Gastgedanken, Körper & Bewusstsein
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Warum ihr für Eure Periode dankbar sein solltet

,,Oh wie entspannt es wäre, nicht jeden Monat meine Periode zu bekommen!’’ – Wie oft habe ich mir diesen Satz schon von Freundinnen anhören müssen. Und jedes Mal versetzt er mir einen kleinen Stich ins Herz.

Ich bin 22 Jahre alt und hatte in meinem gesamten Leben nur zwei Mal meine Periode. Zu Beginn war auch ich froh darüber, denn, wenn wir alle ehrlich sind, ist es nicht immer angenehm, was da jeden Monat passiert. Doch je mehr ich mich mit den Folgen der so genanten Amenorrhö (Ausbleiben bzw. Fehlen der Menstruation) befasste, desto mehr wich die anfängliche Freude der Besorgnis. Vor allem die Angst, in 10 Jahren unter einer so starken Osteoporose (wenn die Knochendichte einen bestimmten Wert unterschreitet) zu leiden, dass ich auf meinem geliebten Sport verzichten müsste.
Die Amenorrhö ist keine Krankheit sondern ein Symptom für eine große Zahl an verschiedenen Grunderkrankungen oder Lebensbedingungen. Hierzu zählen etwa Anorexie, traumatisierende Ereignisse oder eine hochgradige Stressbelastung. Durch eine starke Stressbelastung tritt ein Ausbleiben der Monatsblutung auch oft bei Leistungssporter*innen auf.

Für mich begann eine Zeit mit zahlreichen Arztbesuchen, Blutabnahmen und Ultraschalluntersuchungen. Doch bis heute können mir weder Frauenärzt*innen noch Endokrinolog*innen (Endokrinologie ist die „Lehre von der Morphologie und Funktion der Drüsen mit innerer Sekretion und der Hormone“) sagen, was mit mir nicht stimmt oder was die Amenorrhö verursacht hat.

In Deutschland haben etwa 1,5 bis 3 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter keine Periode und dennoch erlangt diese Thematik in unserer Gesellschaft so gut wie keine Aufmerksamkeit.
Erreicht man als Mädchen die Pubertät ist es kaum möglich, dem Thema Periode zu entfliehen. Im Biologieunterricht bekommt man Tampons verteilt weil man die als Mädchen ja auf jeden Fall brauchen wird, in Frauenzeitschriften geht es darum, wie man am besten mit Periodenschmerzen, PMS und Stimmungsschwankungen umgeht.

Und jedes Mal fühle ich mich aufs Neue ausgeschlossen. Als würde es einen geheimen Kreis geben, zu dem alle gehören, die einmal im Monat Blut in ihrer Hose vorfinden. Und ich werde ausgeschossen aus diesem Kreis. Fast, als befände ich mich wieder in der Schule, wo bestimmte Personen wahllos aus dem Kreise der Coolen ausgeschlossen werden.

Besonders schmerzhaft sind jene Aussagen, die behaupten, jede Frau würde ihre Periode bekommen. Jedes Mal, wenn ich diese zu hören bekomme fühle ich mich mehr und mehr entfraut. Ich bin mir sicher, dass niemand diese Aussagen böse meint und dass sie sehr viel damit zu tun haben, wie wir von klein auf sozialisiert werden und mit welchen Geschlechterrollen wir aufwachsen.

Also ihr fabelhaften, einmal im Monat blutenden Menschen: Seid dankbar dafür! Es zeigt euch, dass euer Körper so funktioniert, wie er funktionieren soll, dass ihr in der Lage seid, kleinen Menschen das Leben zu schenken.

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Text und Beitragsbild von Lisa.
Sie ist 22 Jahre alt und studiert im 3. Semester Kommunikationswissenschaft. Zu ihren größten Hobbys zählen Feminismus, Kochen und Sport.

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