Gastgedanken
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Wie ich bin & wie ich sein will

In meinem Kopf herrscht Chaos. Gefühlschaos. Gedankenchaos. Chaos. Chaos.
Wo ich anfangen soll und ob es ein Ende gibt, keine Ahnung.
Ich bin überfordert, unterfordert und wohl oder übel nicht gefördert, dieser Hilflosigkeit entgegenzuhalten.

Wir sind Individuen, jede Person so wie sie ist, keine wie die andere und doch scheinbar alle gleich. Manche wollen einfach dazugehören, andere sich so weit wie möglich unterscheiden und die breite Masse schwimmt inmitten dessen und versucht, nicht (oder geradezu) unterzugehen.

Prinzipiell können wir alle sein, wer, was und wie wir sind – oder werden wer, was und wie wir sein wollen. Aber wer will ich sein, wenn es jeden schon gibt? Letztendlich bin ich wieder ich, so wie ich es schon immer war, bin und sein werde. Und wenn ich die Möglichkeit hätte, zu sein wie ich mich gern wäre, ist dies doch nur bedingt natürlich möglich. Ganz abgesehen von fühlbar Millionen nötigen Zuständen, die gegeben sein müssten, um bestimmte Wünsche und Vorstellungen zu erfüllen, oder nicht?

Wenn ich anfangen würde, Dinge aufzuzählen, die ich an mir mag oder eben nicht mag, wäre wohl leicht zu bestimmen, wie ich gern sein würde. Trotzdem bleibe ich der Mensch, als der ich geboren wurde, und wie wunderschön ist das: Natürlichkeit in einer so veränderten, geformten, nach Perfektion strebenden Welt. In dieser Welt, die ich so wenig verstehe, doch auf der sich meine ganze, mir vorstellbare Existenz abspielen wird. Ich könnte jeden Tag sterben, ohne wirklich gelebt zu haben, ohne wirklich glücklich und vollkommen gewesen zu sein. Lediglich existiert zu haben, mit dem Wunsch, anders zu sein. Anders auf so vielen Ebenen. Vermeintlich besser.

Oberflächlich gesehen gern schlanker, definierter, mit reinerer Haut, stärkerem Gewebe, naturrotem Haar, etwas kleineren Füßen, ein bisschen langsamerem Haarwachstum – einfach ein wenig „hübscher“ . Sportlicher, ehrgeiziger, schlauer, motivierter, offener, freundlicher, ausgeglichener, beliebter, talentierter, kämpferischer, belastbarer, ehrlicher, mutiger, optimistischer, glücklicher, gesünder, aktiver, belesener, informierter, gereister, belustigter, belebter, einfacher, künstlerischer, selbstbewusster, natürlicher, verständlicher, geerdeter, eigenständiger. Politisch aktiver, Sozial engagierter, ökologisch vertretbarer, Umwelt schützender … besser. Ich wäre gern so viel mehr als ich bin und vielleicht sein kann und werde.

Es fällt mir schwer, meinen Zielen und Wünschen zu folgen, Träume zu haben und zu erreichen. Noch schwerer scheint es, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Indem ich es versuche – mich zu akzeptieren, zu mögen, vielleicht einmal zu lieben und zeitgleich zu wachsen, gehöre ich genauso mit zu diesem Perfektionswunsch und -kampf. Doch vielleicht liegt darin auch Gutes.

Wir streben so oft nach einem „Höher, schneller, weiter, besser…” und das ist vielleicht auch gut so. Wenn wir anfangen, das bessere Selbst zu werden und uns bewusst weiterzuentwickeln. Manchmal fällt es schwer, doch es lohnt sich.

Es lohnt sich ganz für Dich selbst.

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Gastgedanken von Amelie, einer Schülerin, die versucht, ihren Gedanken Platz zu gewähren und die Welt zu einem schöneren Ort zu machen: Es lohnt sich, auch wenn es Überwindung kostet. „Ob mich wer versteht und Gefallen daran findet, meinen wirren Gedanken zu folgen?“, Fragen, die sie verfolgen und wer weiß – vielleicht findet sie eine Antwort und veröffentlicht ja doch einmal mehr Geschriebenes.

1 Kommentare

  1. wow, mir fehlen einfach die worte… das spiegelt meinen zustand/meine gedanken & gefühle wieder. und der text ist sehr schön formuliert!

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