Gastgedanken, Inspiration
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Die verdrehen, was ich bin

“I am not what I think I am, and I am not what you think I am. I am what I think you think I am.“

Charles Horton Cooley

I.

Als ich dich das erste Mal traf und als du da so saßt, habe ich keine schwitzigen Hände bekommen. Meine Herzfrequenz blieb konstant. Was danach lustig war weil ich zitterte jedes Mal sobald ich dich wieder sah. Aber damals, in diesem Moment, war ich ein unbeschriebenes Blatt Papier. Und ich fühlte mich ausgeglichen als ich in deine Augen sah und du mir Geschichten aus meinem liebsten, noch nicht gehörten Märchenbuch erzählt hast. Ich sage nicht, andere Nächte waren nicht auch voller Momente – aber diese war unkompliziert.

Nur lag ich zu oft nachts wach und hoffte, dass du es tust. Und selbst eine Nachricht zu tippen fiel mir schwer.

Vielleicht hätte ich dir auch ganz klassisch einen Brief schreiben können. Nur wusst’ ich nicht, wie.
Mit immateriellen Wörtern war in vielen Schriftzügen und Farben mein Blatt bereits voll: Von dem was du und ich – was alle – dachten. Dass das Ich in ihren Augen und das Ich das ich war, manchmal gar nicht mehr ich war. Und du durftest mich entschlüsseln, während ich mich fragte, was du liest.

II.

Meine Zunge verdreht jeden Satz. Keiner lacht. Ich kann auch nicht über alles lachen. Ich liebe Fakten und wüsste gerne, was man wirklich denkt. Es heißt, dass man ist, wer man glaubt, dass sie denken, wer man ist. Ich war auch ein Hypokrit. Weil ich die Magie der Scheinwerfer schätzte, obwohl sie blenden und ich versuchte oft, einzublenden.
Doch meine Zunge juckt.

Nur der Gedanke von Angst, in unseren Köpfen, verdreht uns zu stets über uns schwebenden, niemals stehenden Geschöpfen. Und während wir uns in der Schwebe von oben betrachten, weinen wir. Warum lassen wir uns nicht selber los? Und dann endlich wieder den Boden berühren; Wir spielten im Dreck als wir noch Kinder waren und wir spielten mit Ballons die wir in den Himmel frei gaben. Erinnere dich. Dass du an Zauber glaubtest. Wir müssen nicht alles verstehen. Denn wenn wir auf den Boden brechen können sie uns nichts anhaben. Dann auch nicht, wenn ich ein Loch in den Himmel schlage. Weil man mich auf die Entfernung durch ihre getönten Brillen nicht mehr sieht.

Fürchte dich nicht vor Zwischenräumen. Wir fällen Entscheidungen aber manche werden auch für uns gefällt. Flüsse fließen nie aufwärts. Deshalb falteten wir kleine Schiffe aus Papier die wir auf das Wasser setzten. Heute spielen wir mit Münzen. Die schwimmen nicht.

III.

Ich sagte, dass ich nicht weiß, wer ich bin und ich es so nie sein kann. Eigentlich fehl’ ich mir selber nicht. Was mir fehlt, ist die Courage, zu potenzieren, was schon längst unendlich ist; Mit anderen Worten: zu tanzen.

Und ja, manchmal driften die Gedanken ab. Nicht so, aber so soll ich – aber genau hier wollt ich – einmal sein!

Und auch wenn alles, was man durch mein Fenster sieht ein Mädchen ist das mit sich tanzt. Ist das Magie.

“So I guess I’ll go home
Into the arms of the girl that I love
The only love I haven’t screwed up
She’s so hard to please
But she’s a forest fire
I do my best to meet her demands
Play at romance, we slow dance
In the living room, but all that a stranger would see
Is one girl swaying alone
Stroking her cheek“

Lorde, Liability


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Gastgedanken von Esther. In 19 Jahren hat sie gelernt, dass es auf und ab und darum geht während dem auf und ab sich mehr als ab und an glücklich zu fühlen. 

Bearbeitung und Beitragsbild von Imina.

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