Selbst & Inszenierung
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Ich möchte Schauspielerin werden!

Oft wird dieser Wunsch als alberner Mädchentraum abgetan. Und, wenn man älter als 13 Jahre  ist und sich noch immer daran festklammert, trifft man auf Sätze wie: „Du weißt aber schon, dass das kein sicherer Beruf ist!“, „An deiner Stelle würde ich ja lieber was Vernünftiges machen!“ oder sie meinen, dass man sich in diesen Wunsch nicht zu sehr verbeißen sollte, weil einem sonst die Zähne ausfallen. Aber diejenigen verstehen nicht wirklich, was mir die Schauspielerei bedeutet.

Dennoch sehe ich es selber, wie gering die Chancen sind, wirklich Schauspielerin zu werden. Die Erfahrungen, die ich bereits sammeln durfte, habe ich mir alle selbst erarbeitet, durch neue Kontakte, Recherche.

Die Chance, in einer Agentur aufgenommen zu werden und später SchauspielerIn zu werden, ist deutlich höher, wenn die Eltern ihre Kinder schon früh mit Schauspielunterricht fördern. Ich hatte nie Schauspielunterricht und habe meine anfänglichen Erfahrungen auf der Schulbühne gesammelt.
Je weiter man in die Szene einsteigt, desto klarer wird, wie schwierig es ist, eine Hauptrolle zu bekommen und wirklich durchzustarten.

Letztens habe ich diesen Traum der Schauspielerei komplett aufgeben wollen. Keine weiteren Projekte! Keine Hoffnungen, dass man eventuell demnächst mal zu einem Casting darf! Einfach Schluss mit allem, was mit Schauspielerei zu tun hat.

Aber dann war ich wieder als Komparse bei einem dänischen Filmdreh mit internationalen Schauspiel-Stars und wurde sofort wieder von der Filmszene gepackt.

Man lernt unheimlich viele tolle Menschen kennen, trifft SchauspielerInnen quasi privat am Set. Man kann sich mit ihnen unterhalten und Witze machen und man sieht, wie der Job als Schauspieler hoch gebauscht wird. Denn letzten Endes sind es doch auch nur Menschen.

Aber beim Schauspielen geht es mir weder darum, möglichst viele Stars persönlich kennenzulernen, noch um Ruhm oder Geld. Mein Grund, weshalb ich die Schauspielerei liebe, ist vielleicht schon fast traurig oder auch erschreckend. Denn ich muss mich ab und zu in Rollen retten, weil ich mich manchmal selbst nicht ausstehen kann. Diese Möglichkeit in verschiedene Rollen schlüpfen zu können, ist für mich ein wenig Freiheit. Ich befreie mich dann von meinen Sorgen, den Erwartungen, die andere an mich haben. Man ist immer eingeengt in der Rolle der eigenen Person und es ist schwierig sich im eigenen Freundeskreis und der Familie eine neue Rolle zuzulegen, weil man bereits einen zugewiesenen Platz einnimmt. Ich kann mich für einen Moment von mir distanzieren und einmal auf die Pausetaste im eigenen Leben drücken.

Ich habe eine bisher unheilbare Krankheit, die andere vielleicht im Vergleich zu anderem nur belächeln, die aber für mich trotzdem eine Belastung darstellt, obwohl ich das keinen spüren lasse. Sie schränkt mich ein und macht manche Situationen unnötig kompliziert.

Die Krankheit soll jetzt eigentlich keine große Rolle spielen, ist aber für mich persönlich ein weiterer Grund, die Schauspielerei zu lieben. Denn in einer Rolle kann ich diese Unzufriedenheit über mich selbst ablegen. Es ist dann alles möglich. Ich kann die Dinge erleben, die mir sonst vielleicht nie möglich gewesen wären. Dabei denke ich sogar nur an ganz einfache Dinge, wie von Zuhause abzuhauen nur den Klamotten, die man trägt. Ohne die Gewissheit, wo es als nächstes hingehen soll. Ich stelle mir solche Erfahrungen sehr spannend vor. Aber ich kann nicht einfach abhauen.

