Gastgedanken, Selbst & Inszenierung
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Ich wär’ so gern …

Ich wäre so gern so eine junge Frau, die ganz viel Wärme, Ruhe, Sicherheit und Liebe ausstrahlt. Eine junge Frau, mit der man sich gern umgeben mag und sich sicher fühlt, seine Gedanken laut auszusprechen. 

Eine junge Frau, die politisch gebildet ist und sich intelligent unterhalten kann, sich engagiert. Eine junge Frau, die gut kochen und backen kann, die ein ganz bisschen unordentlich ist, aber immer pünktlich. 

Eine junge Frau, mit der man laut sein kann und Spaß hat, mit der man aber genauso gut leise sein kann, sich in Ruhe und ehrlich unterhält. Die selber auch gerne etwas unternimmt und spontan ist. Mit einem sanften Wesen, dass nicht verurteilt und die trotzdem ehrlich ist und sagt, was sie fühlt und will. 

Eine, die um ihren eigenen Wert weiß und sich akzeptiert, ohne dabei andere Niedermachen zu müssen. 

Jemand, den man von Grund auf sympathisch findet. Ich habe so eine ganz bestimmte Version von mir in meinem Kopf, die ich als perfekt empfinde. 

Stattdessen wird mir manchmal gesagt, dass ich am Anfang eher einschüchternd wirke, unnahbar. Meine eigene Unsicherheit steht mir oft im Weg, sodass ich mich selbst nicht traue, auf andere zu zu gehen. Ich will gerne immer stark sein. Ich bin nicht gut im Konfrontieren und streiten. Ich habe es lieber Unternehmungen zu planen. Ich bin faul. Ich backe zwar gern, aber eher schlecht als recht. Ich weiß oft selbst nicht, was ich will und kann meine Gedanken und Gefühle nicht gut kommunizieren. Ich fühle mich schnell angegriffen oder als Bürde. 

Zu oft stehe ich vor dem Spiegel und fühle nichts als Ablehnung. Zu oft habe ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Vor anderen oder vor mir? Das kann ich nicht genau sagen. 

Zu oft verfalle ich dem Vergleichen-Syndrom. Die oder der ist viel schöner, kann dies oder jenes besser als ich. Vielleicht vergleiche ich mich auch mit dieser Wunschversion meiner selbst. Klar ist, ich werte mich ab und fühle mich dadurch minderwertig. 

Zu oft nimmt die „Ich-wär-so-gern-Frau“ in mir die Überhand.

Das kennt du bestimmt auch, oder?

Diese Wunschversion von dir selbst, der du aber gefühlt nie auch nur ansatzweise entsprechen kannst. Wir halten uns selber klein. 

Dabei ist da doch noch so viel mehr. 
Du und ich.
Wir sind beide noch so viel mehr. 

An manchen Tagen bin ich genau diese junge Frau, die ich gern wäre, da gelingt mir das. An manchen Tagen aber eben auch nicht. Da bin ich anders. Mehr als nur diese eine Version.

Ich bin eine junge Frau, die Fehler macht, die noch lernt, die auf dem Weg zu sich selbst ist und dabei vielleicht manchmal den längeren Weg geht, dafür aber vielleicht auch schönere Aussicht währenddessen genießt. Eine junge Frau, die einzigartig ist.

Es steckt so viel mehr in uns und das ist unfassbar wertvoll.

Wer sagt eigentlich, dass wir nur so und nicht anders oder mehr sein können? So sein müssen? 

Die Grenzen setzt sich jeder von uns nur ganz allein.

Es ist gut, dass du Ansprüche an dich selbst hast und dich immer wieder weiterentwickelst zu dem Menschen, der du sein magst. Lass dich aber davon nicht unter Druck setzen. Nicht von Anderen und auf keinen Fall von dir selbst.

Es ist okay, wenn du (noch) nicht so bist, wie du dich oder Andere dich gern hätten. Wenn du noch nicht an dem Punkt in deinem Leben bist, den du dir immer ausgemalt hast.

Du bist verdammt noch mal genug.

Verabschiede dich von deinem ganz persönlichen „Ich-wär-so-gern-Wesen“ und fang an, mit der „Ich-bin“-Version davon zu tanzen.

Text von Henri. Sie ist 19 und verbringt grade ihre Zeit in Afrika und fängt nun in ein paar Monaten an, Soziale Arbeit zu studieren. Sie schreibt viel Tagebuch und beschäftigt sich dabei mit allem möglichen, vor allem aber Selbstliebe.

1 Kommentare

  1. Laura Gärtner sagt

    Fühle ich sehr. Habe auch immer ein bestimmtes Bild von mir,was ich ausstrahlen will,Leute bestätigen mir aber immer wieder das ich es so gar nicht ausstrahle.

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