Gastgedanken, Liebe & Triebe
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Was du liebst, lass frei

„Was du liebst, lass frei, kommt es zurück zu dir, ist es für immer dein“ –

denke ich, während deine Hand mir entgleitet und ich die Deine noch fester drücke, sie packe, sie ganz eng umklammere.

Du sagst, du magst mich, so wie ich bin – wäre ich nur ein bisschen anders. Du sagst, du magst meine Art – wäre ich nur nicht ganz so verklemmt. Du sagst, du magst meinen Körper – wären da nur ein paar mehr Muskeln an meinem Bauch. Du sagst, du magst meine Klamotten – wären sie nur ein bisschen lässiger.

Du magst mich, aber du stellst mich in Frage. Alles an mir, und ich kann dir keine Antwort geben. Denn ich bin, wie ich bin und bevor ich dich kannte, fand ich das auch alles ganz okay so. Doch du  stellst mich in Frage und ich kenne die Antwort nicht. Habe deine Frage verpasst und das Einzige, was mir bleibt, ist meine Frage, warum ich deine Hand noch fester packe, während du viel lieber gehen und eine andere Hand greifen solltest. Wieso du nicht nach deiner Antwort auf deine Frage suchst. Warum ich mich weiter an dich klammere.

Vielleicht ist da ein bisschen Angst. Angst, alleine zu sein, nie wieder jemanden zu finden, der mir nur ein ganz klein wenig Anerkennung gibt. Angst davor, dass dich eine andere Frau glücklich macht , die irgendwie besser für dich ist, als ich. Die dir die Antwort auf deine Frage gibt.

Und dann entschließe ich mich zu bleiben. In deinen Armen, weil es dir vielleicht irgendwie genauso geht, dass du mich nicht gehen lassen kannst. Weil du Angst hast, alleine zu sein, nie wieder jemanden zu finden, der bei dir bleibt. Weil wahrscheinlich keiner deinen Ansprüchen gerecht wird.

Ich soll anders sein, sagst du, aber wie, weißt du nicht.

Ich soll ich sein, aber doch nicht so, wie ich bin.

Ich soll ein Meer sein, während ich nur ein kleiner See bin.

Ein See, mit einem wunderbaren, geheimnisvollen Wald um mich, in dem Elfen tanzen.  Aber du magst den Wald nicht, sagst du. Und du tanzt nicht gerne, viel lieber schwimmst du in den unendlichen Weiten.

Aber es tut mir leid, ich bin kein weites Meer, kein riesiges Gewässer. Ich bin, was ich bin und all das, was du in Frage stellst, gehört zu mir. Und es tut mir leid, dass ich nicht richtig bin für dich, auch wenn ich ständig versuche, deine Antwort zu sein. Doch ich bin das nicht, nicht für dich.

Und doch, kann ich dich nicht einfach gehen lassen, weil ich spüre, dass du nie wieder kommen würdest. Und dann würde alles, was ich befürchte, wahr werden. Irgendwie. Aber doch sollte ich meine eigenen Fragen stellen, und feststellen, dass auch du nicht die Antwort auf meine Fragen bist, du meine Fragen verpasst hast, während ich dich langsam, ganz langsam, entgleiten lasse.

Ich werde niemals richtig für dich sein, aber für mich bin ich okay. Und das ist doch was zählt, oder?

Und wenn ich dich gehen lasse, und du nicht mehr wieder kommst, ist da unendlich viel Platz in meinem kleinen See, für jemanden, der es liebt im Wald mit meinen Elfen zu tanzen.

Gastgedanken von Corina, 19 Jahre alt, versucht all das in Ihrem Kopf irgendwie auf Papier zu bringen und liebt Gedichte, vor allem die von Hesse.

Das Beitragsbild ist von Luka. 

5 Kommentare

  1. Maren sagt

    Danke für diesen tollen Beitrag, ich bin gerade dabei diese Trennungsphase zu überwinden, er hat sich getrennt weil ich eben für ihn der See mit dem Elfenwald war und nicht das Meer… dein Beitrag gibt mir Sicherheit, Zuversicht und nimmt mir die Angst vor dem alleine sein! Danke dafür!💓

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