Die Filmszene ist ein hartes Pflaster. Selbst, wenn man noch gar nicht tief darin verankert ist, kann man schon an sich selbst zweifeln. Fragen wie „Warum lassen sie einen es nicht einfach mal probieren?“ treten auf. Denn ab 18 Jahren ist es quasi unmöglich in einer Schauspielagentur aufgenommen zu werden, wenn man noch nicht viel vorweisen kann. Dabei bringt es einer

Agentur noch nicht einmal Nachteile ein, wenn sie einen zum Beispiel probeweise aufnehmen würden.

Dann frage ich mich selbst auch immer wieder, ob Schauspielerei wirklich zu mir passen könnte. Und komme immer wieder zu der Ansicht, dass es nicht passt.

Aber sobald ich wieder mit Schauspielerei in Kontakt trete, bin ich fasziniert. Ich möchte mich jedoch ab jetzt von keiner Agentur mehr einschränken lassen. Bei kleinen Agenturen wartet man auf Kleindarstellerrollen, die selten kommen, um sich bei echten Agenturen bewerben zu können, die einen dann meistens auch ablehnen, ohne einen vorher richtig kennengelernt zu haben.
Wenn sich jetzt also etwas ergibt, schön und gut! Aber bis dahin schreibe ich meine eigenen Drehbücher, erzähle meine eigenen Geschichten und kann somit das tun, wofür ich brenne. Im Moment arbeite ich an einem neuen Drehbuch, dass ich mit Freunden verfilmen werde. Und gleichzeitig sollte man sich auch in anderen Bereichen probieren.

Man darf seine Träume nicht aufgeben, sonst steht man verloren da und weiß nicht wohin. Aber man sollte sich auf dem Weg zu seinem Ziel auch auf Alternativen einlassen. Manchmal gibt es schwierige Zeiten, die es aber nur geben kann, wenn es auch gute gibt.

Schauspielerei ist ein schwieriger Traum. Aber manchmal lohnt es sich, zu träumen.

Gastgedanken und Bilder von Meret Raudonat.
Sie ist 19 Jahre jung und ist vor drei Wochen von Kiel nach Köln gezogen, um dort Medienkulturwissenschaften und Germanistik zu studieren.
Die Schauspielerei/Komparserie wird sie auch dort hobbymäßig weiter betreiben.
Erste spannende Projekte stehen bereits an.
Ansonsten fotografiert sie gerne, bringt wirre Gedanken auf weiße Seiten und lässt ihren Träumen freien Lauf.

2 Kommentare

  1. Laura Quellenberg sagt

    Mir geht es ähnlich. Ich möchte seit ich denken kann Journslistin werden und habe schon zu oft gehört, dass es da ja schwierig wird richtig erfolgreich zu werden, viel Geld zu verdienen usw. Jetzt studiere ich Journalismus und ich werde nie damit aufhören, schreiben zu meinem Beruf zu machen. Und du solltest auch niemals aufhören! Am Ende hast du es wenigstens versucht und wenn es mir ein Hobby bleibt. Nichts bereuen, es nicht getan zu haben!

  2. Liebe Meret,
    dein Beitrag hat mir wirklich wahnsinnig gut gefallen und mich ernsthaft berührt.
    Auch ich habe in der Schauspielerei meine Leidenschaft entdeckt. Allerdings zieht es mich persönlich weitaus mehr auf deutschsprachige Theaterbühnen, eine ebenfalls unfassbar hart umkämpfte Branche.
    Ich kann mich also wirklich gut mit deinem Text identifizieren.
    Dass dieser Berufswunsch häufig nicht ernst genommen wird und als lächerlich, kindisch oder naiv abgetan wird, kenne ich nur zu gut. Lächerlich und kindisch finde ich es auf keinen Fall, aber an naiv ist vielleicht wirklich etwas dran. Aber vielleicht ist gerade dieser kleine Funken Naivität notwendig, um sich auf so einen Weg einzulassen.
    Klar, man weiß nicht wann und ob man es schafft in der Branche Fuß zu fassen und ob man dann überhaupt für das Leben als Künstler geeignet wäre, aber man weiß mit Sicherheit, dass man sich das in diesem Moment über alles wünscht. Darum geht es ja erstmal, endlich mal an sich selbst glauben, andere Meinungen zwar einholen, aber nicht immer unbedingt darauf zu hören und im Moment zu leben.
    Wenn ein Wunsch gerade so präsent ist, kann man gar nicht anders als ihm nachzugehen. Ob es nun klappt oder nicht ist dabei erstmal zweitrangig!

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