Liebe & Triebe
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Liebe in Zeiten von Tinder & Co.

Nun, was kann ich mit meinen 19 Jahren schon zu diesem Thema beitragen, ich kenne es doch selbst nicht anders. Eigentlich müsste ich an dieser Stelle unsere Eltern fragen, oder besser noch deren Eltern. Als man sich noch richtig echte Liebesbriefe geschrieben hat und der magische Gute-Nacht-Kuss an der Haustür als krönender Abschluss eines gelungenen Abends galt.

So ist das jetzt irgendwie nicht mehr. Jetzt gibt es Tinder oder Lovoo. Alles ist schneller und auch irgendwie einfacher geworden. Auch ich habe mit meinem ersten Freund über SchülerVZ geschrieben. Getroffen haben wir uns nie, das war dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Und dann haben wir uns auch schon wieder getrennt, auch über das Online-Portal.

Natürlich ist es nicht ganz so extrem, wie bei mir damals. Wenn man jemanden über Tinder kennenlernt, trifft man sich schon, lernt sich ein bisschen kennen. Online-Dating ist im Grunde auch überhaupt nichts Neues. Trotzdem hat sich alles immer mehr in Richtung Schnelllebigkeit entwickelt. Es ist eben schon ein Unterschied, ob man sich bewusst auf einer Plattform anmeldet und die Menschen, die man interessant findet, bedacht auswählt und sich Mühe gibt, diese anzuschreiben oder ob es nur durch bloßes Klicken und Wischen geschieht.

Das Prinzip von Tinder basiert letztendlich nur auf Oberflächlichkeit. Innerhalb einer Minute kannst du lauter kleiner Bildchen auf dich regnen lassen und mit dem bloßen Wischen dann entscheiden, ob du mit der Person in Kontakt treten möchtest oder nicht. In kürzester Zeit wirst du also jemanden finden, der oder die dir gefällt und wenn du Glück hast, entsteht kurze Zeit später eine Konversation oder auch Chat. Allein diese Prinzip zeigt schon, dass es den Nutzen nicht wirklich um die wahre Liebe gehen kann. Irgendetwas schnelles und einfaches. Nichts mit tiefen Gefühlen, keine Emotionen. Einfach ein bisschen Bestätigung, ein paar schöne Gefühle, die das Selbstwertgefühl hochziehen.

Natürlich kann das Ganze auch sehr positiv sein, denn immerhin sind Dating-Plattformen nach dem Kennenlernen durch den Freundeskreis die zweitwahrscheinlichste Möglichkeit, einen festen Partner oder Partnerin zu finden.

Jedoch nehmen auch die Trennungen immer weiter zu. Offenbar ist es heutzutage viel schwieriger, eine langjährige Beziehung aufrechtzuerhalten. Und Tinder trägt dem Ganzen nicht wirklich positiv zu, sondern ermöglicht ja gerade erst den ständigen Partnerwechsel. Es ist immer jemand verfügbar, man braucht nur zu wischen und schon ist der oder die Nächste bereit.

Und genau das ist das Problem: man verlernt, was Liebe bedeutet. Tinder und Co ermöglichen es, dass man sich in der ständigen Phase des Verliebtseins befinden kann. Es ist immer diese typische Anfangsphase, man weiß nicht wohin mit seinen Gefühlen und hat nur noch die eine Person im Kopf, denkt an nichts anderes mehr. Tausend Schmetterlinge im Bauch und die rosarote Brille vor den Augen. Bis dann der Alltag und die Routine kommt. Dann wird es schnell langweilig und öde und doof. Und dann trennt man sich halt, weil die ganz große Liebe ist es dann doch nicht. Denn: es gibt ja Tinder! Und Tinder ermöglicht es dir eben, dass immer wieder jemand Neues verfügbar ist und du immer wieder dieses neue Gefühl der Verliebtsein erleben kannst, immer wieder ein neues Kribbeln im Bauch.

