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Let’s hetz! – Zeit/Geschehen

2018 – Deutschland rückt zusammen, jedoch in eine ganz falsche Richtung. Im thüringischen Themar tanzt brauner Mob auf grüner Wiese. „Heil Hitler“-Rufe ertönen hier im Chor, aus den Lautsprechern wummert Rechtsrock. „Rock gegen Überfremdung“ nennt sich diese Zusammenkunft rechten Abschaums, der sich hier bei einem Nazifestival die Ehre gibt.

Rechtspopulistische Parteien erleben Erfolge, wie sie seit Jahren nicht da waren und versuchen nun, ihr reaktionäres, chauvinistisches Gedankengut so salonfähig wie möglich zu machen, im besten Falle so, dass wir es nicht immer direkt merken. Auch andere rechtsextreme Gruppierungen sprießen wie Unkraut aus dem Boden und vergrößern ihre Anhängerschaft stetig. Neben PEGIDA, an die man sich doch (erschreckenderweise) schon irgendwie fast gewöhnt hat, werden Stimmen immer lauter, die sich zu Verbänden wie “Der Rechten” oder “dem Dritten Weg” zählen. Nicht zu vergessen “die Identitäre Bewegung”, die als nationsverbundene Jugendgruppe rechtes Hipstertum zelebriert, und sich lieber jugendfreundlich als rechtsextrem präsentiert.

Es sind hierbei ganz bestimmte Teile Deutschlands, die immer weiter rechts rücken. Vor allem hier feiern dann Parteien wie die AfD große Erfolge, und genannte rechte Gruppen gewinnen immer größeren Anklang und Verständnis. Aber was macht diese Gebiete Deutschlands so anfällig dafür, rechts zu denken? Und wie sollen wir alle uns verhalten, wenn wir immer stärker mit rechter Ideologie und Rechsextremismus konfrontiert werden?

Das Schlimmste ist, dass die braunen Wölfe uns verstärkt im Schafspelz gegenübertreten. Direkt die rechten Karten auf den Tisch zu legen würde die Menschen vielleicht abschrecken. Also lieber erstmal einlullen und nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Als AfD damit zu werben, eigentlich eine nette Partei für gemäßigte Nazis zu sein, denen die NPD vielleicht dann doch zu 1933 war, wäre schon etwas offensichtlich. Sich selbst als Nazi zu bezeichnen, macht man ja an sich sowieso nicht gern. Und warum nur die Nazis gewinnen, wenn man sein rechtes Parteigedankengut doch auch so formulieren kann, dass es die breite Bürgerschaft anspricht und betroffen macht? Auch die sagenumwobene “Identitäre Bewegung” lässt sich gern als lockeres Bündnis junger Menschen präsentieren, die halt einfach ihre Heimat mögen. Dass es aber nicht ganz so ist, und bei dieser Gruppierung die Grenzen zwischen Patriotismus und überrechtem Nationalismus ganz und gar verschwimmen, soll der besorgte Bürger nicht auf den ersten Blick merken.

Umsonst heißt auch das Rechtsrockfestival in Themar nicht „Großes Nazitreffen“ – wie würde das denn klingen? Dann lieber mit etwas kaschieren, dass in Ostdeutschland einem Großteil der Bürger Sorgen bereitet – Überfremdung!

Doch warum sind es eigentlich immer ostdeutsche Kleinstädte, durch die braune Mengen marschieren? Warum ist der Osten rechter als der Westen? Der Ursprung allen Übels, der dortige Erfolg der AfD, sowie der rechten Ideologie überhaupt, ist die Angst. Die Angst vor dem Fremden ist eines unserer Urängste. Sie ist es auch, aus der die unterschiedlichsten Diskriminierungsarten entstehen, sei es Homophobie oder eben Rassismus. Unser Bild, das wir von diesen Menschen in unseren Köpfen haben, die da in Massen in unser Land kommen, ist durch Klischees und Vorurteile geprägt, die vor allem durch Medien und verallgemeinerte Negativerfahrungen verbreitet werden. Der Messerstecher, der Terrorist, der Fremde. Alles stürmt unser Land und wir können nichts dagegen tun. Oder vielleicht doch?

Da gibt es ja Parteien, die versprechen den Ängstlichen Hilfe! Grenzen schützen, Bikinis statt Burkas, Islamflut stoppen… Für einen Menschen, der genau dies fürchtet, kommen Parteien und Gruppierungen, die derartigen Widerstand versprechen, wie Retter in der Not. Dass sie aber gerade diese Ängste ausnutzen, um ihren Wahlkampf zu schüren, bleibt nebensächlich.

