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Wie bin ich so unfassbar unglücklich geworden?

Ich kann den Hergang meiner jetzigen Gefühlslage gar nicht mal mehr richtig skizzieren. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, ich kann nicht absehen, ob es irgendwann aufhört.

Seit einer Weile bin ich nicht mehr der glückliche Mensch, der ich noch vor einer Weile war. Und: Tiefs hatte ich schon viele im Leben. Aber noch keins war so andauernd und so auslaugend, wie dieses hier. Ich mache den Stress dafür verantwortlich. Den Stress von allen Seiten und dem Fakt, dass ich das ganze Jahr noch keinen Urlaub hatte. Immer gibt es etwas, immer mach ich etwas, nie schalte ich ab. Mich stressen Dinge, die ich liebe und Dinge, die ich nicht liebe. Und egal, wie viele To-Do’s ich abarbeite, es werden nicht weniger. Immer folgt darauf etwas. Gleichzeitig kann ich eigentlich Erfolge feiern, mit allem, was ich mache. Alles läuft richtig gut. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass Erfolg nur bis zu einem gewissen Punkt zur Glücklichkeit beisteuert. Es kommt ganz darauf an, was Du eben für diesen Erfolg, vielleicht auch für das Geld, was damit einhergeht, leisten musst.

Ich führe ein unglaublich privilegiertes Leben, dass ich mich überhaupt über sowas aufregen kann: über Stress. Manche Leute sterben, manche Leute leben im Krieg, manche Leute hätten überhaupt gern eine Arbeit oder Ausbildung. Aber Schmerz und Probleme kann man manchmal nicht vergleichen. Auf meiner Leidensskala ist das Leiden gerade groß. 

Und das Leiden findet nicht nur im Inneren statt. Mein Körper verändert sich mit. Ich habe Pickel bekommen, Risse, Ausschläge, ich knabber an meinen Fingernägeln, ich reiße Wunden auf, ich habe ein entzündetes Auge, ich fahre heute ins Krankenhaus.

Ich bin der Meinung, der Körper sagt uns manchmal eher, dass etwas nicht gut ist, als unser Verstand. Also: Was will mir das alles sagen? Dass ich runterfahren muss, ja.

Und so: arbeite ich statt zehn Stunden Minimum nur noch fünf Stunden Minimum.

Verschiebe Hausaufgaben hinter’s Wochenende.

Halte nur noch eine Kamera auf mich, wenn ich es wirklich will. Nicht, weil die Leute es erwarten.

Schreibe Tagebuch.

Esse gesund.

Mache wieder Yoga. 

Und habe mir einen Psychologen gesucht.

Aber vor allem habe ich das Ausmaß erkannt, zu dem mich Stress bringen kann. Und was er aus mir gemacht hat.

Ich will mit diesem Text sagen: kein Erfolg ist es wert, so viel dafür zu opfern, zu verlieren. Stress wird immer als cool und erfolgreich dargestellt, wir prahlen mit Stress. Aber es ist nichts, wofür man beneidet werden sollte. Eher bemitleidet. Wenn immer ihr also könnt: sagt nein. Priorisiert. Und passt auf, dass ihr gesund bleibt, bevor es zu spät ist.

Text und Beitragsbild von Nora. Fische sollen ja bekanntlich Stress mindern, wenn man ihnen eine Weile zusieht.

1 Kommentare

  1. TineBineHonigwabe sagt

    Der Schritt zur Psycholog*in ist auf jeden Fall der richtige! Lass dir helfen, red’ dir Dinge von der Seele, die du niemandem sagst und, die du noch nicht einmal selber zulässt. Lerne “nein” zu sagen. Und auch Dinge, die du liebst mal gehen zu lassen, frei nach dem Motto “Gehen, wenn es am schönsten ist”. Und lass’ dir sagen, das Leben ist schön! Du bist eine tolle Person! Das hört sich sehr weit weg an, sehr fremd und gar nicht nach dir selbst. Aber es kommt wieder, glaub mir.

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