Hier & Jetzt
Kommentare 1

Mir geht es nicht darum, den Unterricht zu verpassen

Freitags gehe ich die Schule bestreiken, um Druck auf die Politik auszuüben und, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Jedoch habe ich leider nicht das Gefühl, als Teil der Bewegung Fridaysforfuture ernstgenommen zu werden! Wir als Schüler*innen werden ständig von Lehrern*innen, Politikern*innen oder anderen Erwachsenen darauf beschränkt, dass wir nur zu den Freitagsdemonstrationen gehen, weil wir die Schule schwänzen wollen, oder weil es ein Trend ist, der sich unter dem Hashtag #fridaysforfuture wie eine Massenhysterie verbreitet hat.

Ich finde es eigentlich enttäuschend, dass uns von all diesen Menschen nicht zugetraut wird, dass wir uns wirklich mit dem Klimawandel und dessen Folgen auseinander setzten. Die Aufforderung, wenn ich wirklich etwas gegen den Klimawandel machen wolle, solle ich aufhören, mit dem Flugzeug zu fliegen, bekam ich immer wieder zu hören, als ich Menschen davon erzählte, dass ich Freitags die Schule für eine bessere Klimapolitik bestreike. Jedes Mal hat es mich frustriert, dass diese Aussage so oberflächlich und vor allem voreilig über mich getroffen wurde. Die Menschen wussten doch gar nicht, wie ökologisch ich lebe oder wie intensiv ich mich mit dem Klimawandel beschäftige. Jeden Freitag, den ich nicht in die Schule gehe, sondern streiken, geht es mir nicht darum, den Unterricht zu verpassen. Der Streik wird lediglich als ein Mittel genutzt, um als Bewegung mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und um Druck auf die Politik auszuüben. Denn das ist ja eigentlich immer die Idee eines Streiks. 

Viele Menschen wissen gar nicht, wie viel Organisation hinter der Bewegung steckt. Es finden jede Woche zusätzlich zu den Streiks Workshops und Treffen statt, in denen geplant und auch über die Klimapolitik diskutiert wird. 

Und auch sonst wird sich doch immer über eine so unpolitische Jugend beschwert. E voilà – jetzt kommen jeden Freitag junge Leute zusammen, die politisch etwas verändern wollen. 

Die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg hat mit Sicherheit den Anstoß für viele Jugendliche gegeben, sich mit der Klimapolitik auseinanderzusetzen, aber ein Anstoß braucht jede Bewegung. Viele haben durch Greta vielleicht auch erst realisiert, wie ernst das Thema ist, aber auch das ist ja nicht schlecht! Wir haben uns mit dem Thema auseinandergesetzt, wir haben uns angeschaut, was es bedeutet, wenn der Kohleausstieg erst 2038 stattfindet und wir sind uns auch durchaus über die Folgen des Kohleausstiegs bewusst. 

Ich wünsche mir, dass die Menschen, bevor sie über fridaysforfuture urteilen, erst einmal zu einem Streik kommen und sich mit den Schülern*innen über die Beweggründen unterhalten. Und hoffentlich wird auch ihnen dann ganz schnell klar werden, dass wir das nicht aus Spaß machen, weil wir es besser finden, Stunden in der Kälte vor dem Bundeswirtschaftsministerium zu stehen, als in der Schule zu sitzen, sondern weil es uns ein ernstzunehmendes Anliegen ist.  

Der Text ist von Mia. Mia ist 16 Jahre alt und lebt in Berlin. Sie setzt sich aktiv für eine bessere Klimapoltik ein, weil sie die Zukunft der Erde ernsthaft durch den Klimawandel bedroht sieht.  Sie antwortet damit auf Dominiks Text “Wer hat Angst vor Greta Thunberg?”.

Die Bewegung Schulstreik fürs Klima, in vielen Ländern unter dem Namen Fridays for Future und in der Schweiz als Klimastreik bekannt, ist eine globale Schüler- und Studenteninitiative, die sich für den Klimaschutz einsetzt.

1 Kommentare

  1. Anna sagt

    Ich habe mich erst durch diesen Artikel dazu “aufraffen” können, mich genauer über die fridaysforfuture Aktionen zu informieren und das Engagement der Streikenden hat mich so gefesselt, dass ich sofort herausfinden musste, wann die nächste Aktion in meiner Umgebung stattfindet. Ich habe meine Freunde direkt mobilisieren können und wir werden am großen Streiktag, dem 15. März, für eine Änderung der Klimapolitik mitkämpfen.
    Danke für deinen schönen Artikel, hier geht es wirklich mehr als nur um einen Trend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.