Gastgedanken
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Das Kind in mir

Dieses Jahr werde ich 24 Jahre alt, Mitte 20 also. Der erste Geburtstag, auf den ich mich nicht richtig freuen kann, obwohl ich Geburtstage liebe. Nicht weil ich Angst vor dem Älter werden habe, sondern weil ich einfach noch nicht soweit bin. Ich bin noch nicht Mitte 20. Irgendwie lässt sich diese Zahl nicht mit meinem Selbstbild vereinen. Ich weiß, dass es nur eine Zahl ist. Aber mit dieser Zahl geht noch viel mehr einher, wie zum Beispiel mein Masterabschluss dieses Jahr. Auch dafür bin ich nicht bereit. Irgendwie symbolisiert er für mich einen riesigen Schritt in Richtung Erwachsenenwelt, das Ende meiner Studienzeit. Ein Schritt, der mir im Moment noch viel zu groß erscheint.

Meine kleine Schwester ist da ganz anders. Sie hat letztes Jahr kurz vor dem Abi die Schule geschmissen und ist von zu Hause ausgezogen, ein Schritt, den ich erst mit 22 gemacht habe. Sie möchte endlich Geld verdienen, ihr eigenes Leben leben, endlich erwachsen werden. Sie konnte es seit Jahren kaum erwarten endlich erwachsen zu werden. Ich dagegen wollte immer Kind bleiben, und habe mir das Kind im Herzen bewahrt.

Das Tempo in dem man erwachsen wird, kann natürlich jeder für sich selbst bestimmten, aber ich finde, dass die Kindheit viel zu kurz ist, diese unbeschwerte Zeit. Um Erwachsen zu sein bleibt uns noch das ganze Leben. 

Mein Papa hat noch lange Zeit nach meinem 18ten Geburtstag gefragt „Wirst du denn nie erwachsen?“. Ich glaube, damals hatte er Angst, dass das schlecht sein könnte und mich davon abhalten würde mein eigenes Leben zu führen. Heute sieht er, dass ich auch als Kind meine Ziele erreiche und das Leben eben auf meine Art meister. Jetzt sagt er immer nur „du wirst auch nie erwachsen“. 

Ich selber habe schon seit Jahren ein Problem damit, mich als Frau zu bezeichnen. Wenn ich an Frauen denken, habe ich meine Mama, meine Tanten und meine Oma im Kopf. Sie alle sind soviel älter als ich, da meine Mutter erst sehr spät schwanger wurde. Als Mädchen würde ich mich aber auch nicht bezeichnen, denn ich weiß natürlich, dass ich mich in allen Bereichen meines Lebens weiterentwickelt habe und die Bezeichnung nicht mehr zu mir passt. Meistens bezeichne ich mich als junge Frau, aber zu 100 Prozent passt das auch nicht. Am besten wäre es, wenn es ein Wort dazwischen gäbe, denn ich bin sicher, dass nicht nur ich eins brauche.

Auch wenn ich bald zwei Studienabschlüsse habe und Mitte 20 bin, werde ich auch weiterhin begeistert durch den ersten Schnee hüpfen, Harry Potter-Schlafanzüge tragen und Kinderbücher lesen. Vielleicht kann ich ein Stück Kind für immer in mir bewahren, weil ich ganz einfach so bin und das nichts mit meinem Alter zu tun, sondern ganz einfach mit meiner Persönlichkeit. Ich würde es mir jedenfalls wünschen. 

Anna-Sophie kommt aus dem schönen Sauerland und ist eine Optimistin, deren Welt bunt und leuchtend ist. Sie ist neugierig und will immer wissen „warum?“ Ihren Platz als zukünftige Journalistin hat sie in den Kinder- und Jugendmedien gefunden.

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