Gastgedanken, Selbst & Inszenierung
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Unkontrollierbare Kontrolle: und wieder aufstehen

Ich weiß nicht genau, wann oder warum es begonnen hat – keiner weiß es – aber plötzlich waren sie da, Gedanken wie: „Du musst abnehmen!“ oder „Du darfst nicht so viel essen!“ Und bald darauf die Verbote: „Gefrühstückt wird ab jetzt nicht mehr!“ oder „Eis? Auf keinen Fall!“ Nach jeder Mahlzeit fühlte ich mich schlecht und schuldig, weil ich gegessen hatte.
Irgendwann habe ich mich gefragt: Bin das wirklich ich? Jeder kann es sehen, wie er will: Ich betrachtete meinen Körper aus der Sicht zweier verschiedener Personen – die eine Person war ich selbst und die andere die Magersucht.

Als ich zu Beginn der Sommerferien 2017 bei einer Größe von 1,65 m nur noch 40 kg wog, ging es mir körperlich zwar noch gut, aber psychisch so schlecht, dass ich wusste, ich muss mit jemandem darüber reden.
Irgendwann schaffte ich es schließlich, meine Gedanken zwei Musikkolleginnen und Freundinnen anzuvertrauen. Auch ein Gespräch mit meiner Mutter ließ nicht lang auf sich warten, da natürlich auch meine Eltern bemerkt hatten, dass mein Essverhalten so nicht richtig war.

Ich begann mit einer Psychotherapie und musste wöchentlich zur Ärztin auf Gewichtskontrolle. Doch da mein Gewicht über ein halbes Jahr immer zwischen 42 kg und 45 kg schwankte, machte die Ärztin immer mehr Druck in Sachen Klinikaufenthalt. Nach ein paar schlaflosen Nächten, in denen ich viel darüber nachdachte, entschied ich mich mehr oder weniger freiwillig dafür, drei Wochen stationär in eine Klinik zu gehen.

Seither geht es mir besser. An manchen Tagen mache ich mir überhaupt keine Gedanken und esse das, worauf ich Lust habe. An anderen zähle ich wieder jede einzelne Kalorie, die ich zu mir nehme. Es gibt bessere und schlechtere Tage, doch ich werde weiterkämpfen und versuchen, ganz gesund zu werden.Diesen Willen wünsche ich jeder und jeden Einzelnen, die/der an einer Krankheit wie Magersucht leidet.

„Es ist kein Wunder, dass kaum jemand weiß, dass jede 10. Person, die an Magersucht leidet, daran stirbt. Kaum jemand weiß, dass diese Krankheit die höchste Sterbensrate mit sich bringt. Genauso wie vielen Leuten nicht bewusst ist, dass der Gewichtsverlust nur eine äußere Erscheinung einer Essstörung darstellt, es aber ganz andere Hintergründe hat, als nur abnehmen! Ebenso, dass viel zu wenige Menschen diese psychische Störung, als Krankheit ansehen und nicht als Abschaum. Es ist kein Wunder, wenn nicht darüber gesprochen wird. Nicht, wenn es ein Tabuthema bleibt.“

Diese Worte hat Lina Kröger einst unter ihr Facebook-Bild geschrieben. Sie wünscht sich Offenheit und verantwortungsvollen Umgang mit der Krankheit. Lina hat mit der Veröffentlichung ihres Buches „Glücklich auf ihre Weise“ einen Teil dazu beigetragen und ich hoffe, dass auch mein Text ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist und vielleicht ein paar von Euch anspornt, über solche Themen zu schreiben, zu reden oder einfach nachzudenken.

Gastgedanken von Anna. Sie 16 Jahre alt und lebt in Österreich, geht zur Schule und ist sehr musikalisch. Der Weltcup des alpinen Skisports interessiert sie sehr und im Winter liebt sie es, selbst Ski fahren zu gehen. Lebensmotto: Lebe deinen Traum!

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