sommer und eisig kaltem Winter. Wie viel ich doch verloren habe mit meinem Umzug hier her. So viel wie ich gewonnen habe. Eine faszinierende Stadt, mit faszinierend hohen Mietpreisen. 

Und trotz allem, wird mir mein richtiges Zuhause immer fehlen. Die salzige Luft und das Meer vor meiner Tür. Vielleicht ist es gut, mal in einen anderen Teich geworfen zu werden. Ich schätze mein Zuhause mit jedem Tag mehr, meinen alten Teich. Doch weiß ich, dass ich die Erfahrungen und all die wundervollen Momente des letzten Jahres nicht missen möchte. Menschen machen ein Zuhause zu einem Zuhause. Deine Lieben, die dich umgeben. Es ist gar nicht so einfach, Leute kennenzulernen, als kleiner Fisch im großen Teich. Mit Glück ist deine WG toll, oder du findest nette Menschen in deinem Studium, beim Sport, auf Partys, in der Bahn oder für die ganz Schüchternen über Apps. Tatsächlich habe ich anfangs ein paar Mädels durch Jodel kennengelernt. Es gibt unzählige Möglichkeiten Menschen kennenzulernen, sei offen!

Allein schwimmen kann ziemlich schwer sein, besonders anfangs.
Können Fische weinen?

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Gastgedanken von Anni: “Ich bin 20 Jahre jung und ich schreibe. Wie gut ich schreibe weiß ich nicht, denn ganz ehrlich, ich bin zwei Jahre aus der Schule raus und hab meinen Kram seitdem niemandem gezeigt. Seit Jahren hänge ich jetzt schon rum und schreibe an meinem kleinen „Meisterwerk“, jaja wie so viele hab ich den Plan mal ein Buch rauszuhauen. Ich schreibe wirklich gerne. Die Bilder zu meinen Geschichten sind alle von meiner Mitbewohnerin, wenn sie euch gefallen sollten, sie hat noch 1000 mehr. Ich mag ihren Stil.”

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  1. Oh wow! Zwar steht mein Auszug von zu Hause erst in einem Jahr an, doch ist er trotzdem ein Thema das mir viel durch den Kopf geht! Danke für diesen tollen Beitrag. Er hat es geschafft, diese Ungewissheit, die Höhen und Tiefen des Erlebten so schön, als neue Chancen darzustellen. Dieser Beitrag macht Mut! (:

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