Jahr: 2019

Wie bin ich so unfassbar unglücklich geworden?

Ich kann den Hergang meiner jetzigen Gefühlslage gar nicht mal mehr richtig skizzieren. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, ich kann nicht absehen, ob es irgendwann aufhört. Seit einer Weile bin ich nicht mehr der glückliche Mensch, der ich noch vor einer Weile war. Und: Tiefs hatte ich schon viele im Leben. Aber noch keins war so andauernd und so auslaugend, wie dieses hier. Ich mache den Stress dafür verantwortlich. Den Stress von allen Seiten und dem Fakt, dass ich das ganze Jahr noch keinen Urlaub hatte. Immer gibt es etwas, immer mach ich etwas, nie schalte ich ab. Mich stressen Dinge, die ich liebe und Dinge, die ich nicht liebe. Und egal, wie viele To-Do’s ich abarbeite, es werden nicht weniger. Immer folgt darauf etwas. Gleichzeitig kann ich eigentlich Erfolge feiern, mit allem, was ich mache. Alles läuft richtig gut. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass Erfolg nur bis zu einem gewissen Punkt zur Glücklichkeit beisteuert. Es kommt ganz darauf an, was Du eben für diesen Erfolg, vielleicht auch für das Geld, was …

Wieso weshalb warum? – Europawahl

Wer in der letzten Zeit nur halbwegs mit geöffneten Augen durch seine Umwelt läuft, der wird wohl kaum um das Thema Europawahl herumkommen. An jeder Ecke und an jedem Laternenpfahl lachen uns wieder teils fremde, aber auch altbekannte Gesichter der verschiedenen Parteien an, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Was auf unseren Plakaten steht, ist jetzt gerade wichtig für dich und deine Zukunft. Nicht nur das; in jedem Atemzug steckt momentan immer irgendwie Europa. Wer soll da noch durchblicken, ohne den Überblick zu verlieren? Was ist für mich richtig, was ist falsch? Was soll ich überhaupt mit leeren Begriffen wie EU und Europaparlament anfangen? Vor allem für Erstwähler, die sich ihr bisheriges Leben vielleicht eher vage mit (Europa)politik auseinandergesetzt haben, ist das nichts als erschlagend und überfordernd. Doch auch, wenn ihr noch nicht wählen könnt, ist es alles andere als unwichtig, im Bilde darüber zu sein, was auch für Minderjährige die Zukunft bedeutet. Dieser Text soll keine Wertungen abgeben, keine Parteien vorschlagen – nichts davon. Die Welt fordert uns immer wieder auf: geht wählen! Nur …

Meine Insel

Jetzt im Frühling kann ich es am Tag gute zwanzig Minuten oder sogar eine Dreiviertelstunde genießen, nur so dazusitzen. Die Füße auf dem Geländer abgelegt, auch wenn es an den Knöcheln immer ein bisschen weh tut. Ich leg’ meinen Kopf in den Nacken und halte mein Gesicht in die Sonne. Das lieb ich. Nur dieses Gefühl, wenn ich gar nicht viel nachdenken muss. Ok wow,  kitschiger geht’s auch nicht mehr. Ich lieb’ meinen kleinen Balkon. Mit der Magarite auf dem Tisch und dem Lavendeltopf an der Wand. Beide hab ich im Baumarkt gekauft und mit der Straßenbahn nach Hause zu transportiert. Diese Aktion endete mit den beiden Pflanzen auf dem Balkon und mir schwitzig und genervt von den ganzen Menschen und der Straßenbahn und der ganzen Stadt in meinem Zimmer.Alles in allem also erfolgreicher als andere Tage. Am liebsten sitz’ ich hier draußen, wenn ich die Wohnung für mich hab. Am liebsten bin ich eigentlich allein. Jemand sagt immer, ich verkriech’ mich in meiner wohligen Höhle oder in meinem Nest. Vielleicht stimmt das auch, aber …

