Jahr: 2019

Tabuthema? Stay safe!

Im heutigen Beitrag soll es um eine ganz bestimmte Sache gehen, mit der sich viel zu wenig beschäftigt wird und über die selbst lesbische/bisexuelle Frauen nicht unbedingt (genug) Bescheid wissen: Verhütung! Denn ja, auch wenn das HIV-Risiko niedrig ist, könnt ihr euch mit Hepatitis, Herpes (beides schon übrigens allein durch Küsse!), Tripper, Pilze und bakterielle Vaginose infizieren. Aber kein Grund zur Sorge, denn wenn ihr euch vorher genügend informiert und schützt, sind eurem Liebesleben keine Grenze gesetzt. Kleiner Disclaimer: Wir sprechen hier nur über den Sex zwischen zwei Frauen*. Natürlich gilt all das auch für die, die sich nicht als Frau definieren, aber über weibliche Geschlechtsteile verfügen. Genauso wie heterosexuellen Paare, die Oralverkehr betreiben! Das Wichtigste: Sprecht miteinander & klärt die Fronten. Seid vor allem ehrlich zueinander. Wenn sich nicht ausschließen lässt, dass eine von euch beiden eine sexuell übertragbare Krankheit hat, gilt als erstes: Lasst euch testen! Das ist nicht peinlich, sondern ganz wichtig. Beim Oralverkehr können Scheidensekrete oder Menstruationsblut den HIV-Virus enthalten & über den Speichel übertragen werden. Während der Menstruation schützt ihr euch vor …

Wenn die Eltern altern

Nora Meine Eltern sind schon über 25 Jahre verheiratet. Sie haben alles miteinander er- und durchlebt. Sind durch Dick und Dünn gegangen. Meine Eltern haben die Hälfte ihres Lebens bereits hinter sich. Sie werden nicht mehr genau so viele Jahre leben, wie sie es schon getan haben. Das erfüllt mich mit einem Gefühl, was ich gar nicht richtig beschreiben kann, aber es ist kein schönes Gefühl. Kann es überhaupt ein Leben ohne meine Eltern geben? Oder zuerst: ein Leben, in dem meine Eltern nicht mehr den Garten pflegen können? Sich Essen kochen können? Allein aufs Klo gehen können? Ich möchte nicht daran denken, dass es ihnen irgendwann nicht mehr so gut gehen könnte – vor allem gesundheitlich – wie jetzt. Ich habe sie immer für den Fels in der Brandung angesehen. Für die Menschen, die da immer im Hintergrund sein werden. Aber ich merke mehr und mehr: darauf kann ich mich nicht mehr ausruhen. Und sie – ich darf sie nicht so an mir vorbeileben lassen. Sollte mehr in sie investieren, mehr tun. Aber vor …

Tinder, Casual Sex & die echte Liebe

Vor einigen Tagen bekam ich die Frage „Hast du Tinder?“ von niemand geringerem als meinem Vater gestellt. Als ich leise bejahte, schickte er mir direkt einen in furchtbarer Qualität abfotografierten Artikel aus irgendeinem Magazin, welches vermutlich am Flughafen oder in der Bahn kostenlos herumlag, mit den Worten „Lies doch mal“. Anhand des Titels „Wie wir vor lauter Casual Sex die echte Liebe verlernen“, konnte ich schon vermuten was auf mich zu kam, aber – na gut, seinen Wunsch wollte ich ihm trotzdem erfüllen. Mit der Einstellung, irgendein schlecht bezahlter Ü50-Journalist, der gerade eine weitere Ehekrise durchlebt und den Text in Wut auf die heutige unabhängige Jugend zusammengeschustert hatte, habe ich also angefangen, zu lesen.Relativ schnell musste ich dann doch stocken: Fragen wie „Macht eine monogame Liebe in diesen unsteten Zeiten noch Sinn?“ oder „Mein wievieltes Tinder-Date war das eigentlich diese Woche?“ wurden aufgeworfen. Leugnen, dass ich mir beide Fragen bereits das ein oder andere Mal, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung, gestellt habe, werde ich nicht. Der Artikel wurde fortgesetzt, indem gemutmaßt wird, dass heutzutage zu …

