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How to: Kunsthochschule

Was an Universitäten und Hochschulen der Numerus Clausus ist, ist an der Kunsthochschule die Mappe. So müssen alle, die an einer Kunsthochschule studieren wollen, vorab eine kleine oder manchmal auch ganz schön große Hürde überwinden und ein eigenes Portfolio erarbeiten. Manche Kunsthochschulen fordern zusätzlich noch eine Hausaufgabe. Manchmal ist die Bewerbungsmappe auch nur der erste Schritt; oft folgt darauf noch eine Eignungsprüfung oder ein Gespräch.

Trotzdem ist die Abgabe der Mappe der erste und wichtigste Schritt auf deinem Weg in die Kunsthochschule. Da es bei den künstlerischen Studiengängen oft wesentlich mehr Bewerber*innen als Studienplätze gibt, kommt der Bewerbungsmappe eine entscheidende Bedeutung zu. Du präsentierst dich, deine kreative Arbeit, deine künstlerische Eignung und vor allem wird klar, ob du wirklich Bock auf so ein Studium hast, oder nicht.

Wir können mit diesem Post weder versprechen, dass ihr mit eurer Mappe auf jeden Fall in dem gewünschten Studiengang angenommen werdet, noch können wir sagen, wann eine Mappe wirklich gut ist. Jedoch haben wir, Imina und Luka, in den letzten zwei Jahren einige erfolgreiche Mappen angefertigt und viel Erfahrung gesammelt. Deshalb werden wir euch hier unsere besten Tipps zusammenschreiben. Viel Spaß!

Noch eine kleine Anmerkung: Alle äußerlichen Bedingungen der Mappe, wie Größe und Gewicht, aber auch der Abgabezeitraum und die Anzahl der gewünschten Arbeiten, solltet ihr der Website eurer Wunschhochschule entnehmen. Dies kann von Studiengang zu Studiengang variieren.

Als ich mich das erste Mal über die Bewerbung an einer Kunsthochschule informiert habe, wurde mir direkt gesagt, dass ich mir für die Erarbeitung der Mappe mindestens ein Jahr Zeit nehmen soll. Klingt erstmal ganz schön viel, aber genau das habe ich auch getan! Ich habe nicht direkt nach dem Abitur angefangen zu studieren, sondern ein Jahr Pause gemacht und an meinen Mappen gearbeitet. Oft sind die Bewerbungszeiträume an den Kunsthochschule bewusst so früh, dass du deine Mappe gleichzeitig mit deinem Schulabschlusses machen müsstest. Und das stelle ich mir ehrlich gesagt ziemlich stressig vor. Aber genau das ist der Punkt: diese lange Zeit ist wichtig, damit du nicht nur mit Arbeiten aus dem Kunstunterricht ankommst, sondern genügend Zeit hast, um auch etwas Eigenes zu erarbeiten. Du kannst in diesem Jahr zum Beispiel Reisen oder Arbeiten und erlebst etwas ganz anderes als wie bisher Schule und Lernen. So bekommst du ganz viele neue Eindrücke und kannst diese direkt in deiner Mappe verarbeiten. Außerdem kannst du Ideen reifen lassen und zeigen, dass du es wirklich willst. Und man sieht, ob du wirklich an Kunst interessiert bist oder die Mappe nur aus irgendeiner spontanen Laune heraus entstanden ist.

Du solltest dir also mindestens ein Jahr oder vielleicht auch sogar zwei Jahre Zeit für die Erarbeitung deiner Mappe lassen. Die Professoren sehen, wenn du deine Mappe schnell in zwei Wochen zusammengestellt hast und das kommt so gar nicht gut an.

Deine Leidenschaft für die Kunst muss spürbar sein. Und das wird sie auch, wenn du sie wirklich hast. Mache das, was du willst und wofür du wirklich brennst. Fang nicht an darüber nachzudenken, was die Professor*innen sehen wollen, sondern mache einfach dein Ding. Du wirst nicht glücklich, wenn du mit einer Mappe genommen wirst, die gar nicht ganz Du bist.

Nimm dir vor, jeden Tag etwas für die Mappe zu machen. Sei es ein Konzept, eine Seite im Skizzenbuch oder eine ganze Photoserie. Vielleicht sind es auch nur ein paar Gedanken, die du dir über eine neue Idee machst. Sei mit deinem Kopf jeden Tag bei der Mappe, so dass ganz viel entstehen kann und du am Ende sogar wählen kannst, welche Arbeiten du abgibst und welche nicht. Es muss nicht alles perfekt sein, darauf kommt es überhaupt nicht an.