Aber von richtiger Liebe ist da keine Spur. Die richtige Liebe, die muss man lernen. Man muss es schaffen, den Punkt zu überwinden, wo dann doch nicht mehr alles so rosarot erscheint. Und das ist gar nicht so leicht, wenn man doch noch so viele andere Möglichkeiten hat. Es ist nunmal leider so verdammt einfach, immer wieder einen neuen, kurzfristigen Partner zu finden.  Auch wenn es so typisch ist, sollten wir uns ein Beispiel an unseren Großeltern nehmen. Natürlich ist es wichtig sich auszuprobieren, aber wenn man dann die eine Person gefunden hat, mit der man sich wirklich gut versteht, sollte man nicht bei dem ersten Streit alles wieder hinschmeißen. Vielleicht denkt man einfach mal um und versucht wirklich an der Beziehung zu arbeiten. Wenn man nämlich über den Punkt der normalen, verliebten Anfangsphase hinaus ist, dann wächst man nur noch mehr zusammen und dann wird es erst wirklich schön. Dann kann man auch von echter Liebe sprechen.

Doch leider wird diese magische Bindung zwischen zwei Menschen immer weniger und Tinder spielt einen großen Teil dazu bei. Natürlich kann man sich fragen, wofür es sich überhaupt lohnt, für eine lange, intensive Beziehung zu kämpfen, wenn man doch auch immer wieder diese aufregenden Gefühle haben könnte. Die Antwort darauf muss wohl jeder selbst finden, aber ich bin mir sicher, dass jeder, der mal echte, intensive Liebe erfahren hat, diese Gefühl dem anfänglichen Verliebtsein immer wieder vorziehen würde.

Wir investieren so viel Zeit in unserem Leben, um uns auf unser Berufsleben vorzubereiten. Schule, Studium, Praktika, Ausbildung. Aber von der Liebe erwarten wir, dass sie doch so selbstverständlich ist, dass immer alles klappen muss. Es ist doch so eine schöne Vorstellung, mit einer Person, die man wirklich mag, an seiner Liebe zu arbeiten und gemeinsam zu wachsen. Dinge zu erleben und zu spüren, die man sich sonst gar nicht hätte vorstellen können. Sich so weit zu entwickeln, dass es weit über dieses Verliebt-Sein hinaus reicht. Dann bekommt so eine Beziehung einen ganz neuen wert und man überlegt sich zweimal oder auch zehnmal, ob das das jetzt wirklich alles so aufgibt.

Also, lasst uns wieder versuchen zu lernen, was echt Liebe bedeutet. Das ist absolut nichts, was sich im Internet abspielt, sondern etwas Zwischenmenschliches, was man mit bloßen Worten nicht beschreiben kann, schon gar nicht in irgendeinem Chat. Legt doch einfach mal eurer Handy weg und lernt die Person wirklich kennen. Lasst uns doch einfach wieder mehr Liebesbriefe schreiben, so ganz in echt. 

 

 

 

 

Text und Bild von Luka

2 Kommentare

  1. Becci sagt

    Ich finde diesen Text leider nicht so gut. Warum? Ich habe meinen Freund vor über 3 Jahren auf Tinder kennen und lieben gelernt. Und ich bin Tonder so unwahrscheinlich dankbar – denn ohne diese App hätte ich diesen wundervollen Menschen nie kennen gelernt. Und ich finde, bei uns kann man definitiv von wahrer Liebe reden. Finde den Text also nicht gut gewählt, und schade das es hier so negativ dargestellt wird. Wir leben halt in einem neuen Zeitalter & wir sollten die Möglichkeiten die sich dadurch ergeben annehmen und das Internet nicht als negativ darstellen. Mein Freund und ich brauchen keine Liebesbriefe, unsere Geschichte ist Liebe pur – dank Tinder!!!!

    • tierindir sagt

      Liebe Becci, danke für deine ehrliche Meinung! Natürlich ist der Text sehr überspitzt, aber leider ist genau das meine persönliche Erfahrung damit. Ich finde tatsächlich, dass diese Schnelllebigkeit ein Problem darstellt. Dass wir das Internet und alles was damit einher geht eher als Chance sehen sollte, da stimme ich dir auf jeden Fall zu. So macht eben jeder seine Erfahrung und ich schildere hier meine- vielleicht hast du ja Lust, über deine Erfahrung einen Text zu verfassen, den wir dann als positive Gegenmeinung veröffentlichen? Ich denke, du bist nicht allein mit der Auffassung, dass Tinder auch sehr gut sein kann! Ich fände es jedenfalls sehr spannend. Schicke ihn dann gern an gastgedanken@tierindir.de. Dir und deinem Freund alles Gute!

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