Allgemein
Schreibe einen Kommentar

Wie viel bemutterst du?

Zum gestrigen Muttertag haben wir uns damit beschäftigt, wie sehr das Mutter-sein, bemuttern oder bemuttert werden wollen eigentlich in uns steckt. Wie sieht das bei Euch aus? Stört es euch, oder macht es Euch nichts aus? Habt ihr Euch schon mal damit befasst, wo das eigentlich herkommen könnte?

Luka

Ich bin sehr darauf bedacht, in Harmonie mit den Menschen zu leben, die ich liebe und die mich lieben. Ich mag es überhaupt nicht, nahestehende Menschen zu verletzen und würde vieles dafür tun, dies zu vermeiden. Deshalb stelle ich meine eigenen Bedürfnisse und Erwartungen oft in den Hintergrund, verstelle mich oder erzähle nicht immer alles und das bloß, um anderen Menschen damit einen Gefallen zu tun. Natürlich ist das nicht wirklich schön, jedoch lässt es mich leichter leben, als immerzu nur an mich zu denken. In einem gewissen Grad ist das vermutlich auch normal, aber irgendwann auch nicht mehr. Und dass ich meinen Mitmenschen damit gar nicht so einen großen Gefallen tue, ist mir erst neulich aufgefallen.

Was ich bloß gut meine, kann bei den anderen ganz falsch angekommen. Unterbewusst kann bei einer Person das Gefühl aufkommen, dass ich mich über sie stellen würde. Ich nehme sie in Schutz, denke, dass sie die ganze Wahrheit vermutlich nicht ertragen würden, bemuttere sie. 

Wenn es ganz blöd läuft, kann sich mein Gegenüber sogar nicht ganz ernstgenommen oder wie ein Kleinkind behandelt fühlen.

Jedoch ist es ganz wichtig, immer auf Augenhöhe zu bleiben. Was von mir nur gut gemeint ist, kann also bei meinen Mitmenschen ganz falsch ankommen. Es bringt also nichts, nicht die Wahrheit zu sagen, Dinge zu verschweigen oder deine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, weil es im Endeffekt alles nur schlimmer macht. Deine Mitmenschen sind sicher auch darauf bedacht, dass du glücklich bist. Und vor allem in Konfliktsituationen ist es wichtig immer ehrlich zu sein. 

Imina

Ich glaube, die Identifikation mit einer bewussten Mutterrolle, die ein- und zurücksteckt, bemerke ich an mir immer daran, dass ich mich viel zu oft und viel zu schnell für mich selbst entschuldige: Wenn ich irgendwo aus Versehen im Weg stehe, wenn ich etwas falsch gemacht habe oder zu spät reagiere. Außerdem sage ich oft Sätze wie „Ich höre gleich auf, dich zu nerven“ oder „Ich lass dich gleich in Ruhe“

Inzwischen nervt es mich selbst, dass ich mich dauernd für mich selbst entschuldige – und warum denn überhaupt?! Wenn die Person, die ich nicht zu belästigen versuche, wirklich genervt von mir wäre, könnte sie es doch eigenständig sagen. Warum ist dieses Gefühl, zu viel Platz einzunehmen, so tief in mir verankert? Warum möchte ich anderen Leuten immer mehr Raum lassen als ich mir selbst zuschreibe?

Aber jemanden zu bemuttern ist überhaupt nicht schlecht, wenn es nicht überhand nimmt und man in der Fürsorge für andere versinkt. Viele gehen total darin auf, andere Personen zu „bemuttern“ (und überhaupt, warum ist dieses Wort allein schon so negativ konnotiert?) und sind nicht weniger Feminist*in deswegen! Ich denke, dass es wichtig ist, sich nicht automatisch auf eine niedrigere Stufe zu stellen, oder sich dabei zu erwischen, wenn es passiert. Du bist nicht weniger wert als irgendwer sonst. Also solltest du dich selbst auch nicht so behandeln.

Nora

Ich bin so eine Person, die voll im Bemuttern aufgeht. Ich liebe es, fürsorglich zu sein, es anderen schön zu machen, aufzuräumen, Essen zu machen. (Dinge, die übrigens auch ein Vater macht. Nur um hier nicht in Klischees abzurutschen). Weder mich noch die Leute, denen ich versuche, es so schön, wie möglich zu machen, stört das. Weil das Bemuttern auch immer an gewissen Punkten endet. Es sollten die Regeln des Respektes herrschen. Auch zu einer Mutter müssen wir “Bitte” und “Danke” sagen, nicht alles ist bedingungslos. Und sich um jemanden zu kümmern, jemanden zu umsorgen, heißt nicht gleich, dass man sich selbst verliert. Ich spiele nicht die Mutter, ich bin einfach so. Und trotzdem eigenständig, unabhängig und feministisch. Habe immer etwas Liebe abzugeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.