Jahr: 2019

Vem kan segla – der Abschied

Ich stand in der Küche, eine Pfanne mit Pfannkuchen auf dem Herd, als es klingelte. Schnell schob ich die Pfanne zur Seite und drehte die Flamme auf null, um zur Tür zu eilen, vor welcher du wartetest.  Wie immer, wenn ich dich sehe, freue ich mich. Deine dunklen Haare, deine schwarze Jacke, deine breiten Schultern. Dein strahlendes Lachen. Du riechst gut, nach Eule, nach Nächten unter Sternenhimmeln und grau weiß gemusterter Bettwäsche. Nach Freiheit, nach Sicherheit. Du nimmst mich in den Arm, und ich bin nervös, fühle mich, als würde etwas fehlen. Den Abschied von dir habe ich mir nicht einfach vorgestellt, und doch bin ich überrascht, dass ich schlucken muss, um sprechen zu können. In meinem Kopf wiederholt sich immer wieder unser aufgenommenes Lied. „Wer kann segeln ohne Wind, rudern ohne Ruder? Wer kann scheiden von einem Freund, ohne dass Tränen fließen?“ Ich will die Zeit hinauszögern, einen Tee trinken, nur einen, doch du bist eh schon zu spät und wolltest nur auf einen Sprung vorbeikommen, mich verabschieden. Ich gehe in mein Zimmer und …

Feminismus – wer hat was davon?

Ariana Grande singt “God is a woman”, unsere Kanzlerin ist eine Frau, Frauen besetzen IT-Lobare und Finanzbörsen. Immer mehr wird der Vorschein erweckt: Feminismus, das können wir. Statt Kinder, Küche, Kirche, wollen immer mehr Frauen an die Spitze – das heißt, heute wird nach “Karriere und aufsteigen” gerufen. Doch welche Frauen sind es, die wir im Fernseher sehen, die uns zeigen wollen, dass wir einen feministischen Erfolg erleben? An wen denken wir, wenn wir an Frauen denken? Und: Welche Frauen werden sichtbar gemacht, welche verdeckt? Der globalisierte Neoliberalismus erfindet seinen eigenen Feminismus und seine eigenen Feministinnen Mit dem Einschalten des Fernsehers sehen wir Frauen, die vermeintlich ganz oben stehen. Frauen, die im Reichtum leben und das politische Geschehen mitbestimmen. Aber diese Frauen sehen nicht aus wie ich; sie sind mehrheitlich weiß und gehören der aufsteigenden Mittelschicht an. Es sind diese “Alpha Frauen”, die wir sehen dürfen. Frauen, die miteinander konkurrieren und die in erster Linie erwerbstätige Konsumentinnen sein sollen. Christa Wichterich kommentierte 2007 in der taz: “Der globalisierte Neoliberalismus erfindet seinen eigenen Feminismus und seine …

Eine Ode an das Uncoolsein

Der beste Satz, den ich diese Woche gehört habe, war: „Mittlerweile finde ich es auch cool, wenn Leute einfach nicht cool sein wollen, nicht auf alle Partys gehen oder saufen oder Drogen nehmen.“ Seit Jahren habe ich damit zu kämpfen, nicht so richtig dazu zu gehören. Ich gehe nicht gern abends weg, ich trinke nicht, ich nehme weiß Gott keine Drogen. Ich bin da einfach nie reingewachsen, hatte nie das Gefühl, mich groß ausprobieren zu müssen und wenn ich’s mal versucht habe, dann waren das immer blöde Erfahrungen, die ich mir hätte sparen sollen.Das alles wäre für mich an sich kein Ding gewesen, denn auch die meisten meiner Freund*innen stehen auf all das nicht. Ich habe mich nie allein und „außenseiterisch“ gefühlt, auch gestärkt durch die ganzen Stay-at-home-tumblr-Memes. Der Spiegel Doch dann kamen meine Beziehungen. Ich habe leider den Hang dazu, mich in Menschen zu verlieben, die in vielen Dingen, aber vor allem in diesem, das komplette Gegenteil von mir sind. Und so bekomme ich immer den Spiegel vorgehalten. Sehe alles, was ich nicht bin, …

