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§219a

Abtreibung. Wie oft andere Mädchen und Frauen daran denken weiß ich nicht, aber jedes mal wenn meine Periode ein bisschen zu spät kommt schießen mir tausende Fragen dazu in den Kopf. Was, wenn ich diesmal wirklich schwanger geworden bin und was, wenn ich mich dazu entscheide nicht Mutter zu werden? Wohin kann ich gehen und wer macht das dann? Wird es weh tun? Und darf ich das überhaupt?

Ich war immer fest davon überzeugt, dass Abtreibungen in Deutschland einfach und legal seien. Aber damit lag ich falsch. Während Frauen in Frankreich und Italien beispielsweise legal abtreiben dürfen wenn sie ungewollt schwanger geworden sind, ist bei uns die Rechtslage nach wie vor kritisch. Es ist straffrei aber nicht eindeutig erlaubt, doch das schlimmste ist, dass Ärzt*innen die Abtreibungen durchführen das Leben schwer gemacht wird.

Unter den Anschuldigungen der ,,Bewerbung” von Schwangerschaftsabbrüchen fanden sich etwa die beiden Ärztinnen Natascha Niklaus und Nora Szas im August 2018 vor Gericht. Und das für diesen Satz: “Schwangerschaftsabbruch, operativ oder medikamentös”, der sich ganz unten auf der Liste von ambulanten Operationen auf der Website der beiden findet.

Das soll Werbung sein? Im Ernst?

Wenn ich an Werbung denke fallen mir gigantische Plakate, Pop-ups im Internet, Spam-Mails im Postfach oder Leute auf der Straße ein, die Flyer verteilen. Vier Worte auf einer beliebigen Website, auf die ich bewusst gehen muss und auf der ich erst mal ein bisschen rumklicken muss um zu finden was ich suche – das ist keine Werbung.

Dass dieser Satz als solche deklariert ist zeigt, dass im Kampf um die Frauenrechte noch einiges zu tun ist.

Wie aufgeklärt und gleichberechtigt kann eine Gesellschaft sich wirklich nennen, wenn wir Frauen nicht selbst entscheiden können ob wir Mütter werden oder nicht? Wir Frauen werden für dumm verkauft und als “zu emotional” dargestellt, um Entscheidungen wie die, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, reflektiert zu treffen. Niemand trifft so eine Entscheidung leichtfertig und selbst wenn Plakatwände zukünftig mit wirklicher Abtreibungswerbung zugekleistert wären, würde mich das jedenfalls nicht dazu ermutigen eine mögliche Schwangerschaft abzubrechen. Es würde mir höchstens die Scham nehmen und Raum geben öffentlich darüber zu sprechen und zu reflektieren.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ich selbst über mein Leben entscheiden kann – in allen Bereichen und besonders in der Familienplanung. Ich wünsche mir, dass wir offen darüber sprechen können, ohne uns schämen oder rechtfertigen zu müssen.

Dabei geht es mir nicht darum, dass wir jetzt alle munter in die Welt hinausgehen und abtreiben. Es geht um das wie, wenn es notwendig sein sollte.

Hier kommt der Mitmachteil:

Ein konkreter Vorschlag, den eine andere Feministin bei besagtem Vortrag von Alice Schwarzer am 28.03 in den Raum gestellt hat – wenn wir als Menschen, die nicht an der Durchführung von Abtreibungen verdienen, uns darum bemühen, die Namen derer, die es tun (und das gut, schmerzfrei und verantwortungsbewusst!) zu teilen, können wir es betroffenen Mädchen und Frauen leichter machen gute Ärzt*innen zu finden. Je mehr wir Namen nennen, desto leichter wird man die Kontakte im Internet finden. Wir können eine Bewegung ins Rollen bringen und Support zeigen, ohne dass die Ärzt*innen sich strafbar machen müssen und so unser Recht auf Informationen selbst in die Hand nehmen.

Hier geht’s zum Pad, auf das ihr Namen eintragen könnt, falls Euch welche bekannt sind!

Ich hoffe, dass dieser Artikel einen Dialog anstößt der vielleicht dazu führt, dass wir offener über Abtreibungen sprechen und untereinander gute Kontakte an diejenigen vermitteln können, die sie brauchen.

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Gastgedanken und Illustration von Caro. Sie ist 22 und lebt nach ein bisschen Weltenbummlerei gerade ihre kreativen Gelüste im Studium aus. Sie beschäftigt sich rund um die Uhr mit vielen Themen, Projekten und Leidenschaften auf einmal, die zwei Themen für die sie aktuell am meisten brennt sind feministische Selbstverwirklichung und Klimagerechtigkeit.

1 Kommentare

  1. Anna sagt

    Welche Seite der Abtreibung mir in diesem Artikel fehlt: Das Gesetz gibt es nicht, um Frauen zu unterdrücken, sondern zu schützen. Schwangerschaftsabbrüche sind und bleiben riskant für die Frau. Die Pille danach ist eine Hormonbombe schlechthin. Und wenn doch schon ein Fötus da ist, dann wird dieser im Körper der Frau mit einer Kaliumchloridlösung getötet und die Frau bekommt zeitgleich eine “AbtreibungsPille”, die Gebärmutter wird komplett entfernt, oder der Fötus wird ausgeschabt oder abgesaugt… Diese Methoden bieten gewisse Risiken für Frauen, u.a. Fruchtbarkeitsstörungen, erhöhtes Brustkrebsrisiko, psychische Störungen oder dass Frauen gar nicht mehr schwanger werden können.
    Wer Sex hat, der kann schwanger werden, und das ist vielen anscheinend nicht bewusst.
    Ich will nicht, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch wünschen diese Chance verwehrt bleibt, aber bitte ignoriert nicht die medizinische Seite des Ganzen!

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