Und was man doch jetzt alles auf die Flüchtlinge schieben kann! Seit dem DIE da sind, ist für nichts mehr Geld da; bekommen sie ja alle vorn und hinten reingeschoben, glaubt man den rechten Gruppen. Dass in Deutschland auch vor der Flüchtlingskrise nie Geld da war, sei es für Kultur, Schulen, Infrastruktur oder andere große Teile des öffentlichen Raums, weiß man nicht mehr. Man hat ja jetzt endlich einen Sündenbock, den man dafür ankreiden kann – er schimpft sich Flüchtling. Alles doch irgendwie beschämend, wenn man bedenkt, dass kein einziger unter den rechten Hetzern die schrecklichen Fluchterfahrungen und all das Elend der Kriegsflüchtlinge nachempfinden kann.

Doch warum jetzt vor allem im Osten, wo es prozentual gesehen die wenigsten Ausländer gibt? Schuld ist einerseits die DDR, deren Erfahrungen noch immer in den Köpfen stecken. Viele Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik, Angola kamen zu DDR-Zeiten nach Deutschland. Nachdem aber die Planwirtschaft doch nicht ganz funktionierte, wie man sich das vorstellte, verließen viele von ihnen wieder das Land und viele zurückbleibende Ostdeutsche waren darüber auch relativ glücklich. Migranten waren Gäste, mehr nicht.

Im Westen hingegen wuchsen viele Deutsche mit Gastarbeiterkindern auf, gründeten später vielleicht sogar Familien. Die DDR-Bevölkerung wurde weiterhin als homogene Einheitsbevölkerung propagiert, da galten Migranten natürlich eher als Eindringlinge. Dass es heute auch noch zu wenige Zuwanderer in Ostdeutschland gibt ist natürlich auch ein Problem an sich, ein Teufelskreis: wenn niemand den Ostdeutschen vorleben kann, dass Ausländer vielleicht doch nicht alle Messerstecher und Bombenleger sind, wie es die Menschen vielleicht zu glauben wissen, dann gedeihen natürlich die Vorurteile gegen sie immer weiter, die Feindlichkeit ihnen gegenüber wächst stetig.

Schwerwiegend ist auch das Verhalten einiger Politiker, die für ihre Bundesländer ein so sauberes Image wie möglich haben wollen. Alles Schlechte wird klein geredet, Rechtsextremismus oft relativiert. Es sind hier vor allem CDU-Politiker die für ihren Freistaat ein Gefühl der kollektiven Identifikation anstreben. Das entsteht natürlich nur, wenn man die eigene Seite zusammenschweißt, das Andere ausgrenzt und zum Feindbild entstehen lässt – Wir gegen die!

Wie also all dem begegnen, dem ganzen Rechtsdenken? Einlullen lassen sollten wir uns natürlich generell nicht, aber jeder halbwegs zivilisierte Mensch wird erkennen, dass die AfD mit ihren Aussagen nicht ganz koscher ist. Wer eine Partei wählt, die nicht nur offen gegen Geflüchtete hetzt, sondern auch noch Nazis in ihren Reihen hat, der muss blind und dazu doof sein. Und ich nehme mir das Recht, Björn Höcke als Nazi zu bezeichenen. Ich kann kein anderes Wort finden für einen nationalistischen Schwachkopf, der mit NS-Vokublar um sich wirft, als sei es Konfetti. Vor allem brauchen diesbezüglich die Leute Aufklärung, die sich der AfD aus Besorgnis und Angst anschließen. Aufklärung darin, dass die AfD für diese Menschen keineswegs eine Alternative ist. Auch liegt es an Politikern und Polizei, vor allem in Ostdeutschland, die Verbrechen von Rechts nicht mehr zu relativieren. Betroffene Politiker aus diesem Raum sollten lieber überlegen, wie man mit den Migranten umgeht, die nun einmal da sind, Solidarität bei ihrer Bevölkerung für diese Menschen zu fördern, anstatt gegen sie Feuer zu machen, zu hetzen und das Klima nur noch weiter zu verschlechtern. Rechte wird es immer geben, es ist einfach so, und solang es Rechte gibt, gibt es auch rechte Parteien. Der wachsenden Beliebtheit dieser Parteien sollte man dennoch entgegentreten. Deshalb gilt: geht wählen! Es ist das Beste was ihr machen könnt, um gegen die Reichweite rechter Parteien anzutreten. Denn jede vergeudete Stimme von euch ist eine Stimme verschenkte Stimme an einen weiteren rechten Hetzer.

 

Zeit/Geschehen von Dominik erscheint als monatliche Kolumne und behandelt aktuelle Themen und Zeitgeschehnisse. Foto von Luka.

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