Körper & Bewusstsein
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Irgendwie dazwischen

Irgendwie ist genau jetzt diese Zeit dazwischen. Das Weihnachtsfest ist gerade vorbei und wir warten sehnsüchtig auf das neue Jahr. Die Zeit zwischen den Jahren, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht da ist.

Manchmal hat man so eine Zeit nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester, sondern auch in anderen Lebensphasen. Es ist ein Gefühl, das keiner gerne hat. Irgendwie dazwischen. Irgendetwas in unserem Leben stimmt nicht mehr. Da ist diese innere Leere und das Gefühl, dass unser Leben unrund läuft.

Vielleicht meinen wir, es hinge mit dem schlechten Wetter zusammen, mit dem/der Freund/in, mit dem/der man erst neulich einen Streit hatte oder mit uns, die vermeintlich nie zufrieden sein können. Vielleicht wissen wir aber auch ganz genau woran es liegt. Vielleicht steht man unmittelbar vor dem Schulabschluss und weiß nicht so recht, wie es weiter gehen soll. Oder man hat das Studium abgebrochen, sich gerade von dem Freund oder der Freundin getrennt oder vielleicht hat sogar ein lieber Mensch ganz unser Leben verlassen.

Es ist diese Schwellenzeit. Zwischenzeit. Jene Zeit, in der wir auf der Schwelle stehen. Wo wir wissen, dass die alten Lösungen nichts mehr nützen und wir zugleich keine Ahnung haben, in welche Richtung unser Weg weitergehen will.

Diese Zwischenzeiten sind nicht besonders populär in unserer Gesellschaft. Denn es scheint klar zu sein, in welche Richtung unser Weg zu gehen hat: immer vorwärts, Richtung Erfolg und nächstem Ziel. Von klein auf werden wir darauf getrimmt, immer unseren Plänen zu folgen und nie stecken zu bleiben. Meist fehlt uns das Bewusstsein dafür, dass es so etwas wie Schwellenzeiten überhaupt gibt. Und darüber, welcher Wert in ihnen steckt.

Schwellenzeiten sind nämlich unheimlich wichtig. Es sind die Zeiten, in denen etwas aufbricht, sich innerlich wandeln und reifen darf, um dann mit neuer Kraft nach außen zu treten.

Veränderungen und Zeiten der Wandlung können sich auch erst einmal anfühlen, als würde alles auseinander brechen. Aber in Wirklichkeit, kommt alles so zusammen, wie es für dich am Besten ist. Um unsere wahre Größe zu erleben, müssen wir uns weiterentwickeln und unsere Komfortzone verlassen.

Auch ich stehe jetzt gerade in so einer Zwischenzeit. Ich habe mein Studium hingeschmissen, meine Wohnung gekündigt und weiß nicht so wirklich, wie es jetzt mit mir weiter geht. Gefühlt stehe ich gerade vor dem großen Nichts. Neues ist noch nicht in Sicht. Ich weiß nicht, in welcher Stadt ich bleiben werde und wohin mich mein Weg in dem nächsten Jahr führen wird.

Da ich gerade nur aus einem Koffer lebe und mein restlicher Besitz in Deutschland verteilt ist, habe ich gelernt, wie wichtig die kleinen Dinge sind. Ich freue mich so sehr über einen Kaffee mit viel Milchschaum am morgen. Oder eine gemütliche Kerze, die ich mir abends anzünde. Jemand, der mich in den Arm nimmt, wenn ich traurig bin. Rituale, die beständig sind. Menschen, mit denen man reden kann. Außerdem ist es sehr wertvoll, diese Zeit auszuharren und geduldig zu sein. Zu lauschen, zu warten, keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen. Und – Vertrauen zu haben. Darauf, dass sich alles zu unserem Besten fügen soll.

Es kann beängstigend sein, nichts zu wissen. Es ist jedoch sehr wichtig, auch diese Erfahrung zu machen. Sich zu erlauben, im Raum des Nichtwissens zu stehen und genau das zuzugeben. Zuzugeben, dass man keine Ahnung hat, wie und wo es weitergehen soll.

Keiner von uns hat diese Zeiten gern. Aber man sollte sich immer wieder daran erinnern, dass etwas Kraftvolles in dieser Schwellenzeit steckt. Eine Zeit der Veränderung und des Wandels, eine Zeit der Vorfreude auf etwas Neues.

“Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.”

Rainer Maria Rilke

Der Text und das Beitragsbild sind von Luka.

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