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Stoffbinden nähen – Nachhaltige Menstruation

Seid ihr auf der Suche nach nachhaltigen und gesünderen Alternativen für Tampons und Binden? Wenn ja, dann seid ihr hier genau richtig. Wenn nein, dann solltet ihr euch auf die Suche begeben! Die Umwelt, aber auch eure Gesundheit, sollte es euch wert sein. Also bleibt am Besten gleich hier und lest weiter.

Vor schon einer ganzen Weile wurde hier auf dem Blog ein Artikel zur Menstruation veröffentlicht, in dem unter anderem auch Produkte für die weibliche Monatshygiene vorgestellt wurden. Eine Sache hat aber gefehlt. Nämlich waschbare Stoffbinden. Meiner Meinung nach sind sie für alle, denen die Menstruationstasse nicht ganz geheuer ist, eine echte Alternative zu den nicht besonders nachhaltigen und gesunden Tampons und Einwegbinden. Ich finde die Stoffbinden nämlich wirklich cool! Darum versuche ich euch heute davon zu überzeugen, dass waschbare Binden überhaupt nicht ekelig sind, ganz unkompliziert benutzt werden können, nicht unbedingt teuer in der Anschaffung und Herstellung sind und auch noch für gute Laune während der Menstruation sorgen können. Aber probiert’s einfach mal selber aus. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Aber eines möchte ich sagen: Stoffbinden sind nicht für jeden Etwas. Wenn ihr auch die normalen Wegwerfbinden nicht gerne benutzt, werdet ihr die hier wahrscheinlich auch nicht mögen. Denn ich bin ganz ehrlich, vor allem bei den großen Stoffbinden habe ich manchmal das Gefühl, eine Windel zu tragen, deshalb trage ich sie hauptsächlich in der Nacht. Am Tag sind mir die kleineren Slipeinlagen, die ich übrigens auch während meiner Menstruation benutze, lieber. Die kann man natürlich auch genauso saugstark wie die großen Binden nähen. Auch beim Sport kann ich die Stoffbinden überhaupt nicht leiden. Da stören sie einfach nur. Deshalb benutze ich da Tampons. Ich habe mir aber auch vorgenommen, der Menstruationstasse noch eine zweite Chance zu geben. Beim ersten Mal hatte ich so meine Probleme mit ihr. Aber auch, wenn diese Binden aus Stoff nicht die perfekte Lösung für jeden sind – eine Chance haben sie verdient. Und jede einzelne Wegwerfbinde oder Slipeinlage, die durch sie gespart wird, ist den Versuch definitiv wert. Wir müssen nicht alles perfekt machen. Kleine Schritte in die richtige Richtung reichen! Darum habt lieber eine waschbare Binde, als keine.

Wenn ihr es also mal mit Stoffbinden versuchen wollt, dann könnt ihr euch entweder welche kaufen, oder natürlich selber nähen. Ich bevorzuge natürlich letzteres. Wenn ihr eine ganze Menstruation durchstehen wollt, braucht ihr natürlich mehrere. Ich habe aktuell fünf große Binden und vier Kleine, in den unterschiedlichsten Stärken. Aber bei den kleinen Slipeinlagen muss ich noch aufstocken. Ihr könnt ja mal mit zwei oder drei Stoffbinden anfangen und es einen Tag lang ausprobieren, ob es euch taugt. Dann könnt ihr entweder entscheiden, noch mehr zu nähen, oder eben nicht. 

Um vorweg noch eine wichtige und anfangs auch abschreckende Sache zu klären: das Waschen ist echt nicht kompliziert. Genau das war es zwar, was mich lange davon abgehalten hat, es auszuprobieren. Wenn ihr aber die Binden nach dem Wechseln mit kaltem Wasser im Waschbecken auswascht, so lange bis kein Blut mehr rauskommt, sie gerne auch mit ein bisschen Seife schrubbt, sie danach in einem Wäschenetz sammelt und nach der Menstruation im Netz in der Waschmaschine bei 60° wascht, werden die wieder ganz sauber. Nach dem Waschen müssen sie lange trocknen, weil es eben doch ein paar Schichten Stoff sind, aber dafür haben sie ja auch fast einen Monat Zeit. Solltet ihr die Binden mal auswechseln müssen und nicht die Möglichkeit haben, sie direkt auszuwaschen, könnt ihr sie in einem kleinen Täschchen, was etwas Luft durchlässt, sammeln. Dann könnt ihr sie einfach später säubern, gar kein Problem. 

Ach ja, einen kleine Anwendungstipp habe ich noch für euch. Ich hatte nämlich das Problem, dass die Stoffslipeinlage im Höschen manchmal nach vorne oder hinten gerutscht ist. Wenn ihr dieses Problem auch habt, fixiert sie doch einfach mit einer Sicherheitsnadel durch die Flügel eurer Binde an eurem Höschen. Und schon hält sie fest an Ort und Stelle.

