Hier & Jetzt
Kommentare 1

Konzentrationslos

Kann mich nicht konzentrieren.
Nicht darauf, diesen Beitrag zu schreiben, nicht auf’s Lernen, allgemein nicht.
Es fällt mir schwer, bei einer – und wirklich nur einer – Sache zu bleiben.
Woher kommt das,  frage ich mich.

Ich habe mir Tipps durchgelesen, wie man sich besser konzentrieren kann. Fünf waren es. Sie lagen zwischen viel Wasser trinken und Konzentrations-Übungen machen. Aber das kann es doch nicht gewesen sein. Das ist es auch nicht.

Meine Schwäche geht tiefer als acht Stunden Schlaf jede Nacht und eine ausgewogene Ernährung – beides Dinge, auf die ich eh Wert lege.

Also inspiziere ich mich und das, was ich tu’.
Das ist eine ganze Menge. Neben dem Studium ist da noch Fernbeziehung, Familie, Freunde, andere Projekte, ich selbst. Alles Sachen, die mich beschäftigen. Tagtäglich, Stunde um Stunde und Minute für Minute. Und genau da liegt das Problem. Es gibt keine Sekunde ohne einen Gedanken, der in eine dieser Richtungen geht. Gibt keinen klaren, leeren Gedanken. Mein Leben ist voll, das ist schön, aber so ist es auch mein Kopf, mein Herz, mein Wesen. Ich kann nicht abschalten und das belastet mich. Und letztendlich auch wieder das, was ich mache.
Während ich das hier schreibe, denke ich an meine Lernzettel. Während ich meine Lernzettel durchgehe, denke ich an’s Schreiben, meinen Freund, Putzen, Einkaufen … einfach alles, womit ich mich gerade lieber beschäftigen würde.

Das nicht, weil der Wille nicht da ist, jetzt genau in diesem Moment das und nur das zu machen. Sondern weil es nicht geht. Weil Abschalten nicht funktioniert.
Und helfen mir Fahrrad fahren, Yoga oder die hundertste Folge Friends auch für einen kurzen Moment abzuschalten, doch aber nie längerfristig und nachhaltig für die Momente, in denen es zählt, fokussiert zu sein.

Ich komme nicht umhin, mich zu fragen, ob Social Media der Knackpunkt ist.
Instagram, WhatsApp, YouTube und wie unsere Lieblings-Apps alle heißen. Jeden Augenblick könnte es etwas Neues geben, jeden Augenblick könnte man was verpassen. Ein Trugschluss, dem man aber immer und immer wieder nachgeht. Ein Trugschluss, der Folgen bringt. Ist das Handy aus und weg, so sind es die Gedanken, die einen nicht ruhen lassen.

Was hat dieses Ding mit uns gemacht, dass wir nicht mehr ohne können? Unser ganzes Leben ist damit verbunden, darin aufbewahrt, gefangen. Wir vermissen es, wie einen Menschen.

Es ist zum Haareraufen. Ich raufe buchstäblich meine Haare, weil ich nicht mehr kann. Weil ich keinen Ausweg sehe. Weil es nicht mehr um ein Gut oder Sehr gut geht, sondern um ein Ausreichend.

Die Zeit ist da, der Wille, der Weg – aber die Konzentration, die Dedikation, die fehlt.

Was ich jetzt mache?
Weniger.
Weniger Nebenbei-Aktivitäten. Mal keinen Podcast beim Fertigmachen, mal keine Musik auf dem Nachhauseweg.
Ich nehme mir feste Zeiten vor, wann ich etwas mache und wann nicht. Am Wochenende will ich keine Mails mehr lesen oder schreiben. Will ein Wochenende wie jeder andere.
Habe einen Tagesplan.
Feiere kleine Erfolge. Setzte mir erreichbare Ziele. Bin nicht zu streng mit mir.
Lasse das Handy mal liegen. Vor allem die erste und letzte Stunde meines Tages.
Schreibe Gedanken auf. Halte das, was mich beschäftigt, fest.
Mache Gewohntes immer mal anders.
Priorisiere.
Gebe mir Zeit.

Und hoffe auf das Beste.

_

Worte von Nora, Fotos von Nora und Martin Wunderwald.

1 Kommentare

  1. Hi Nora,
    das hier ist der erste Artikel, den ich von euch/dir lese (ich habe dich über YouTube entdeckt) & ich bin vollkommen begeistert! Nicht nur von dem Inhalt & deinem Schreibstil sondern auch von den Bildern. Ich kenne das Gefühl, das du beschreibst & habe mir auch ähnliche Ziele gesetzt, um der Konzentrationslosigkeit entgegen zu wirken.
    Ich werde definitiv (hoffentlich ohne dabei Musik zu hören oder zwischendurch aufs Handy zu schauen) mehr von dir/euch/tierindir lesen!
    Macht weiter so 🙂 <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.