Gastgedanken, Selbst & Inszenierung
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Make-Up und Männlichkeit

Um meine Rötungen und Unreinheiten zu überdecken, nutze ich lediglich deckendes Puder und eventuell mal ein bisschen Concealer, um Augenringe zu kaschieren und etwas frischer auszusehen – wenn es auf eine Party geht, darf es auch mal eine Foundation sein, schließlich will ich auch am Ende einer langen Nacht noch gut aussehen.
Ich lege viel Wert darauf, dass ich trotzdem natürlich aussehe und das mein Make-Up möglichst unauffällig aussieht.

Ich war knapp 16, als ich mir meinen ersten eigenen Concealer gekauft habe, nachdem ich Ewigkeiten den meiner Schwester mitbenutzt habe. An der Kasse der Dorfdrogerie war mir das damals noch unangenehm: Ein Junge, der Make-Up kauft, wie mich wohl gleich die Kassiererin anschaut?

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wird mir bewusst, wie „normal“ das Ganze für mich geworden ist, wie es zu meinem Alltag gehört und wie selbstverständlich mein Umfeld damit umgeht.
Das klingt als würde ich über ein „Coming Out“ reden, dabei geht es nur um farbige Masse auf der Haut. Aber seien wir mal ehrlich: Warum sollte einen diese gefärbte Masse auf der Haut oder ein ebenmäßigeres Hautbild weniger männlich sein lassen?
Vielen Leuten würde wahrscheinlich gar nicht auffallen, dass ich Make-Up trage. Doch wenn sie es wüssten, würde ich gleich in einer Schublade stecken. Ich verstehe nicht, warum Make-Up bei Frauen fast erzwungen wird, bei Drags gefeiert wird und an Männern verhasst ist. Wohin verschwindet denn meine Männlichkeit, wenn ich Make-Up auf meine Haut auftrage?

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Text von Heiner.
Bilder von Luka.
Bearbeitung von Imina.

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