Bitte wirf deine Kippe nicht auf den Boden – LG die Umwelt

Dass Rauchen schädlich für unsere Gesundheit ist, ist uns allen wohl bekannt. Trotzdem sind wir jung und dumm und es gibt diese Momente im Leben, an denen uns das einfach scheißegal ist. Sei es auf der Party, auf der du gefragt wirst, ob du dir auch eine Kippe drehen willst und du einfach nicht Nein sagen kannst. Oder weil du an einer Kunsthochschule studierst. Oder weil du in Berlin lebst.  Du musst für dich selbst entscheiden, ob du rauchen möchtest, oder nicht. Die Entscheidung kann dir keiner abnehmen. Wenn du dich jedoch dazu entscheidest, dass dir die gesundheitlichen Auswirkungen total egal sind und du nicht widerstehen zu kannst, dir beim nächsten Kiosk dein neues Drehzeug zu kaufen, dann sei bitte so lieb und achte trotzdem weiterhin auf die Umwelt.  Die kann nämlich nicht für sich selbst entscheiden und würde vermutlich alles dafür tun, nicht weiterhin so zu verdrecken. Und wenn sie das könnte, würde sie dich anflehen und darum bitten, nicht weiter deine Kippenstummel unbeachtet auf die Erde zu schmeißen.  Nach dem Anzünden, mit dem …

Eine Ode an Klokabinen

… und damit meine ich nicht die Toilette, dieses stuhlähnliche Etwas an sich. Nein, ich meine diese kleine oder auch mal größere Kabine, diesen einen Raum, in dem man mal kurz für sich sein kann. Oder auch länger. Ich hatte in meinem Leben beides: das kurze Luftholen während zwei Türen weiter gerade 2x-4y gerechnet wurde. Und das Pausenbrotkrümel auf dem Boden verteilen, während man draußen das gemeinschaftliche Lachen der anderen, der, denen man entfliehen möchte, hört. Immer war mir das Klo ein Ort zum Luft holen. Das stille Örtchen war genau dieses für mich: Ein Platz für meine Gedanken, ohne den ganzen Trubel und die Lautstärke der anderen Menschen. In der Klokabine konnte ich irgendwie … ich sein. Mal durchatmen. Mich wieder richten. Innerlich und äußerlich. Und loslassen. Weinen, schluchzen, schlafen auch. Die Fassade konnte bröckeln. Kann. An meiner Liebe für diesen Ort hat sich nichts geändert. Über die Jahre ist sie sogar gewachsen und hat noch eine ganz andere Wichtigkeit angenommen: Klokabinen sind auch ein Ort für Austausch – je nachdem, wo du bist. …

Warum ihr für Eure Periode dankbar sein solltet

,,Oh wie entspannt es wäre, nicht jeden Monat meine Periode zu bekommen!’’ – Wie oft habe ich mir diesen Satz schon von Freundinnen anhören müssen. Und jedes Mal versetzt er mir einen kleinen Stich ins Herz. Ich bin 22 Jahre alt und hatte in meinem gesamten Leben nur zwei Mal meine Periode. Zu Beginn war auch ich froh darüber, denn, wenn wir alle ehrlich sind, ist es nicht immer angenehm, was da jeden Monat passiert. Doch je mehr ich mich mit den Folgen der so genanten Amenorrhö (Ausbleiben bzw. Fehlen der Menstruation) befasste, desto mehr wich die anfängliche Freude der Besorgnis. Vor allem die Angst, in 10 Jahren unter einer so starken Osteoporose (wenn die Knochendichte einen bestimmten Wert unterschreitet) zu leiden, dass ich auf meinem geliebten Sport verzichten müsste.Die Amenorrhö ist keine Krankheit sondern ein Symptom für eine große Zahl an verschiedenen Grunderkrankungen oder Lebensbedingungen. Hierzu zählen etwa Anorexie, traumatisierende Ereignisse oder eine hochgradige Stressbelastung. Durch eine starke Stressbelastung tritt ein Ausbleiben der Monatsblutung auch oft bei Leistungssporter*innen auf. Für mich begann eine Zeit …

weiterbalancieren

05.01.2019 Ich sitze im Auto, bin auf dem Weg zu meiner Oma. Besuche zuhause fallen mir schwer, weil ich mich mit diesem leeren Platz am Abendbrot-Tisch oder auf der Couch beim Tatort gucken konfrontiert sehe. Weil an jeder Ecke Erinnerungen warten, mit denen ich nicht immer umgehen kann.  Das Radio läuft und auf einmal kommt „I’m Goin’ Down“ von Bruce Springsteen. Sofort ist da der Kloß im Hals, den ich so oft zu vermeiden versuche. Sofort füllen sich meine Augen mit Tränen und ich muss rechts ranfahren. Ich erinnere mich schlagartig an die Sonntagnachmittage im Sommer, an denen mein Vater mich gefragt hat: „Hast du Lust, ein bisschen wegzufahren? Ich kenne einen Ort, den ich dir zeigen will.“ Dann hatte er meistens schon seine Kamera unter dem Arm, ich habe mir mein Notizbuch und ein paar Stifte geschnappt, und wir sind losgefahren. Mit offenen Fenstern und einer Zusammenstellung seiner Lieblingssongs auf einer SD-Karte sind wir über die Landstraßen gefahren. Ich habe laut mitgesungen und er hat den Beat auf das Lenkrad getrommelt. Wenn ich gesagt …