Macht unsere Welt nicht kaputt – Europawahl

Stell dir vor, wie du wegzoomst. Immer weiter weg von dir selber, als würdest du dich selbst in den Aufnahmen einer Drohne sehen. Zuerst siehst du deine Straße. Zwei Männer laufen Hand in Hand um die Ecke vorne an der Kreuzung. Du zoomst weiter. Ein paar Blocks weiter freut sich ein Mann über seinen Kontostand, endlich bekommt er Geld vom Staat, weil er im Moment aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. In einem anderen Stadtteil wird demonstriert. Jeder darf sagen, was er zu sagen hat. Auf einem Plakat steht, macht unsere Welt nicht kaputt. Du zoomst weiter weg. Du zoomst über die Grenzen deines Landes hinweg. Da werden zwei schwule Männer in Italien diskriminiert, weil sie ihre Lebenspartnerschaft nicht eintragen lassen dürfen. In Griechenland kämpft eine alleinerziehende Mutter ständig gegen die Armut. Sie wünscht sich, dass ihre Kinder ein Teil der Gesellschaft werden können, dass sie dazugehören können. Dein Blick schweift über Ungarn, wo unter den wachenden Augen Viktor Orbans alle Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Du zoomst hin und her, du siehst weinende …

Samstagabend-Einsamkeit

Es ist 19.00 Uhr an einem Samstagabend. Ein durchgeplanter Self-Care-Day. Ich habe mein Handy ausgeschaltet. Zum Einen, weil der Akku wie immer leer ist, zum Anderen um so wenig toxische Einflüsse über Social Media zu bekommen und Zeit für mich selbst zu haben. Dieser Abend soll nämlich perfekt werden. Ich mache ein wenig Yoga, tanze zu „Cool“ von Ilgen Nur und koche mir die leckerste vegane Bowl, die es gibt. Ich bin richtig glücklich und ich merke, wie meine Energie, die ich über die Woche verloren hatte, wieder aufkeimt. Es gibt schon einen Grund, weshalb man sich um sich selbst kümmern muss. Weshalb wir alle, wie kleine Blumen hin und wieder auch mal gegossen und gedüngert werden müssen.  Doch, wie das kleine nervige Preisschild an einer neuen Bluse, kratzt und pikt mich etwas. Ein unangenehmes, beunruhigendes Gefühl, das mit Verlauf des Abends immer mehr von mir einnimmt. Es pocht und verfolgt mich, bis ich es nicht mehr ignorieren kann.  Einsamkeit Dann ist es auf einmal 0:30 Uhr. Doch das Handy angeschaltet. Man könnte ja was …

Wenn weniger mehr ist

In einer Gesellschaft wie der heutigen, ist es ein Leichtes, sich in Perfektion zu verlieren. Wie oft verpasste ich eine Party und lernte stattdessen die halbe Nacht panisch durch. Ernährte mich von Kaffee, um noch 20 Seiten mehr in meinem Gedächtnis auf der Abruftaste zu speichern und den Inhalt nach der Klausur sofort wieder zu vergessen. Oder wie oft scrollte ich durch meinen Instagram-Account, auf der Suche nach noch mehr Perfektion. Es müssen unzählige Stunden gewesen sein. Ich habe schon als Kind dazu geneigt, mich mit anderen zu vergleichen. Verspürte diesen bitteren Stich in der Brust, wenn eine meiner Freundinnen Klassenbeste wurde. Nicht, dass ich ihr nicht gegönnt hätte, in gewisser Weise freute ich mich jedes Mal für sie und verspürte dennoch zeitgleich diesen Stich. Als ich älter wurde, waren gute Noten meine Sucht. Denn hatte ich Erfolg in der Schule, war da dieser anerkennende Blick meiner Lehrer, der Stolz meiner Eltern und dieses Gefühl, das mich so voll und ganz ausfüllte. Das Gefühl, das man nur dann verspürt, wenn man unendlich viel Arbeit und …

Wie viel bemutterst du?

Zum gestrigen Muttertag haben wir uns damit beschäftigt, wie sehr das Mutter-sein, bemuttern oder bemuttert werden wollen eigentlich in uns steckt. Wie sieht das bei Euch aus? Stört es euch, oder macht es Euch nichts aus? Habt ihr Euch schon mal damit befasst, wo das eigentlich herkommen könnte? Luka Ich bin sehr darauf bedacht, in Harmonie mit den Menschen zu leben, die ich liebe und die mich lieben. Ich mag es überhaupt nicht, nahestehende Menschen zu verletzen und würde vieles dafür tun, dies zu vermeiden. Deshalb stelle ich meine eigenen Bedürfnisse und Erwartungen oft in den Hintergrund, verstelle mich oder erzähle nicht immer alles und das bloß, um anderen Menschen damit einen Gefallen zu tun. Natürlich ist das nicht wirklich schön, jedoch lässt es mich leichter leben, als immerzu nur an mich zu denken. In einem gewissen Grad ist das vermutlich auch normal, aber irgendwann auch nicht mehr. Und dass ich meinen Mitmenschen damit gar nicht so einen großen Gefallen tue, ist mir erst neulich aufgefallen. Was ich bloß gut meine, kann bei den anderen …