Jetzt kommen wir aber endlich mal zur Sache! Hier ist die hoffentlich verständliche Nähanleitung für eure farbenfrohen Menstruationsbegleiter. Ich wünsche euch viel Spaß beim Nähen und späterem Menstruieren!

Material

  1. Molton-Stoff (ich habe Molton-Tücher gekauft)
  2. Bunter Baumwollstoff (empfehlenswert wären eher etwas dunklere Stoffe, am besten vorgewaschen, sodass eventuelle schädliche Stoffe rausgewaschen sind)
  3. Einen Druckknopf mit nötigem Werkzeug (spezielle Zange oder Hammer, zur Not tut’s auch ein Klettverschluss)
  4. Stecknadeln, Stoffschere, Nadel und Faden, Bügeleisen und Nähmaschine (eventuell auch eine Overlock

Los geht’s

Zu aller erst muss das Schnittmuster vorbereitet werden. Ich habe für euch ein Schnittmuster für eine große Binde (25cm lang) und eine Slipeinlage (15cm lang) gemacht. In der Anleitung seht ihr wie ich die große Binde genäht habe. Das kleine Modell näht man aber genau gleich. Druckt euch das Schnittmuster einfach aus (Größe 100% einstellen) und schneidet es aus. Wenn ihr wollt könnt ihr es natürlich nach euren eigenen Wünschen verändern und anpassen. 

Dann könnt ihr den Stoff zuschneiden. Aus dem Baumwollstoff wird zwei mal das Teil mit den Flügeln zugeschnitten. Eine Nahtzugabe von ca. 0,7cm ist bereits enthalten. Aus Molton schneidet ihr die Lagen für das Innenfutter zu, je nachdem, wie stark ihr die Binde haben möchtet. Ich empfehle die Binde mit drei bis fünf Lagen zu nähen, und die Slipeinlage mit zwei bis vier Lagen. Aber passt das einfach an die Stärke eurer Menstruation an und näht gerne auch unterschiedlich dicke Binden.

Die vielen Lagen aus Molton werden dann genau übereinander gesteckt und rundherum zusammengenäht. Wenn ihr eine Overlockmaschine zuhause habt, verwendet am Besten diese – ein ganz normaler ZigZagStich mit der Nähmaschine tut’s aber auch! Das sorgt einfach dafür, dass alle Lagen übereinander bleiben und der Stoff nicht ausfranst. Die beiden Stoffstücke aus Baumwollstoff werden auch übereinander gesteckt, aber rechts auf rechts. Die beiden schönen Seiten schauen sich sozusagen an. Da wird dann rundherum, nähfüßchenbreit (ca.0,5-0,7cm von der Kante entfernt), mit einem Geradstich genäht. Wichtig ist, dass auf einer Seite eine große Wendeöffnung offen gelassen wird, die lieber zu groß als zu klein ist! Am Anfang und am Ende der Naht vor und zurück nähen (verriegeln), damit die Naht nicht aufgeht. Die Rundungen werden dann, wie man auf dem Bild erkennen kann, eingeschnitten, genauso wie die Ecken. Dabei unbedingt darauf achten, die Naht nicht zu verletzen!

Das ganze wird dann durch die Wendeöffnung gewendet und gut gebügelt. Dabei alle Rundungen und Ecken schön ausarbeiten.

Jetzt wird’s ein bisschen kniffelig. Und zwar wird das vorbereitete Innenfutter aus Molton in das Stoffteil reingesteckt. Habt dabei genug Geduld, stopft nicht so sehr, sondern arbeitet es lieber langsam rein. Wichtig ist, dass es wirklich bis ganz ans Ende geschoben wird. Wenn alles sitzt, das Ganze nochmal bügeln.

Jetzt könnt ihr die Wendeöffnung schließen. Dafür werden erst die beiden Stofflagen nach innen gefaltet (eine Seite wird über das Molton gefaltet), und dann wird die Wendeöffnung mit dem Leiterstich geschlossen. Wenn ihr nicht wisst, wie der genau geht, hier habe ich ein Video für euch.

Jetzt könnt ihr die Binde rundherum noch knappkantig absteppen, und die Einlage fixieren. Ihr könnt ziemlich gut ertasten, wie sie inne drin liegt, sodass ihr sie gut festnähen könnt. Schaut euch einfach das Bild an, wenn ihr nicht versteht, was ich meine. Danach muss nur noch der Druckknopf angebracht werden (oder der Klettverschluss aufgenäht). Probiert dazu die Binde unbedingt mit der Unterwäsche an, die ihr bei eurer Menstruation tragt, damit ihr wisst wo ihr den Druckknopf befestigen müsst.

Viel Spaß!

Marleen ist 18 Jahre alt und verbringt gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Waldkindergarten nachdem sie die Schule abgebrochen hat. Zwischendurch näht sie und schreibt auf ihrem Blog und auf Instagram über ihre Gedanken und Gefühle. Seelenposie nennt sie es und träumt davon, die Welt in einen bewussteren und freieren Ort zu verwandeln.

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