Wir wählten die Gemeinsamkeit

Liebe Luka, am Morgen, ohne Luft zu holen, habe ich diese Worte für dich aufgeschrieben und dir in diesem Brief zugesandt. Ohne Zusätze, ohne Abstriche, ohne Korrektur. Hallo, ich bin Karin, eine ältere Frau. Wenn ihr mögt, lest ein paar Zeilen von mir über mein Leben. Genau gesagt, bin ich 80 Jahre alt. Vor ein paar Wochen feierten mein Mann und ich die Diamantene Hochzeit – so bezeichnet man den 60. Hochzeitstag. Gleich zu Beginn unseres gemeinsamen Lebens wurden unsere Kinder geboren, und von ersten Zähnen, über ihre Rebellionen gegen uns in der Pubertät, von ihrem Liebeskummer und bis zu ihrer Heirat hatten wir eine lebendige Zeit. Mein Mann und ich waren nicht immer einer Meinung, sie unterschied sich sogar ziemlich oft von einander – er war streng, ich eher nachgiebig. Doch uns einte unsere gemeinsame Aufgabe, die wir sehr verantwortungsbewusst wahrnahmen – den Kindern ein Zuhause und damit Halt zu geben. Das gab auch uns Halt. Und doch gab es Zeiten großer Entfremdungen. Als die Söhne erwachsen waren, stand die Frage im Raum, wie …

Ich habe Angst

Wäre alles planmäßig gelaufen, würde ich jetzt mitten in meinem Auslandsjahr an einer Universität am anderen Ende der Welt stecken. Nichts lief planmäßig. Von heute auf morgen ging nichts mehr. Zum so und so vielsten Mal, ich hab irgendwann aufgehört zu zählen. Ich bin 27 und habe seit 10 Jahren Angst. Angst das Haus zu verlassen, Straßen zu überqueren, in Menschenmengen, große Plätze zu überqueren, Angst in Ohnmacht zu fallen, die Kontrolle zu verlieren und von anderen verurteilt zu werden. Angst, es nicht hinzubekommen, nicht auszureichen, im Leben, in der Liebe, einfach so im Ichsein. Den letzten besonders langen und besonders warmen Sommer habe ich in einer Klinik verbracht, zum ersten Mal. Eine tiefenpsychologische Therapie, in der ich die Angst verlieren und mich selbst wiederfinden wollte. Ich fand liebe Menschen, die mich mochten, obwohl ich dort unbeschönigt Ich war, mit all meinen Ängsten und Schwächen, alles auspackte, ständig weinte. Ich fragte mich wochenlang, wie das sein konnte, weil ich es hasste, dieses ängstliche und schwache Ich, fragte mich bis zum letzten Tag, wie ich trotz …

Mir geht es nicht darum, den Unterricht zu verpassen

Freitags gehe ich die Schule bestreiken, um Druck auf die Politik auszuüben und, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Jedoch habe ich leider nicht das Gefühl, als Teil der Bewegung Fridaysforfuture ernstgenommen zu werden! Wir als Schüler*innen werden ständig von Lehrern*innen, Politikern*innen oder anderen Erwachsenen darauf beschränkt, dass wir nur zu den Freitagsdemonstrationen gehen, weil wir die Schule schwänzen wollen, oder weil es ein Trend ist, der sich unter dem Hashtag #fridaysforfuture wie eine Massenhysterie verbreitet hat. Ich finde es eigentlich enttäuschend, dass uns von all diesen Menschen nicht zugetraut wird, dass wir uns wirklich mit dem Klimawandel und dessen Folgen auseinander setzten. Die Aufforderung, wenn ich wirklich etwas gegen den Klimawandel machen wolle, solle ich aufhören, mit dem Flugzeug zu fliegen, bekam ich immer wieder zu hören, als ich Menschen davon erzählte, dass ich Freitags die Schule für eine bessere Klimapolitik bestreike. Jedes Mal hat es mich frustriert, dass diese Aussage so oberflächlich und vor allem voreilig über mich getroffen wurde. Die Menschen wussten doch gar nicht, wie ökologisch ich lebe oder wie …