Du & Ich
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Manchmal wäre ich gerne ich

Ich mag mich, das einmal vorab gesagt. Das war nicht immer so. Ich hatte in der Schule schon immer das Problem, dass ich manchmal angeeckt bin. Ich hatte immer gute Freunde und war nie einsam, aber ich war auch nie cool. Und damals wollten alle cool sein. Und bis zum Schluss gab es Leute, die mich irgendwann dann doch nicht mehr dabeihaben wollten. Manchmal ist das noch heute so.

Damals habe ich oft versucht mich zu verstellen, mal habe ich einen auf „Dummchen“ gemacht, weil ich dachte, dass kommt gut an. Dann wiederum habe ich mit meiner besten Freundin die Jungs aus der Klasse geärgert, wobei sie so viel draufgängerischer war als ich. Dann war ich zickig, weil ich dachte, Mädchen müssen das halt manchmal sein. Irgendwann wusste ich überhaupt nicht mehr wer ich bin und hatte Panik, dass ich überhaupt keine eigene Persönlichkeit entwickeln würde. Denn ich hatte im Pädagogikunterricht gelernt, dass die Identitätsentwicklung in der Pubertät passiert. Aber geht das überhaupt, wenn man ständig versucht jemand anderes zu sein, ohne überhaupt zu wissen wer man selbst ist?

Heute weiß ich ganz genau wer ich bin. Das weiß ich aber auch erst, seitdem ich nicht mehr zur Schule gehe, also eigentlich weit nach der Pubertät. Nachdem ich mich selbst kennengelernt habe, habe ich gelernt, mich zu akzeptieren. Ich schäme mich nicht mehr für bestimmte Sachen, auch wenn sie heute vielleicht genauso wenig „cool“ sind wie damals. Ich bin halt einfach nicht cool und werde es nie sein. Aber das ist auch gar nicht schlimm. Ich bin ja schließlich ich: Ich rede viel, bin freudestrahlend und manchmal auch frech.

Aber manchmal wäre ich gerne mehr ich selbst. In meiner WG, bei meinem Freund, guten Freundinnen und bei meiner Familie bin ich das. Überall da wo ich zu Hause bin. Wo anders bin ich manchmal gar nicht ich. Dabei fällt es mir zum Beispiel gar nicht schwer mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Wenn jedoch mehr als drei Personen in einer Gruppe sind, die ich nicht alle zu meinen guten Freunden zähle, auch wenn ich mich gut mit ihnen verstehe, werde ich plötzlich leise. Ich rede überhaupt nicht mehr viel, oder bin freudestrahlend, und schon gar nicht frech. Dann überlege ich ganz genau was ich zu Themen sage und behalte es am Ende doch für mich. Und jedes Mal denke ich mir, so bin ich doch gar nicht.

Und die anderen können mich so auch gar nicht richtig kennenlernen! Ich kann mich da ganz gut von außen betrachten und weiß genau, was gerade schiefläuft. Und jedes Mal denke ich: „Du musst das ändern, sei doch einfach du selbst!“ Aber beim nächsten Mal sitze ich wieder still da und überlege zu viel.

Das zu ändern fällt mir sehr schwer. Manchmal wäre ich einfach gerne mehr ich.

Anna-Sophie kommt aus dem schönen Sauerland und ist eine Optimistin, deren Welt bunt und leuchtend ist. Sie ist neugierig und will immer wissen „warum?“! Ihren Platz als zukünftige Journalistin hat sie in den Kinder- und Jugendmedien gefunden.

Das Beitragsbild ist von Nils.

1 Kommentare

  1. Paula Drost sagt

    Vielleicht ist das ja auch ein Stück weit du – die Nervosität in größeren Menschengruppen 🙂 Schöner Beitrag!

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