How to: Kunsthochschule

Was an Universitäten und Hochschulen der Numerus Clausus ist, ist an der Kunsthochschule die Mappe. So müssen alle, die an einer Kunsthochschule studieren wollen, vorab eine kleine oder manchmal auch ganz schön große Hürde überwinden und ein eigenes Portfolio erarbeiten. Manche Kunsthochschulen fordern zusätzlich noch eine Hausaufgabe. Manchmal ist die Bewerbungsmappe auch nur der erste Schritt; oft folgt darauf noch eine Eignungsprüfung oder ein Gespräch. Trotzdem ist die Abgabe der Mappe der erste und wichtigste Schritt auf deinem Weg in die Kunsthochschule. Da es bei den künstlerischen Studiengängen oft wesentlich mehr Bewerber*innen als Studienplätze gibt, kommt der Bewerbungsmappe eine entscheidende Bedeutung zu. Du präsentierst dich, deine kreative Arbeit, deine künstlerische Eignung und vor allem wird klar, ob du wirklich Bock auf so ein Studium hast, oder nicht. Wir können mit diesem Post weder versprechen, dass ihr mit eurer Mappe auf jeden Fall in dem gewünschten Studiengang angenommen werdet, noch können wir sagen, wann eine Mappe wirklich gut ist. Jedoch haben wir, Imina und Luka, in den letzten zwei Jahren einige erfolgreiche Mappen angefertigt und viel …

Eine Dosis geballter Stress

Ich muss. Ich muss Dies und ich muss Das. Ich muss können. Ich muss sein. Ich muss dir zeigen, dass ich das kann. Ich muss Das schaffen. Im Chaos meines Kopfes bin ich in Muss-Sätzen gefangen. Und dann fange ich an. Ich lese Texte, schreibe Protokolle und gehe Folien von Vorlesungen durch. Ich tue das so lang, bis mein Kopf vibriert, bis die Buchstaben auf dem Bildschirm verschwimmen, bis ich keine Luft mehr bekomme. Ich muss doch eigentlich weiter machen. Ich stehe auf, laufe leicht benommen durch den Raum. Leg mich kurz aufs Bett. Ich muss atmen. Ich muss runterfahren. Ich weine. In dem ganzen Chaos meines Kopfes vergesse ich, was mich glücklich macht. Und ganz rational gedacht, muss ich das alles gar nicht tun, woher kommt nur dieser Druck? Woher kommt dieses Gefühl, dass ich das alles nicht schaff, wenn ich nicht die ganze Zeit mach. Jetzt bin ich drauf. Das hier ist ein Rausch. Die Dosis geballter Stress katapultiert mich auf eine Fahrbahn, auf der ich beschleunige und immer schneller fahre. Ich muss …

Sex: Fantasie und Realität

Unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben machen Sex immer wieder zu einem spannenden und vor allem ganz eigenen Erlebnis. Es ist nie gleich, aber immer irgendwie besonders und intim. Und das ist toll! Trotzdem haben wir alle dieses eine Bild von dem perfektem Liebesakt im Kopf. Kerzen, schöne Unterwäsche, elegante Bewegungen, keine Pannen.  Worüber jedoch kaum jemand spricht, ist, dass dieses Klischeebild kaum erfüllt wird. Die eigene Phantasie vom Geschlechtsverkehr sieht nunmal ganz anders aus als die Realität. Und das ist auch gar nicht schlimm. Wie langweilig wäre es denn, wenn jeder Sex immerzu gleich verlaufen würde?  Schuld an diesem Bild in unseren Köpfen unter anderem ist die Pornoindustrie. Wo vor ein paar Jahren der Fantasie keine Grenzen gesetzt worden sind, kann man sich heute unzählige kleine Filmchen im Internet anschauen, in denen es immer wieder gleich (und gleich schnell) abläuft. Heterosexueller Mann, eine Frau, die all seine Bedürfnisse befriedigt, immer alles super gut kann, lautes Stöhnen, keine Fehler, kein Schweiß, immerzu die gleichen Stellungen. Doch ein Glück gibt es da noch so viel mehr, was …