Probier’ ganz viel herum. Versuch’ nicht immer wieder das gleiche zu machen, nicht nur das, was du gut kannst. Zeig den Professor*innen, wie kreativ du wirklich bist und geh’ aus deiner Komfortzone raus. Trau dich! Bleib nicht nur in deinem Medium. Ich hatte in meiner Mappe für das Photographiestudium neben Photos eben auch Skizzenbücher und Malereien. Du kannst mit den unterschiedlichsten Materialien, Farben und Formen herumexperimentieren. Damit zeigst du einerseits dein großes Interesse für das Fach, andererseits zeigst du auch, dass du noch formbar bist.


Die Professor*innen wollen keinen fertigen Künstler*innen sehen, die alles schon perfekt beherrschen. Es geht nicht um die besten Aktzeichnungen oder das best-belichtete Photo. Was sollen sie dir denn noch beibringen, wenn du alles schon kannst? Deswegen trau dich, neue Gebiete kennenzulernen und mach auch mal etwas, an das du dich sonst nie trauen würdest.

Die Professor*innen wollen keinen fertigen Künstler*innen sehen, die alles schon perfekt beherrschen. Es geht nicht um die besten Aktzeichnungen oder das best belichtete Photo. Was sollen sie dir denn noch beibringen, wenn du alles schon kannst? Deswegen trau dich, neue Gebiete kennenzulernen und mach auch mal etwas, an das du dich sonst nie trauen würdest.

Es ist wichtig zu zeigen, dass du mit deinen Gedanken immerzu dabei bist. Und das zeigst du am besten durch Skizzenbücher oder ähnliches. Du kannst dir zum Beispiel das Ziel setzen, ein Skizzenbuch im Monat zu füllen. Du kannst es immer dabei haben, Gedanken aufschreiben, schnelle Skizzen machen, Photos einkleben. So hast du kurz vor Mappenabgabe sicher fünf oder mehr schöne Bücher zusammen, die dich und deinen Charakter gar nicht besser präsentieren können.

Denke nicht in einzelnen Arbeiten, sondern denk auch in Reihen. Wenn du dir für eine bestimmte Arbeit ein Thema gibst, mache nicht nur eine Zeichnung oder ein Photo dazu, sondern mehrere, auf denen eine Entwicklung zu erkennen ist. Du kannst auch Mehrteile Arbeiten abgeben: eine Skulptur mit Materialstudie oder das Konzept hinter einer Photoreihe. Bedenke aber, dass ein Skizzenbuch oder eine Photoreihe aus mehreren Bildern auch nur als eine Arbeit gezählt wird.

Kleb’ bitte nicht alles auf diese festen schwarzen Kartonbögen und verwende bloß keine Klarsichtfolien, das ist viel zu langweilig. Lege einige Blätter auch einfach lose in die Mappe. Die Mappe muss lebendig sein, man muss alles anfassen und durchblättern können. Hast du schon mal in ein Künstleratelier geguckt? Da herrscht auch alles andere als Ordnung.

Und was, wenn du dann wirklich an der Kunsthochschule gelandet bist? Die ersten Monate verbringt man eigentlich damit, sich zu akklimatisieren: Neue Leute, neue Abläufe, neue Denk- und Lehrweisen und so weiter. Deshalb hier noch ein paar Tipps für deinen Einstieg an der Kunstuni. Natürlich können wir auch hier nur von eigener Erfahrung an bestimmten Unis sprechen!

Klingt jetzt irgendwie ernüchternd, vielleicht nimmt’s aber auch ein bisschen den Druck von der ganzen Sache: Wenn du dann nämlich wirklich deinen Studienplatz bekommen hast, Seminare besuchst, Projekte erarbeitest und mittags in die Mensa gehst, merkst du ziemlich sicher irgendwann: Okay, sooo aufregend ist das alles dann doch nicht. Irgendwie ist es wie jede andere Uni auch, nur eben mit anderen Schwerpunkten. Oft tendieren wir dazu, uns Kunsthochschulen als „magische Orte“ vorzustellen, wo nur Menschen rumlaufen, die sich toll anziehen, allesamt gute Bücher auf Englisch lesen, rauchen, Weißwein trinken und zusammen über das Leben und ihre Kunst philosophieren.
Doch was ich ziemlich schnell festgestellt habe: Die anderen, die meisten, sind genauso „normal“ wie du auch. Alle haben ihre Eigenheiten aber sind einfach nur Studenten. Das Gute: Smalltalk ist selten ein Problem, weil man immer zumindest ein Thema hat („Und, woran arbeitest du gerade so?“). 