Nicht länger ein Verzicht

Grade, möchte ich mal alleine sein Mal mit mir sein Bei mir sein Und da mal verweilen, In dem Zustand, mein Herz mit niemandem zu teilen Denn manchmal, Fühlt es sich an als Würde ich sinkenUnd dabei ganz langsam ertrinken, Weil ich da bin und du nicht Und das Vertrauen in mir dann manchmal bricht Ich hab gedacht, Vielleicht änderst du mal deine Sicht Und in meinem Leben gibt es dann mehr Licht, eines Tages wach ich auf und bin dir wichtig, denn das sind Töchter ihren Vätern doch, richtig ? Aber unsere Geschichte sieht anders aus Und deinetwegen versteck ich mich in diesem Haus, In dem niemand an mich rankommen kann Irgendwo da, wo ich auch nicht versagen kann Wärst du da gewesen, Wär’ ich anders drauf Vielleicht ruhiger und bedacht, Aber du hast über mich noch so viel Macht Und ich bin rasend und so Wütend Wütend auf mich selberUnd auf so vieles um mich rum Wütend auf die WeltSo sehr, dass ich ihn ihr verstumm Ich hab gedacht, Ich hätte dich hinter …

Mutprobe? Eine Glatze schneiden

Vor etwa zwei Jahren habe ich es einfach gemacht – von einem Tag auf den anderen habe ich meine Haare komplett abgeschnitten. 4mm waren noch übrig. Nur kurz zuvor hatte sich die Idee in meinem Kopf gefangen und ich bin sie einfach nicht mehr losgeworden. Natürlich hatte ich auch Zweifel. Was ist, wenn es mir überhaupt nicht gefällt? Ist meine Kopfform überhaupt geeignet? Wie wird wohl die lange Übergangsphase? Ich habe mir viele Bilder von Frauen mit abrasierten Haaren angeschaut und fand es einfach wunderschön. Irgendwie anmutend, beeindruckend und stark. Und dann wusste ich – das will ich auch! Ich hatte bei Freunden geschlafen, wir haben morgens gemeinsam gefrühstückt und dann erzählte ich von meiner Idee. Eine Freundin von mir hat dann direkt ihre Haarschneidemaschine geholt. Wir sind ins Bad, Handtuch um den Hals, los. Noch einmal hat sie mich gefragt: “Bist du dir wirklich sicher?” Und ich war mir sicher. Aber trotzdem weiß ich nicht, ob ich es durchgezogen hätte, wäre sie nicht gewesen. Es war gut, dass sie nicht gezögert und einfach darauf …

Meine größte Angst – die Depressionen

Sie begleiten mich schon seit meiner Kindheit, seit vielen Jahren. Nicht, weil ich selbst unter ihnen leide, sondern weil es Mitglieder meiner Familie tun. Depressionen sind eine meiner größten Ängste – wie bezeichnend, dass ich mich schon als Kind extrem vor den Dementoren aus Harry Potter gegruselt habe. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass diese tatsächlich Depressionen symbolisieren sollen.  Diese Krankheit jagt mir aus verschiedenen Gründen eine Heidenangst ein. Zum Einen ist da natürlich die Angst um meine Familienmitglieder. Diese Angst ist nicht immer präsent, sondern taucht in bestimmten Situationen auf. Die Krankheit ist auch der Grund dafür, warum ich nie die Möglichkeit hatte eine bestimmte Person überhaupt kennenzulernen. Ich weiß also ganz genau, wie diese Krankheit enden kann. Die Depressionen meiner Familie sind auch der Grund, warum ich schon Angst um mich selbst hatte. Ich erinnere mich da an eine Situation, die schon viele Jahre zurückliegt, eine Autofahrt. Ich weiß noch, dass ich während dieser Autofahrt panische Angst hatte, dass wir das Ziel nie erreichen würden. Wahrscheinlich war diese Angst total unbegründet, denn …

Wieder/ Noch – Zeit/ Geschehen

Im September 2018 schrieb ich den Text über die Vorfälle in Chemnitz mit der Überschrift „Ein Versuch, Worte zu finden“. Gerade mal ein Jahr später stehe ich wieder vor diesem Versuch und es fällt mir schwerer denn je. Mittwoch, 9. Oktober, es ist später Mittag, kurz vor 13:45. Mein Koffer steht gepackt und ich will mich gerade auf den Weg zum Bahnhof machen, um wieder zurück nach Halle zu fahren, wo ich gerade dabei bin, mein Studium anzufangen. Mein Handy vibriert. Eine Nachricht aus einer Gruppe, in die ich erst wenige Tage vorher eingetreten war und in der Leute Mitglied sind, die ebenfalls dieses Semester in Halle anfangen, Kunstgeschichte zu studieren. Jemand schickt einen Screenshot; das erste was ich sehe ist ein roter Leitkegel und darunter das Wort „WARNUNG“. Ich lese weiter: „12:50, Schießerei im Stadtgebiet Halle, Wohnungen und Gebäude nicht verlassen, von Fenstern und Türen fernhalten“. Ich lese die Benachrichtigung mehrere Male durch und denke nur „Was für ein blödes Timing“. Bei dem Wort „Schießerei“ denke ich erst daran, dass es vielleicht einen Raubüberfall …

