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Mutprobe? Ungeplante Schwangerschaft

Als sie es erfahren hat, wusste sie nicht wohin mit ihren Gedanken. Als erstes hat sie sich Schokolade gekauft, sehr viel Schokolade. Maria ist 21 Jahre jung und schwanger. Sie war in der sechsten Woche, als sie es erfahren hat. Ihr Freund ist schon einige Jahre älter. Die beiden hatten schon über Kinder geredet, aber das war eigentlich noch Zukunftsmusik, denn so wirklich geplant war da noch nichts. Es ist eben einfach so passiert. 

Einige Tage lang war ihr morgens immer ein wenig übel. Als dann die Periode ausblieb, wusste sie eigentlich schon, was Sache ist. Aber das waren nur die körperlichen Anzeichen, denn sie hat schon vorher ganz genau gespürt, dass etwas anders ist. Nach dem positiven Schwangerschaftstest zuhause, hat es dann die Frauenärztin endgültig bestätigt: Maria ist schwanger. Und dann? Dann kam erstmal die Angst. Und die Freude. Denn eine Abtreibung war kein Thema für sie und ihr war direkt klar, dass sie das Kind behalten wird. Zu keinem Zeitpunkt waren die negativen Stimmen im Kopf stärker und der Gedanke daran, bald zu dritt zu sein, war von Anfang an ein sehr, sehr schöner.

Trotzdem sind da jetzt so unendliche viele Fragen. Wie soll wohl alles werden? Eigentlich wollte sie ihr Studium an der Kunsthochschule beginnen. Diese Pläne ändern sich jetzt. Alles ändert sich jetzt, vorerst. Trotz der ganzen Veränderungen, die ihr bevor stehen, ist Maria entspannt. Es sei nie der perfekte Zeitpunkt für ein Kind, sagt sie. Also, warum nicht jetzt? Wenn man erstmal Kinder hat, ist eben nicht das ganze Leben vorbei. Sie will weiter das machen, was sie machen will, nur bald mit Kind.

Hilflos fühlt sie sich überhaupt nicht. Ihr Freund ist eine große Unterstützung und so auch ihre Frauenärztin, zu der sie bei jedem kleinsten Zwacken oder Ziehen kommen kann. Außerdem ist auch das Internet eine große Hilfe für sie. Was darf man essen und was nicht? Welcher Schmerz ist ein guter? Es gibt unzählige Seiten und Foren, sodass man sich zu jedem Thema gleich mehrere Meinungen einholen kann. Man findet auch viele wissenschaftliche Belege, sodass man sich die Kosten für teure Bücher sparen kann. Natürlich gibt es auch viele Frauen, die sich untereinander ganz verrückt machen – da wäre es dann doch besser, auf einen zärtlichen Rat zu hören. Zudem gibt es richtig gute und kostenlose Apps, die die Frauen auf den nächsten Arzttermin hinweisen und die Schwangerschaft begleiten. So zeigen sie auch, ob das Baby noch so klein ist wie eine Weintraube, oder schon die Größe eines Apfels erreicht hat.

Sorgen um die zusätzlichen Kosten, die ein Kind so mit sich bringt, macht sich Maria nicht. Vieles wird sogar von der Krankenkasse übernommen, wie die Kosten für den Geburtsvorbereitungskurs und die Nachsorge der Hebamme. Außerdem kann man so gut wie alles, was man für das Baby so braucht, aus zweiter Hand kaufen, außer Windeln vielleicht. Es gibt unzählige Flohmärkte, die sich rund um das Kleinkind drehen, und es gibt in fast jeder Stadt neben den normalen Kinderläden auch SecondHand Baby-Geschäfte. Einiges hat Maria schon von ihrer Mutter oder von anderen Verwandten bekommen, aus der Zeit, als sie selbst noch ein kleines Kind war. Wenn sie dann doch etwas selbst kauft, ist die Farben nebensächlich, bloß kein mädchenrosa oder babyblau. Ihr Kind soll nicht so aufwachsen; das Geschlecht möchte sie sowieso erst bei der Geburt erfahren.

Ich habe sie gefragt, ob die Meinung der anderen sie stark beeinflusst. Ob es ihr Angst macht, so früh ein Kind zubekommen und wie es ist, die erste in ihrem Alter zu sein, die schwanger ist. Doch ihr ist das alles ganz egal. Natürlich ist es ihr trotzdem wichtig, dass ihre Familie hinter ihr steht. Ihre Mutter hat sich direkt gefreut, als sie erfahren hat, dass Maria schwanger ist. Ihr Vater hingegen war etwas skeptisch und musste die Nachricht erst ein wenig verarbeiten. Inzwischen ist die Vorfreude auf sein erstes Enkelkind so groß, dass er Maria ein kleines Radio geschenkt hat, damit das Kind ja mit guter Musik aufwächst.

Trotzdem gibt es auch einige Veränderungen, an die sie sich erstmal gewöhnen muss. Dass sie jetzt Verantwortung für Zwei trägt, obwohl das Baby noch nicht mal auf der Welt ist, zum Beispiel. Bevor sie irgendetwas macht, isst, plant muss sie immer erst einmal nachdenken, ob es dem Kind in ihrem Bauch nicht schaden könnte. Außerdem muss sie erst einmal verstehen, dass sie nicht mehr all das machen kann, was sie gerne machen will. So ärgert sie sich ab und zu über sich selbst, weil sie einiges einfach nicht schafft. Dazu kommt, dass sie die schnelle Veränderung ihres Körper und die starke Gewichtszunahme nicht gewohnt ist. Maria fühlt sich unwohl, was es umso schwerer macht, ihren Körper zu akzeptieren. Manchmal erkennt sie sich selbst nicht wieder, aber, so sagt sie, eigentlich sei das alles zweitrangig. Die Hauptsache ist, dass es dem Kind gut geht.

Also, alles ist machbar. Das wichtigste sei es, entspannt zu bleiben und nicht die Kontrolle zu verlieren. Niemand, ganz egal ob jung oder alt, macht bei seiner ersten Schwangerschaft alles perfekt. Die Angst, die am Anfang doch noch relativ groß war, wird immer kleiner und die Freude und Sicherheit, nimmt immer mehr und mehr zu. Aus dem ungeplanten Zufallskind ist nun ein absolutes Wunschkind geworden. Und Maria wird ihren Weg im Leben gehen, bald mit einem Kind an der Hand.

Falls du in einer ähnlichen Situation bist und nicht weißt, an wen du dich wenden sollst, haben wir noch ein paar Tipps und Hilfen für dich zusammengetragen.

Schwanger unter 18/ ungewollt schwanger – Möglichkeiten/Finanzielle Hilfen vor und nach der Geburt/ProFamilia/ ungeplante Schwangerschaft/Hilfe für ungewollt Schwangere

Das Beitragsbild ist von der lieben Charlotte. Es ist beim letzten “Das was ich nicht sagen kann”-Workshop auf der TINCON in Hamburg entstanden.

Mutprobe erscheint als monatliche Serie und beschäftigt sich mit den kleinen (und großen) Mutproben des Alltags, mit Ängsten und Überwindungen, die eigentlich keine sein sollten. Wieso trauen wir uns nicht? Weshalb haben wir Angst? Wer oder was sorgt für böse Stimmen in unseren Köpfen?

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