Manchmal fühle ich mich hier ziemlich langweilig. Wenn ich langweilige Pullis trage weil mir einfach den ganzen Tag kalt ist, weil ich nicht fünf Entwürfe liefern kann, weil mir nur drei eingefallen sind, weil ich mich an Diskussionen nicht beteiligen kann, weil ich die Künstlerin nicht kenne oder nicht auf der Technoparty war. Auch hier heißt es: Entspann dich und sei einfach, wie du bist. Du lernst am ehesten Leute kennen, die zu dir passen, wenn du dich nicht verstellst. Und nur weil du Techno nicht feierst und dich nicht zur Raucherpause draußen mit den Leuten unterhältst, bist du nicht uncooler als die anderen.

Ich habe es mir auch immer so vorgestellt, als würden alle den ganzen Tag nur arbeiten, Kunst machen und kaum schlafen. In meinen Anfängen an der Kunsthochschule war ich so gestresst, weil ich die ganze Zeit Gedanken hatte wie: „Die können XY besser als ich“, „Ich muss das heute noch fertig kriegen, damit ich das morgen zeigen kann“ oder „Hoffentlich gefällt das der Professorin“ 

Der tatsächliche Anspruch und Arbeitsaufwand ist zwar von Hochschule zu Hochschule verschieden, jedoch entwickelst du mit der Zeit sicherlich eine gewisse Entspanntheit, was deine Arbeit angeht – du weißt irgendwann, welche Projekte du machst, woran du noch besonders arbeiten musst, was du kannst und wobei du Hilfe brauchen könntest. Und bis dahin lege ich dir ans Herz: Stress dich nicht so. Im Endeffekt ist es doch nur Uni, auch, wenn du, anders als in anderen Studiengängen – oft dein Herzblut und viel Schweiß in die Arbeit steckst. Ganz wichtig ist es, sich selbst von der eigenen Arbeit distanzieren zu können. Du bist nicht deine Arbeit, sowie deine Arbeit nicht alles ist, was du bist. Diese Realisation ist aber in den meisten Fällen ein langsamer Prozess.

Das Kunststudium ist sehr individuell. Solltest du eine Absage bekommen, kannst du auch erstmal traurig sein, dass ist total okay. Man steckt so viel Arbeit in die Mappe und dann hat es vielleicht immer noch nicht gereicht. Aber sei dir bewusst, dass es nicht nur an dir liegt. Vielleicht findet die Prüfungskommission, dass du an einer anderen Kunsthochschule besser aufgehoben bist. Es kommt sowieso immer sehr auf die aktuellen Professoren an: wirst du nicht angenommen, wärst du sehr wahrscheinlich auch gar nicht glücklich geworden, weil die Sicht und die Denkweise von dir und von den Professoren dann nicht wirklich zusammen passt. Probiere es dann im nächsten Jahr noch einmal und vielleicht dann auch noch an einer anderen Kunsthochschule.

Mit jedem Jahr lernst du dazu und sammelst an Erfahrung. Und wenn du dieses Studium wirklich willst, dann ist es das beste was dir passieren kann.

Imina und Luka haben sich in den letzten drei Jahren erfolgreich an mehren Kunsthochschule auf mehrere Studiengänge beworben. Falls ihr noch Fragen habt und euch vielleicht an den gleichen Hochschulen bewerben wollt, schreibt uns doch gern persönlich.

Imina hat sich an der Freien Universität Bozen (Design & Arts), Burg Halle (Kommunikationsdesign), Bauhaus Universität Weimar (Visuelle Kommunikation), FH Potsdam (Kommunikationsdesign) und an der Kunsthochschule Kassel (Visuelle Kommunikation) beworben.

Luka hat sich an der Kunstakademie Düsseldorf (Freie Kunst und Photographie), an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Photographie), an der Ostkreuzschule für Photographie in Berlin und der Universität der Künste in Berlin (Bildenden Kunst) beworben.

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