Gastgedanken, Liebe & Triebe
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morgens um vier

Mittags am Küchentisch

 

Manchmal ist mir das Leben zu lebhaft, dann habe ich zu viel gelebt, dann habe ich zu oft ja gesagt zum Leben.

Dann macht sich Melancholie breit, die von dem Roten runtergespült wird.

Zusammen mit dem grauen, beißenden Rauch, der erst in den Bauch schwebt, dann nach oben in meinen Kopf steigt, die Gedanken verdrängt.

Gedanken, Erinnerungen an mein Leben, dass mir gerade zu viel ist.

Gedankenerinnerungen, die abwärts das Weite suchen, dann an meinen Schultern vorbei, Fingerspitze, Bauchnabel, Kniescheibe, Fuß.

Erinnerungen, die sich an den linken Fuß ketten, auf der anderen Seite mein Herz, das mir grad in die Hose gerutscht ist. Und weiter, weiter bergab zum Knöchel.
Ich weiß nicht welche Last mehr an meinem Fuß zieht, mich vom Gehen abhält.
Mein Schlurfen kommt zum Stehen.

Leben, sagen sie. Sag ja zum Leben.
Aber manchmal will man nicht.
Manchmal ist das, was ist, das, was man weiß und das, was vor einem liegt schon zu viel.
Dann musst du dich hinsetzen. Dann braucht die Melancholie Platz,
der Rauch, das Rote machen sich breit – in dir.
Verdrängen das Leben. Das Leben hat heute frei.

Bis morgen Mittag vielleicht.

Dann ist das Leben bis dahin weggeschwemmt, bis es unter Dröhnen in deinen Kopf zurück kriecht.

 

Deine Seite des Sees

 

Da bist du.
Fern ist dein Haus.
Auf der Seite des Sees.
Dort, wo die Bäume ihre Arme verschränken,
wie ein Schutzwall, eine Mauer,
die sich vor deinem Haus erhebt.

Hier bin ich.
Auf einer Bank.
Meine Seit ist leergefegt.
Fast kahl.
Hier sitz ich auf der Bank
Bloße Bank. Bloß eine Bank. Am Ufer.
Bloß ich. Ich bin bloß. gestellt.
An das Ufer.

Den Weg zu dir bin ich gegangen.
Mal links herum, mal rechts herum. rundherum.
Bin gefahren. Manchmal gerannt.
Aber den See kann ich nicht überqueren.
Kein Boot wäre willkommen.
Ich bin zu schwach, um zu schwimmen.
Das Ufer würde ich nie erreichen.

 

 

Alexander

 

A wie Alexander. A wie Angst.

Angst dich zu verlieren. Angst deine Stimme zu vergessen. Angst davor dich nicht mehr zu vermissen. Angst vor der Gewissheit, dass du mich nicht brauchst.

Ich bin es müde deinen Namen zu sagen. Trotzdem ist er Musik in meinen Ohren.

Reden sagen sie. Reden hilft gegen den Schmerz. Doch der verbreitet sich nur. Erfüllt jeden Raum, jedes Gespräch.

Jedes Mal, wenn dein Name erklingt, wird die Distanz zwischen uns größer.
Jedes Mal, wenn sie über dich reden, hört es sich nicht nach dir an.
Jedes Mal, trifft mich dieser mitleidige Blick, aufmunternde Worte mitten ins Herz-dort, wo du mal warst. Weil es da leer ist. Bitterkalt.

Es gibt einen Ort in meinem Herzen. Dein Haus. Du bist schon so lange fort, dass dein Gesicht vor meinen Augen verblasst wie die vergilbten Bilder an der Wand. Jedes Geräusch ist nur noch ein Schall wie deine Stimme in meinem Kopf.

Was einst so aus sah, als wenn sein Bewohner gleich zurückkehren würden, steht schon viel zu lange leer. Und dein Schatten wohnt in meinem Herzen.

Bitte komm nach Hause.

 

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Gastgedanken und Bilder von Rosa. Sie ist 17 Jahre jung und träumt von der großen, weiten Welt. Sie liebt ihre Freunde, ihre Familie, den Geruch nach einer Regenschauer, das Tanzen in dem klebrigen, kleinen Klub in ihrer Heimatstadt, kochen mit ihrem Freund und schwarzen Tee mit Milch. Und das Schreiben. Was einst nur das Festhalten von Momenten war, ist längst ein Ventil geworden, um Gefühle und Erlebtes zu verarbeiten.

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