wie du nur so schön sein kannst

wie du klingstund wie du riechstund wie du michals ganzes siehst wie du sie hältstund zu ihr sagstmit deiner handnur du vermagst zu helfen ihrem atem schwerund ihr verstandsehnt sich so sehrnach dir. ihr bauch,er lernt es sich zu hebenendlich wiedersich zu regenspürt sie ihr herzdie welt bewegen und wie sie anfängt das zu fühlenwill sie nichts – sich nie mehr rührennicht zurück zu all den qualenvon den‘ sie singendie sie malen viel zu groß für ihn und sichsie kann das nicht nicht so, lasst losihr sie – ihr alleängste, los – ihr süchtigengedanken gehthinfort, wo immer ihr nur weit, weit weg – so weitvon hier dass eure rufesie nicht kriegennichts finden mehrsie zu verbiegen sie zu fesselndas ihr wisst – ihr könntzu gut.doch lasst, lasst los. sowie sie weintihr haltet festihr kleines lebenzu vergebenzu verschenkenzu vergessennichts im anblickzu ermessen das seid ihr sowie sie weintgreift deine handist da aberzu dünn die wandum schutz zu währenvor den tiefgedankenleeren sie wünscht sich doch nur eins so sehrein leben das ertragbar wär die einsamkeitsolch eine wie hiersie bringt …

Zwei Jahre TIERINDIR

Heute vor zwei Jahren ist unser erster Post online gegangen.Seitdem hat sich einiges getan. Ich bin sicher, so in etwa hat auch der Jubiläums-Post vom letzten Jahr begonnen.Seit unserer Gründung passiert einfach so unglaublich viel. Wie verrückt das eigentlich alles ist? Ziemlich! Und immer wieder sind es neue Dinge, Neues, wofür wir Verantwortung tragen, neue Ideen, neue Hindernisse. Dieses Jahr haben wir unseren Verein gegründet, haben erfolgreich (dank Euch!) ein Crowdfunding auf die Beine gestellt, Sticker und Postkarten gestaltet und gedruckt, waren auf Messen unterwegs (und haben gemerkt, dass das nichts für uns ist), haben Vorträge gehalten, uns gegenseitig besucht, das Print-Magazin besprochen, einen weiteren Podcast ins Leben gerufen und mehr als 100 Beiträge veröffentlicht. Das alles hätte ohne Euch als Lesende, Beitragende und Unterstützende natürlich nie funktioniert. Also Danke! Danke, dass ihr an unsere Vision glaubt! Da wir langsam, aber stetig wachsen, hart an unserem Print-Magazin arbeiten und noch viele andere Ideen haben, ist es Zeit, auf TIERINDIR.de neue Wege zu gehen.  Von Anfang an waren wir von der Qualität unserer Zusendungen begeistert! Warum …

Schminke? Nicht auf mir!

Mit durchschnittlich 11,8 Jahren fangen Mädchen an, sich zu schminken und über 80% der Menschen benutzen täglich Beauty-Produkte. Im Alter von 10-14 Jahren schminken sich lediglich 27% der Menschen, doch bei 15-20 Jährigen nutzen nur 21% selten bis nie Make-up. Also: etwa vier von fünf der heranwachsenden Frauen schminken sich beinahe täglich, was sehr erschreckend ist. Denn es gibt unfassbar viele Gründe, welche für die Natürlichkeit sprechen, finde ich! Wer ist das? Ich gehöre nicht seit jeher zu den 21% der ungeschminkten jungen Frauen. Ich habe mich ab der 6. Klasse täglich vor der Schule geschminkt und erinnere mich noch ganz genau an eine Situation, über die ich im Nachhinein nur lächeln kann. Als ich eines Morgens in der Schule ankam, bekam ich zu meinem Erschrecken mit, dass ich den Fototermin für das Jahrbuch vergessen hatte, welcher alle zwei Jahre anstand. Dazu war es mein erstes Jahrbuch-Shooting auf dem Gymnasium und natürlich sollte dieses als Erinnerungsstück besonders schön werden. Als meine Freundinnen die Situation bemerkten, wollten sie mir aushelfen und baten mir all ihre Schminke …