Du & Ich
Schreibe einen Kommentar

Wir wählten die Gemeinsamkeit

Liebe Luka, am Morgen, ohne Luft zu holen, habe ich diese Worte für dich aufgeschrieben und dir in diesem Brief zugesandt. Ohne Zusätze, ohne Abstriche, ohne Korrektur.

Hallo, ich bin Karin, eine ältere Frau. Wenn ihr mögt, lest ein paar Zeilen von mir über mein Leben. Genau gesagt, bin ich 80 Jahre alt. Vor ein paar Wochen feierten mein Mann und ich die Diamantene Hochzeit – so bezeichnet man den 60. Hochzeitstag.

Gleich zu Beginn unseres gemeinsamen Lebens wurden unsere Kinder geboren, und von ersten Zähnen, über ihre Rebellionen gegen uns in der Pubertät, von ihrem Liebeskummer und bis zu ihrer Heirat hatten wir eine lebendige Zeit.

Mein Mann und ich waren nicht immer einer Meinung, sie unterschied sich sogar ziemlich oft von einander – er war streng, ich eher nachgiebig. Doch uns einte unsere gemeinsame Aufgabe, die wir sehr verantwortungsbewusst wahrnahmen – den Kindern ein Zuhause und damit Halt zu geben. Das gab auch uns Halt.

Und doch gab es Zeiten großer Entfremdungen. Als die Söhne erwachsen waren, stand die Frage im Raum, wie wir unsere weitere Zukunft gestalten sollten.

Wir wählten die Gemeinsamkeit, das Verbindende, denn es wurde uns klar, dass wir unser Leben mit einem jeweils wertvollen Menschen verbunden hatten: Es war ein Prozess, in den wir viel Lebenskraft investiert hatten. Und jetzt begrüßen wir jeden neuen Morgen in inniger Freude aneinander. Diese Freude am Leben, an den Menschen, die um euch sind und zu euch gehören, wünschen wir euch von Herzen.

K, Januar 2019.


Karin ist eine tolle und inspirierende Frau, vor der ich den größten Respekt habe. Vor einigen Wochen bat ich sie, mir ein wenig aus ihrem Leben zu erzählen. Ich wollte wissen, wie sie und ihr Mann es schaffen, nach so einer langen Zeit der Ehe und Zweisamkeit, noch so glücklich zu sein. Ich nehme mir ein Beispiel an ihr, wo doch in unserer schnelllebigen Zeit alles so leicht zu zerbrechen scheint.

Nachdem sie mir diesen Brief zugesandt hatte, unterhielten wir uns bei einem Treffen noch ein wenig. Sie sagte mir, dass das Leben und so auch die Liebe wie ein großes Puzzle sei – es gäbe nicht nur schwarze und weiße Teile, sondern die gesamte Bandbreite der Farben verteile sich über das Leben von jedem von uns und macht uns zu dem, was wir heute sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.