Körper & Bewusstsein, Selbst & Inszenierung
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Ich bin ein Zuhause

Ich habe eine Diagnose. 
Ich bin Hochsensibel. 
Dem geschuldet, gibt es bei mir leider Tage, Wochen, manchmal sogar Monate, in denen es mir sehr schlecht geht. 
Dann mag ich nicht raus gehen, nicht reden, nicht essen.
Ich fühle mich dann, als sei ich umhüllt, ummantelt von einer dunklen Wolke. Ein bisschen dumpf.

Allerdings bin ich nach unsäglichen Tagen des Nichtstun und Selbstbemitleiden zu der Erkenntnis gekommen, dass das zu mir gehört. 
Ich bin so. Ich habe solche Phasen. 

Wie kann ich damit umgehen? Ohne außer Gefecht gesetzt zu sein? Und ohne ewige Tage im Bett zu sein und eine Folge Sex and the City nach der nächsten zu schauen? 

Ich habe mir ein kleines Heft angelegt. 
In diesem Heft Vermerke ich, wie es mir geht, was eventuell der Auslöser war für meine Stimmung. 
Und aber Vorallem: 
Was mir hilft. 

Und ich möchte diese persönlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen und langfristige Stützen mit euch  teilen.

Mein erster, vermutlich einfachster Trick, ist es zu baden oder zu duschen. Mich zu waschen. 
Alle Gefühle, Stimmungen, die eventuell gar nicht meine sind, sondern die anderer, abzuwaschen. 
Mich auf meinen Körper zu besinnen und ihn zu pflegen und zu befreien.
Obwohl es so simpel erscheint, hilft es ganz wunderbar.

Ein weiteres Ritual, was allerdings vor allem langfristig hilft, ist sich nach dem duschen nicht direkt in den dicksten Pullover zu hüllen, sondern seine Hüllen fallen zu lassen. 
30 Minuten lang einmal allein zu sein. Mit sich und seinem Körper. 
Und das meine ich, in einem ganz unerotischen Sinn. 
Nämlich seinen Körper einmal wahrzunehmen als das was er ist. Ein Körper. Der jeden Tag für einen selbst arbeitet. Energie speichert und verbraucht. Sich um einen sorgt. 
Und das tut er schließlich meist ganz von alleine. Warum ihn also nicht Wert schätzen, für das was er ist?

Ein Zuhause. 

Ein Zuhause das nicht immer geschmückt, verkleidet und umhüllt werden muss, um Wertschätzung zu erlangen. 

Manchmal gibt es allerdings auch Phasen, in denen man vielleicht die Verbindung zwischen Seele und Körper, zwischen Bewohner und Haus verliert. 
Und in solchen Phasen können Fotos helfen. Fotos für die man sich zurecht geputzt hat, lacht, schweigt und sich in wohlfühlt. 
Fotos können ungemein helfen, zu realisieren wer man ist. 
Sich einmal von außen sehen. 
Kinderfotos helfen mir zu sehen wer ich bin. 
Es gibt einen Film von meinem ersten Geburtstag, den ich mir oft anschaue, um mich aufzutanken mit mir selbst. 

Ich weiss dann wieder, wer ich im tiefsten Innern bin. 

Der wohl typischste Tipp ist es zu reden. Aber das ist schwierig. Mit wem soll man denn reden? was soll man sagen? „Red doch mal darüber!“ Ein Klassiker. 
Aber Wie? 
Indem man seine Gedanken und Gefühle sortiert, reflektiert. 
Alles aus dem Kopf, aus dem Herzen auf- und vor allem herausschreiben. 

Damit ist der größte Schritt gemacht. 

Die schweren Worte drücken dann fürs erste nicht mehr auf die Stimmung. Und wenn man an diesem Punkt ist, kann man darüber reden. Merken, dass andere eventuell auch schon so gefühlt haben, so fühlen und einen verstehen können.

Um aber mit anderen zu reden muss man vermutlich rausgehen oder zumindest aufstehen. Und das ist manchmal unglaublich schwer. Und da ist mein blöder Rat. Aufstehen. Rausgehen. Egal wie schwer es scheint.
Und dann, wenn man aufgestanden ist, rausgegangen ist, stolz auf sich selbst sein. Stolz, seinen Schweinehund besiegt zu haben. Du kümmerst dich um dein Haus. Um dich! Du musst nicht gleich dein Haus renovieren, aber du musst es Bewohnbar halten. Das hast du damit erreicht. 

Sei stolz auf dich.

Manchmal allerdings gibt es gewiss Tage, an denen geht gar nichts. Gedanken so schwer, dass man sie lieber vergisst. An solchen Tagen, darf man seinen Kopf ausschalten.
Dabei hilft es, den Fokus zu verändern. Aus seinem Kopf rauszukommen, hin zu seinen Händen. Etwas aktiv machen und erschaffen. 
Ich zum Beispiel schleife gerade eine Kommode ab. Diese vermeintlich eintönige Arbeit bewirkt Wunder. 
Am Abend hat man etwas geschafft. Probleme, Gedanken und Gefühle nicht mehr so extrem. 

Der Sturm hat dann abgeflaut. Das Zuhause steht. Ist gemütlich und warm. 

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