Gastgedanken, Körper & Bewusstsein
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Don’t do drugs – nein ehrlich, ist gefährlich

Ich lebe in Berlin, die Größe der Pupillen zu verändern scheint hier das normalste der Welt zu sein. In der Technoszene sowieso.  Im Club einem mit Schaumbläschen vom Boden lieber erstmal keinen Arzt zur Verfügung zu stellen, um keinen Imageschaden davon zu tragen, normal, verständlich. Ironie.

Mal ehrlich, ich habe wirklich Angst, dass mir mal etwas passiert und ich im Club verrecke. Nicht jeder muss sich Chemie durch den Körper jagen, um umzukippen, es geht nicht immer alles glatt und für den einen oder anderen kommt jede Hilfe zu spät. Das kleine Etwas, das viele hypen, das brandgefährlich ist, auf dem jeder, auch beim ersten Konsum, hängen bleiben kann, die abhängig machen, die nicht cool sind.

Das Etwas der illegalen Drogen. Für deren Konsum jeder seinen Grund haben mag, Glückwunsch. Und wir, die sich mit den legalen Drogen begnügen, machen alles richtig? Denkste. Absoluter Blödsinn, wir sind kein Stück besser.

Dass Alkohol und Nikotin legal sind, macht die beiden nicht weniger ungefährlich. Das Bewusstsein für Alkohol und seine Gefahren ist bei so vielen nach wie vor nicht vorhanden. Wir treffen uns am Wochenende zum „Trinken“ und das ist normal, absolut akzeptiert in unserer Gesellschaft. Wir sollten uns echt alle mal an den Kopf fassen. Jährlich sterben 120000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, 40000 an den Auswirkungen des Alkoholkonsums und 1300 Todesfälle sind direkt auf den Konsum illegaler Drogen zurückzuführen (Quelle ist der Drogen und Suchtbericht 2017, lest ihn doch gerne auch mal).

Teil unserer Kultur?

Alkohol und Nikotin bekommt man in jedem Supermarkt und im Vergleich zu anderen Ländern Europas ist der Alkohol in Deutschland sogar günstig. Seit Jahrtausenden werden Substanzen konsumiert und auch heute gehört der Konsum dazu, obwohl wir klares Bewusstsein über die Schädlichkeit dieser Substanzen haben. Ist Konsum von Alkohol und Nikotin ein Teil unserer Kultur oder gar unserer Natur? Oder wieso fällt es uns so schwer, den Drogen abzuschwören? Obwohl ich mir über die Konsequenzen, der Weingläser gestern Abend, bewusst bin, habe ich sie doch getrunken. Ich ernähre mich ausgewogen, achte extrem auf meine Gesundheit, aber pfeife mir Alkohol am Wochenende rein. Ein Widerspruch in meiner eigenen Lebensweise. Ich trinke an zwei bis drei Abenden im Monat Alkohol. Im Vergleich zu meinem Umfeld ist das praktisch nichts. Und ich rauche nicht. Ich habe mich auch noch nie an härteren Drogen versucht.

Ich bin ein Engel. Ein Engel, der nicht auf Weißwein verzichten kann. Mir schmeckt Wein, meine Hemmungen fliegen davon und ich fühle mich leicht. Die Wirkung von Alkohol. Und mit einem Glas zu viel, fühle ich mich noch am nächsten Abend beschissen. Wenn ich mit Glitzer übergossen um 5 Uhr morgens in der Dusche stehe, bereue ich nichts. Nichts spricht gegen wilde Nächte wenn man jung ist.

 

Bewusstsein statt Verzicht?

Aber vielleicht muss vollkommener Verzicht auch gar nicht angestrebt werden. Vielleicht sollten wir unseren Alkoholkonsum einfach runterschrauben, bewusster trinken, der Selbstverständlichkeit, jedes Wochenende zu trinken, entgegenwirken. Schließlich müssen wir auch bedenken. was wir den Kindern und Jugendlichen vorleben.

Wenn Kinder mit Alkohol und ner Fluppe im Hals lachend auf einer Parkbank sitzen, assoziieren sie mit Trinken und Rauchen Gruppenzugehörigkeit und Spaß. Soziale Lerntheorie nach Bandura – wenn ich das in der Uni jetzt richtig verstanden habe. Also sollten wir uns nicht lieber alle ein Zimmer nehmen? Übrigens haben Filme und Serien und unsere geliebten Influenzer einen enormen Einfluss, besonders auf die jungen Leute.

Was erwarten wir von einer Generation, wenn wir ihnen drogenverherrlichende Musik vorspielen oder einen Film zeigen, in dem jeder trinkt und raucht. Bewusstsein und Sensibilität gegenüber dem Thema sind wirklich wichtig. Wie oft im Monat trinkt ihr Alkohol? Wie viele Zigaretten raucht ihr im Monat? Oder nehmt ihr sogar härtere Sachen? Habt ihr eurem Konsum jemals hinterfragt? Begrenzt ihn doch – dem Körper zur Liebe, Dir zu Liebe. Vielleicht müssen wir alle erstmal wieder lernen, einen neuen Plan fürs Wochenende zu machen. Haben wir wirklich verlernt, ohne Drogen Spaß zu haben? Ist es gerade die Kunst, frei und locker zu sein, ohne Drogen? Am Ende entscheidet natürlich jeder für sich und vielleicht ist die ein oder andere Person der Meinung, ohne Vollrausch am Wochenende nicht leben zu können. Sollte dies der Fall sein, setzt wenigstes alles daran, niemanden zu gefährden oder mitzureißen. Vielleicht solltet ihr euch dann aber auch fragen, ob es einen Grund dafür gibt, und ob man nicht lieber an der Ursache arbeiten sollte.

Lasst uns in diesem Monat doch mal clean bleiben, das Geld der Bar als Geld für’n Spa verwenden.

Vielleicht kannst du dein Leben umkrempeln, anstatt sich zu betäuben oder mit den kleinen Helfern Balsam auf die Wunde zu geben. Es scheint aussichtslos und dir bleiben nur die Drogen und das feiern? Ja, auch feiern gehen kann abhängig machen. Es ist nie aussichtslos. Wir verfügen in Deutschland über zahlreiche Hilfsangebote und jeder Person, die Hilfe braucht, wird geholfen. Schließlich schafft es nicht jeder allein aus dem Kreislauf auszubrechen.

Um euer Bewusstsein zu schärfen, wie viel zu viel ist, könnt ihr auf dieser Seite von Kenn dein Limit vorbeischauen. Ein paar von Euch werden sicherlich über das Ergebnis erstaunt sein.

Der Text ist von Scell – sie ist 20 Jahre jung und stammt ursprünglich aus dem hohen Norden. Seit über einem Jahr lebt sie in Berlin und studiert dort Sonderpädagogik, Philosophie/Ethik und Geschichte. Besonderes Interesse hat sie an psychologischen Themen und der schlichten Frage danach, wieso wir sind wie wir sind. Die Bilder sind von Luka.

Falls ihr Hilfe braucht, in eine Abhängigkeit oder Sucht geraten seid, gibt es viele Hilfsmöglichkeiten. Habt keine Angst, Hilfe anzunehmen, wenn ihr sie braucht. Kein Problem ist zu klein. Sucht & Drogen Hotline/ Alkohol – Kenn dein Limit!/Alkohol Hilfe für Jugendliche/ Nummer gegen Kummer/ Drogenhilfe Anlaufstelle in verschiedenen Städten

 

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